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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

von Alexander Bierich (Band-Herausgeber:in) Thomas Bruns (Band-Herausgeber:in) Henrieke Stahl (Band-Herausgeber:in)
Andere 666 Seiten
Open Access

Zusammenfassung

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.
An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titelseite
  • Impressum
  • Inhalt
  • Zum Geleit
  • Publikationsverzeichnis von Gerhard Ressel und Svetlana Ressel-Jelisavčić
  • SPRACHWISSENSCHAFT
  • Quellen der russischen Phraseologie (Am Beispiel des Herkunftsbereiches „Alltägliches Leben“)
  • Секретарь, секретарша, секретутка – (k)eine Frage der политкорректность?
  • Отличительные признаки креативности в тексте художественной литературы
  • Славянская микролингвистика и славянская микрофилология
  • Gedächtnisraum Sprache: europäische Dimensionen im Wortschatz der bulgarischen Sprache
  • Из «крылатого» наследия А.С. Пушкина: «чудное мгновение»
  • Вход к’ Писменицы и єзыкознанію Павла Соларића из 1831. године
  • Modalität und Ereignis-Zustandstruktur in den negierten reflexiven dispositionellen Konstruktionen des Russischen
  • Grammatische versus semantische Kongruenz von Numeralphrasen im Bosnischen, Kroatischen und Serbischen
  • Anmerkungen zu den Nomina anatomica in polnischen Somatismen
  • LITERATUR- UND KULTURWISSENSCHAFT
  • Zersetzung des Gesellschaftlichen und Zersetzung des Subjekts in der Kriegsliteratur postjugoslavischer Autorinnen (Daša Drndić und Ivana Sajko)
  • Zu Krylovs Fabel „Esel und Nachtigall“
  • Александар Тишма, европски аутор двадесетог века
  • Ономатопеја – чуло заборава у књижевном тексту?
  • Bunin, die Krim und die Ukraine
  • Pasternaks Doktor Schiwago und Dantes Vita Nuova: ein poetologischer Vergleich
  • Abschied von der „russischen Seele“ und ihren Ingenieuren. Neue Russlandbilder und Bilder vom neuen Russland in der deutschen Prosa der Jahre 1995 bis 2013
  • Blinde inmitten von sehenden Mauern: Vladimír Holans Dem Asklepios einen Hahn
  • Vampirismus als Sprachspiel: das Erzählen von Serbiens Geschichte(n) in Mirjana Novaković’ Strah i njegov sluga
  • Momčilo Nastasijević: Antikriegsliteratur
  • „Wir bitten also unsre Gäste zum Tanz und rauschend schönen Feste!“ Feste und Feiern in der polnischen Dramatik des 19. und 20. Jahrhunderts
  • Aleksandr Puškin, Adam Mickiewicz und die klassische Antike
  • Poetische Strategien zur Verarbeitung von Trauer in Jan Kochanowskis „Treny“
  • Die Schrift Sehen und Gehen in der Inselpoetik der kroatischen Autorin Andriana Škunca
  • KULTUR, GESCHICHTE UND PHILOSOPHIE
  • Das Plato-Bild in der „Kritik der reinen Vernunft“
  • Verborgene Erinnerungsräume. Historische Fußnoten zu Vladimir Nabokovs „Speak, Memory“ und deutsch-russische Begegnungen im Bannkreis der europäischen Romantik
  • Opfer – Beute – Boten der Humanisierung? Frauenschicksale in Kao da me nema/Als gäbe es mich nicht (1999) und Grbavica/Esmas Geheimnis – Grbavica (2006)
  • Bosnia and its many identities
  • „Kein anderes Paradies als das Dasein“: Die Idee des postumen Wirkens in einigen Spätgedichten Mandelstams
  • Institutionen und ihre Namen in verschiedenen Sprachen. Von Dubrovnik bis Novgorod
  • "Хилендарският монах" на Димитър Талев – поглед върху идейното начало на българския ренесанс
  • О значении слова ‚авось’: заметки дилетанта на полях языковедческих штудий
  • Русская философия в Германии. Наблюдения и размышления
  • Der Norweger Henrik August Angell und seine Reiseberichte über Montenegro
  • Zwei unterschiedliche Herangehensweisen in der Übertragung von Njegošs Bergkranz (Gorski vijenac) ins Deutsche (Katharina Jovanovits und Alois Schmaus)
  • „Memoiren eines Janitscharen oder Türkische Chronik“ des Serben Konstantin Mihajlović im belorussisch-polnischen Kontext
  • The Sting of Memory: Andrić, Kierkegaard and the Philology of Absence
  • Between nomadism and sedentariness: Figuration of space in the literary and visual culture of migrant workers from Yugoslavia

