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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Der Körper und seine (vokalen) Doubles: Zur Dekonstruktion von Weiblichkeit auf der Bühne

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Konnte man noch Anfang der achtziger Jahre einen Großteil des institutionellen Theaters als Hort des Logozentrismus charakterisieren, so erscheint heute mancherorts die Bühne eher als Kultstätte von Körpern, für die das Wort zur quantité négligeable geworden ist. Doch welcher Körper wird dort gefeiert? Welche Konzeption des Subjekts legt er nahe? Ist der Körper tatsächlich das Reale, das Theater und Leben gemeinsam haben? Heißt Körper ausschließlich die physische Präsenz des Fleisches?

Solche Fragen stellen sich nicht nur, wenn das Fehlen von körperlicher Präsenz und Ausstrahlung gerade bei der Exhibition nackten Fleisches beobachtet wird. Sie werden schon aufgeworfen, wenn man die von Sigmund Freud konstatierte physische Verankerung der Psyche – er versteht sie als Oberflächendifferenzierung aus der Wahrnehmung des eigenen Körpers1 – zu denken sucht. Gerade wenn im Theater die mit der Wahrnehmung körperlicher Identitäten verbundenen Erwartungen durch eine Inszenierung irritiert werden, die Geschlechtsidentitäten verschiebt, verwischt, auflöst, liegt der Schluss nahe, dass die Bühne nicht nur dem Kult unhinterfragter Körperlichkeit dient, sondern auch ein Ort sein kann, in dem die Komplexität gesellschaftlicher Körper- und Identitätskonzeptionen szenisch verhandelt wird. Am Beispiel der Inszenierung des weiblichen Körpers soll eine solche szenische Auseinandersetzung untersucht werden. Sie impliziert die Frage nach der Konstruktion von Weiblichkeit und nach den dabei beteiligten Signifikantensystemen. Sie enthält weiter die Frage nach dem Stellenwert des präsenten physischen Körpers und den Mechanismen...

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