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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Pier Paolos Pasolinis Utopie eines Theaters der Poesie zwischen Kopf und Leib

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Fast zehn Jahre nach Pier Paolo Pasolinis gewaltsamem Tod auf einem terrain vague nahe dem Wasserflughafen von Ostia im Morgengrauen der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen am 2. November 1975, druckte die Zeitschrift der Theatergruppe Magazzini criminali Pier Paolo Pasolinis „Manifesto per un Nuovo Teatro“ zum ersten Mal seit seiner Veröffentlichung im Januar/März 1968,1 unter der Rubrik „Im Theater der toten Sprachen“ (Nel teatro delle lingue morte) wieder ab.2 Diese Publikation der Magazzini unterstrich die Abwendung Sandro Lombardis, Marion d’Amburgos und Federico Tiezzis von einem Performancetheater wie Crollo nervoso 1980 und initiierte ihr Projekt eines „Labors für ein Theater der Poesie“ (laboratorio per un teatro di poesia), das die Gruppe in den neunziger Jahren mit Dantes Divina Commedia (1989–1991), Giovanni Testoris Edipus (1994) und Pasolinis Porcile (1994) umsetzen wird. Zweifelsohne hatte Pasolinis vergessenes Manifest ihre Entwicklung zu einer Theaterästhetik des gesprochenen Wortes in den neunziger Jahren ebenso beeinflusst, wie die vorangehende Auseinandersetzung mit Pasolinis Dramentexten zur Ausbildung eines spezifischen italienischen teatro della parola beigetragen hatte.3 Heute, dreißig Jahre nach Pasolinis Tod und zwanzig Jahre nach der ersten Reprise des Manifest durch eine damalige Theateravantgarde, stellt sich die Frage nach der Aktualität von Pasolinis Text vor einem Horizont, der sich zwischen den Polen zweier repräsentativer Positionen spannt, die mit den Namen Luca Ronconi einerseits und Giuseppe Zigaina andererseits verbunden sind.

In Pasolinis Werkausgabe bei Mondadori ist sein Theatermanifest nicht abgedruckt.4 In dem Interview, das dem Band Teatro der Gesamtausgabe vorangestellt...

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