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Zum Geleit

Mit dem vorliegenden Band werden Professor Gerhard Ressel und seine Gattin Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić für ihre Verdienste in der Lehre und Forschung der Slavistik durch eine internationale Gemeinschaft der Beiträgerinnen und Beiträger geehrt. Das breite Spektrum der Themen und innerslavistischen Disziplinen sowie verschiedener slavischer Sprachen spiegelt das Tätigkeitsfeld des Forscherpaares, wie der beachtliche Umfang ihre Wertschätzung durch die vielen mit ihnen verbundener Kolleginnen und Kollegen.

Die Festschrift ist dem Ehepaar Ressel zusammen gewidmet. Sie durften das seltene Glück erfahren, nicht nur über mehrere Jahrzehnte in mannigfaltiger Weise beruflich erfolgreich zusammen tätig zu sein, sondern auch als Ehepaar ihren privaten Lebensweg harmonisch zu gehen. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung, als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt – hier sind vor allem Russisch, Serbisch/Kroatisch und Polnisch zu nennen –, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

Ihre wissenschaftliche Tätigkeit nahmen die Jubilare an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster auf, wo sie auch ihr Studium der Slavistik, Philosophie und Mathematik absolviert hatten. Die wissenschaftlichen Interessen von Gerhard Ressel lagen zunächst im Bereich der russischen generativen Transformationsgrammatik, zu der er 1971 seine Dissertation zum Thema „Studien zur generativ-transformationellen Semantosyntax russischer Adverbialkonstruktionen“ vorlegte. Die damals hochaktuellen und völlig neuartigen Theorien der generativen Transformationsgrammatik wandte Gerhard Ressel auch in seiner Habilitationsschrift „Syntaktische Struktur und semantische Eigenschaften russischer Sätze. Generativ-semantische und modelltheoretische Untersuchungen zu einer Paraphrasengrammatik des Russischen“ an, mit der er sich 1974 an der Universität Münster habilitierte. Mit den Ansätzen dieser Theorien machte er sich in einem von der DFG geförderten Postgraduiertenstudium der Theoretischen und Angewandten Linguistik an der University of California in Berkeley / USA bei den Professoren George Lakoff, Charles Fillmore und John Searle (1972/73) vertraut. Diesen fundamentalen Studien folgten Arbeiten zur vergleichenden slavischen Grammatik, zur Wortbildungslehre, zum sprachlichen Weltbild, zur philosophischen Terminologie, zum Verhältnis von Sprache und Politik ←11 | 12→auf dem Balkan usw. Hervorzuheben sind vor allem seine Untersuchungen zur altrussischen Wortbildung (1987), zu den Wortstrukturen im Slavischen und Baltischen (1993), zu der lexikologischen Struktur der Ökonomieterminologie im Serbokroatischen (1993), zu den lexikalischen Einflüssen des Deutschen auf die serbokroatische philosophische Terminologie (1995) u.a.

An der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster verlief nicht nur die wissenschaftliche, sondern auch die berufliche Tätigkeit von Gerhard Ressel. Seit 1973 war er als Assistent am Lehrstuhl für Osteuropäische Philosophie beschäftigt. Nach seiner Habilitation 1974 wirkte er zunächst als Universitätsdozent und Apl.-Professor, bis er schließlich 1980 zum Universitätsprofessor für Slavische Philologie ernannt wurde. 1978-80 sowie 1988-90 war Gerhard Ressel Dekan des Fachbereichs Romanistik und Slavistik und 1984-86 Dekan der Philosophischen Fakultät.

