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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Das Kameraauge des postmodernen Theaters

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Seit den siebziger Jahren ist in New York ein Theater zu sehen, das gegenüber dem traditionellen Theater, aber auch gegenüber den Theaterformen der historischen Avantgarde einschneidende Veränderungen zeigt. Während das traditionelle Theater vorrangig Texttheater blieb, hatte sich das Erbe der historischen Avantgarden in den sechziger Jahren in drei Tendenzen konkretisiert, deren gemeinsamer Nenner die Aufhebung der theatralen Illusion war, sowohl im Hinblick auf das szenische Dispositiv als auch auf den dramatischen Text: Happening und Ritual, Schlüsselwörter für ein dionysisches Theater, dessen Ahnherr der Nietzsche der Geburt der Tragödie ist, suchten die theatrale Illusion zu zerstören, indem sie die Trennung der Zuschauer von der Bühne in der Partizipation einer illusionären Gemeinschaft in einem offenen Raum auflösten; das Brecht’sche Theater und seine Adepten gingen der Theaterillusion mit Hilfe der Verfremdung und epischer Verfahren auf einer Proszeniumsbühne zu Leibe im Dienste der Illusion einer ‚guten‘ Politik; das absurde Theater, Dadaismus und Surrealismus verpflichtet, nahm die Kategorien des aristotelischen verosimile ins Visier und ließ gleichzeitig eine Vielfalt von Interpretationen gelten, was gerade die Wahrscheinlichkeit des ihr zugrundeliegenden Diskurses stärkte.

Dem Theater der siebziger Jahre geht es dagegen nicht mehr um die Destruktion der theatralen Illusion, sondern es sucht in einer „Dekonstruktion“ (Derrida) die Bedingungen theatraler Repräsentation, die Bedingungen von Hören und Sehen im theatralen Prozess selbst zu analysieren: Die historischen und zeitgenössischen Formen des Theaters, allen voran das théâtre à l’italienne, aber auch die offene...

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