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«Die europäische Ordnung stirbt»... – Religion und Geschichtskonstruktion im Angesicht der Katastrophe

Eine vergleichende Untersuchung der Romane «Die Schlafwandler» von Hermann Broch und «Das unauslöschliche Siegel» von Elisabeth Langgässer

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Silke Kubik

Den Katastrophen zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchen Elisabeth Langgässer und Hermann Broch in ihren Epochenanalysen Die Schlafwandler und Das unauslöschliche Siegel Sinn zu verleihen. Sie verbinden dafür kulturpessimistisches Gedankengut mit geschichtsphilosophischen Reflexionen und heilsgeschichtlichen Motiven zu neuen Deutungsmustern. Ziel der Untersuchung ist es, die verschiedenen Sinnmuster zu rekonstruieren und die Textaussagen im Diskurs der Zeit zu verorten. Beide Romane werten die Moderne als Verfall und stilisieren ihre eigene Gegenwart zum geschichtlichen Wendepunkt mit endzeitlicher Qualität. In Brochs Text gerät dabei die Erfahrung von Gewalt zur Offenbarung eines kalten Gottes. Langgässer entwirft mit Hilfe von Zitaten aus dem Werk des Diktaturbefürworters Donoso Cortés eine Kritik am Nationalsozialismus und verstrickt sich aufgrund ihrer antiliberalen Position in Ambivalenzen gegenüber dem Nationalsozialismus.
Aus dem Inhalt: Die Epochenanalyse in den Schlafwandlern: die religiösen Reminiszenzen der Protagonisten als Reaktion auf die forcierte Modernisierung der Lebenswelt; Konvention, Faustrecht und Krieg als Stadien des gesellschaftlichen Verfalls – Die Geschichtstheorie des Zerfall der Werte-Essays: Verfallstheorie, formale Geschichtstheorie des Neukantianismus und religiöse Geschichtskonzeption – Langgässers Rezeption des konservativen Staatsphilosophen Donoso Cortés und ihre Kritik am Nationalsozialismus – Der Zusammenhang von Diktatur und Mystik: Parallelen zwischen der Staatstheorie und der Subjektkonzeption im Unauslöschlichen Siegel – Christliche, mythologische und mystische Zeitkonzepte im Unauslöschlichen Siegel.