1996 folgte Gerhard Ressel dem Ruf auf den Lehrstuhl für Slavische Philologie an der Universität Trier. Die Slavistik der Universität Trier verdankt Gerhard Ressel ihre Modernisierung mit der Entwicklung von fünf neuphilologischen slavistischen Studiengängen und ihrer konzeptionellen Adaption an das Bachelor-/Mastersystem. Ein besonderes Verdienst besteht in seiner Leistung, 2003 für die Trierer Slavistik eine zweite Professur im Etat des Fachbereichs fest zu verankern und auf diese Weise das Fach mit einem Gleichgewicht in der Sprach- und Literaturwissenschaft auszustatten. Zugleich setzte er sich dafür ein, dass beide Fachteile ebenso interdisziplinär miteinander wie mit einer Öffnung zur Philosophie und Geistesgeschichte sowie den Kulturwissenschaften und einer komparatistischen Forschung sowohl innerhalb der Slavistik, als auch mit anderen Philologien arbeiten konnten. Gerhard Ressel engagierte sich für die Vernetzung der Slavistik sowohl innerhalb des Fachbereichs, dem er auch eine Amtszeit als hoch angesehener und wertgeschätzter Dekan vorstand, als auch innerhalb der Universität Trier im Verbund mit anderen auch nicht philologischen Fächern, etwa in der Zusammenarbeit im Zentrum für Europäische Studien. Auch die Internationalisierung der Trierer Slavistik durch den Aufbau von Kooperationen und Partnerschaften mit wissenschaftlichen Einrichtungen slavischer Länder sowie die regelmäßige Einladung slavischer KollegInnen zu drittmittelfinanzierten Gastdozenturen und -vorträgen hat Gerhard Ressel vielseitig vorangetrieben. Besonders hervorzuheben ist hier seine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Sprachwissenschaft der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau und dessen langjährigem stellvertretenden Direktor Professor Dr. Valerij Dem’jankov, der seinerseits mit seinem Institut die Trierer Slavistik maßgeblich unterstützte – auch in der Einwerbung bilateraler drittmittelfinanzierter Forschungsprojekte.

Seit seiner Berufung nach Trier galt seine Aufmerksamkeit in Forschung und ←12 | 13→Lehre vorwiegend dem Bereich einer kulturwissenschaftlich-philosophisch orientierten slavischen Literaturwissenschaft, wobei er ein verstärktes Augenmerk auf die philosophischen Dimensionen der russischen sowie der südslavischen (serbischen, kroatischen, bosnischen und montenegrinischen) Literatur richtete. Unter anderem befasste er sich mit der philosophischen Thematik und Terminologie von Branislav Petronijević (2003), mit der Rezeption von Nietzsche und Solov’ev in der russischen Philosophie (2003), mit den kulturanalytischen Aspekten von Ost und West bei Nikolaj Berdjaev (2005), mit Petar II Petrović Njegoš als historisch-politischer und literarisch-kultureller Leitfigur von Montenegro (2007) u.a.

Die kulturwissenschaftlich-literarischen Interessen von Prof. Ressel spiegeln sich in den Themen der drei wissenschaftlichen Symposien wider, die er seit seiner Berufung nach Trier durchführte: „A.S. Puškin und die kulturelle Identität Russlands“ (1999), „Vladimir Solov’ev und Friedrich Nietzsche: eine deutschrussische Jahrhundertbilanz“ (2001) sowie „Deutschland – Italien und die slavische Kultur der Jahrhundertwende“ (2003). Die Ergebnisse dieser Symposien wurden jeweils als Sammelbände veröffentlicht.

Gerhard Ressel ist (Mit-)Begründer und (Mit-)Herausgeber slavistischer Buchreihen wie der „Studia Slavica et Baltica“, den „Veröffentlichungen des Slavisch-Baltischen Seminars der Universität Münster“, den „Trierer Abhandlungen zur Slavistik“ sowie den „Trierer Studien zur Slavistik“. Im Jahre 1990 wurde er zum Gründer und Leiter der Zweigstelle der Südosteuropa-Gesellschaft (SOG) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie 1997 ebenfalls an der Universität Trier. Fachvorträge zahlreicher Wissenschaftler/Innen (Prof. Dr. Anna Kretschmer, Wien; Prof. Dr. Luca Szucsich, Berlin; Prof. Dr. Valerij Mokienko, Sankt Petersburg; Prof. Dr. Horst-Jürgen Gerigk, Heidelberg; Prof. Dr. Aleksej Krouglov, Moskau u.a.) sowie das Internationale Symposium unter aktiver Beteiligung von Wissenschaftler/Innen aus dem Kreis der SOG zum Thema: „Vom Umgang mit Geschehenem: Mechanismen der Kriegsverarbeitung und Strategien der Friedenssuche in Geschichte und Gegenwart der kroatischen und serbischen Literatur und Kultur“ zeigen eindrucksvoll die Verbundenheit Prof. Ressels mit der aktuellen Entwicklung der Südosteuropa-Forschung.

