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Die Romane Thomas Glavinics

Literaturwissenschaftliche und deutschdidaktische Perspektiven

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Edited By Jan Standke

Seit Erscheinen der Erfolgsromane Der Kameramörder (2001) und Die Arbeit der Nacht (2006) gehört Thomas Glavinic zu den wichtigen Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In seinen Romanen erzählt er auf immer wieder neue Weise von Welten und Figuren, die dem Leser gleichermaßen vertraut und bedrohlich fremd erscheinen. Die Beiträge des Bandes erschließen die facettenreiche und vielfach ausgezeichnete Prosa des Autors aus zwei sich ergänzenden Perspektiven: Im ersten Teil des Bandes sind literaturwissenschaftliche Einzelanalysen der Romane sowie Studien zu den poetologischen Texten versammelt. Der zweite Teil bietet literatur- und mediendidaktische Beiträge, die sowohl in theoretischer wie auch konkret methodischer Absicht nach der Bedeutung von Glavinics Werk für den Deutschunterricht fragen. Ein ausführliches Interview mit Thomas Glavinic leitet den Band ein.
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Wer nach der Gegenwart fragt, zumal nach der literarischen, kommt eigentlich immer schon irgendwie zu spät. Was uns als gegenwärtig gilt, ist in dem Moment der Bewusstwerdung, der reflexiven Durchdringung bereits dem Lauf der Zeit in die Vergangenheit gefolgt. Die Vorbehalte gegenüber der Ergiebigkeit und Unschärfe des Begriffs ‚Gegenwart‘ ließen sich an dieser Stelle weiter entfalten. Von der Auseinandersetzung mit der neuesten Literatur sollten diese Einwände dennoch nicht abhalten. Mit dem Österreicher Thomas Glavinic (* 1972) steht in dem vorliegenden Band ein Autor im Mittelpunkt, der in seinen Romanen mal in fantastischer, mal in realistischer, stets aber in beeindruckender Weise von Welten und Figuren erzählt, die dem Leser gleichermaßen vertraut und bedrohlich fremd erscheinen. Wie kaum ein anderer Autor vermag Glavinic in seinen Texten das post-postmoderne Subjekt zu sezieren und dabei in der scheinbaren Normalität der Existenz das Abweichende, Skurrile, Abgründige offenzulegen, ohne in einen existenziellen Pessimismus abzubiegen. „Alptraum und Glück“ – so der treffliche Titel des Bandes zu Glavinics Poetikprofessur in Bamberg 2012 – durchdringen sich in den Erzählwelten des österreichischen Autors unaufhörlich. Auch sind Gegenwart und Geschichte in Glavinics Romanen motivisch miteinander eng verkoppelt. In seiner poetologischen Reflexion Meine Schreibmaschine und ich (2014) bemerkt er hierzu:

In Wahrheit gibt es nicht viele Motive, und es sind immer schon dieselben gewesen. Der Tod, die Liebe, der einsame Held und die schreckliche Welt, Verrat, der Narr, die Einsamkeit – kein Motiv, das mir einfällt, ist neu,...

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