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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Dante lesen als Performance.

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Lectura Dantis auf der zeitgenössischen Bühne

Im Juli 2008 war beim Festival d’Avignon eine Divina commedia in drei Teilen zu sehen, die Romeo Castellucci als seine von Dantes Gedicht „frei inspirierte“ Version präsentierte. Zwar war weder im Inferno im Ehrenhof des Papstpalastes, noch im Purgatorio in einer auf einem Industriegelände angesiedelten Ausstellungshalle, noch in seiner Installation Paradiso in der Église des Célestins ein Vers aus Dantes Jenseitsgedicht zu hören. Jedoch zeigte sich Castellucci ausdrücklich als Autor und Protagonist einer heutigen Commedia, als er sich, selbst „in der Mitte des Lebens“ stehend, zu Anfang seines Inferno dem Publikum mit seinem Namen – „je m’appelle Romeo Castellucci“1 – vorstellte und seinen bis auf Kopf und Hände von einem wattierten Anzug geschützten Körper dem wütenden Angriff von drei Bestien in Form dressierter Kampfhunde aussetzte, verloren auf dem Diesseitsort der riesigen leeren Bühne – seiner selva – vor dem hohen bedrohlich aufragenden Gemäuer des Papstpalastes.

Romeo Castelluccis Commedia dramatisierte und aktualisierte mit unerhörten Bildern und der Musik von Scott Gibbons auf seine Weise das, was bei Dante den theologischen Grundstein der drei Jenseitsreiche bildet. Der primo amore, die das göttliche Wort und das Jenseitsuniversum Dantes strukturierende Kraft der Liebe, wird hier auf den Prüfstein einer mala mimesis2 gestellt: ihre zeitgenössischen Formen und Perversionen, ihre Möglich- und Unmöglichkeiten wer den in Bilder- und Szenenfolgen von Hölle und Läuterungsberg ausgelotet. Liebe wird nicht nur...

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