Neben der regen und produktiven Tätigkeit als Wissenschaftler und akademischer Lehrer engagierte sich Gerhard Ressel wiederholt in der akademischen Selbstverwaltung. 2001-03 war er Dekan des Fachbereichs II: Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Trier, seit 1998 ist er Vertreter der Universität Trier im Philosophischen Fakultätentag und seit 2001 Mitglied in dessen Vorstand.

Die südslavische Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft bildet den wissenschaftlichen Bereich, der dem vielschichtigen Schaffen von Gerhard und ←13 | 14→Svetlana Ressel-Jelisavčić gemeinsam ist. Die Schwerpunkte der Tätigkeit in Forschung und Lehre von Svetlana Ressel-Jelisavčić liegen vorwiegend in der kontrastiven Semantik und Syntax des Serbischen, Kroatischen und Deutschen, der sprachlichen und thematischen Struktur kleiner literarischer Formen (Sprichwörter, Märchen, Lieder etc.), der Kontaktlinguistik, der literarischen Verarbeitung ethnographischer Thematik (Folklore, Mythen und Sagen) u.a. Schon in ihrer ersten großen Veröffentlichung – der Monographie „Orientalischosmanische Elemente im balkanslavischen Volksmärchen“ (1981), die sie 1978 als Dissertation an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vorgelegt hatte –, kommen mehrere dieser Schwerpunkte deutlich zum Vorschein. Dem Thema „Südslavische Volkskultur“ bleibt Svetlana Ressel-Jelisavčić auch in ihren weiteren Veröffentlichungen treu. So untersucht sie in ihrem umfangreichen Aufsatz „Alltagswelt und Volkskultur – Methodologische Bemerkungen zum ethnographischen Werk von Vuk St. Karadzić“ (1988) folgende volkskundliche Sachbereiche, die im Werk „Život i običaji naroda srpskoga“ vertreten sind: a) Brauchtum (religiöse Bräuche, Bräuche zum Ablauf des menschlichen Lebens, Bräuche zur Verrichtung bäuerlicher Arbeit usw.); b) Aberglaube (Vila, Vještica, Vukodlak ili vampir usw.); c) Sagen bzw. Legenden; d) Gesetz und Glaube u.a. Mehrere Aufsätze von Svetlana Ressel-Jelisavčić sind der Struktur und der Semantik serbischer, kroatischer, bosnischer und montenegrinischer Sprichwörter und Phraseologismen gewidmet, vgl. z.B.: „Zur lexikalischen Struktur der Sprichwörtersammlung von Skarpa“ (1998), „Zur figura etymologica in kroatischen und serbischen Sprichwörtern“ (1999), „Die Phraseologismen im Gorski Vijenac und ihre deutschen Äquivalente“ (2014) u.a. Wichtige neue Anregungen gingen für die Slavistik von ihren Arbeiten aus, in welchen sie die semantischen Leitmotive der südslavischen Literatur untersuchte. Besonders aufschlussreich sind ihre Studien zur Rolle der Zeit in den Romanen „Na drini ćuprija“ und „Travnička hronika“ von Ivo Andrić (1993), zur Einsamkeit, Angst und Stille in den Werken von Ivo Andrić und Meša Selimović (mit Gerhard Ressel, 2003), zur Funktion der Stadt im „Roman o Londonu“ von Miloš Crnj anski (2004) u.a. Nicht zuletzt sollen hier auch ihre Untersuchungen zur kulinarischen Terminologie in der serbischen Kultur erwähnt werden (mit Gerhard Ressel, 2010), die wichtige Erkenntnisse über die kulinarischen Traditionen des serbischen Volkes im 19. Jahrhundert liefern.

Svetlana Ressel-Jelisavčić ist nicht nur eine vielseitige Slavistin, sondern auch eine begnadete charismatische Lehrerin, die es versteht, den Studierenden ihre Begeisterung und ihre Leidenschaft für die slavischen Sprachen, Literaturen und Kulturen überzeugend zu vermitteln. Seit 1996 unterrichtete sie am Slavischen Institut der Universität Heidelberg die kroatische und serbische Sprache und Literatur und wird seitdem von allen Slavistik-Studierenden hoch geschätzt.

Die Vollendung des 65. Lebensjahres bedeutete weder für Gerhard Ressel, ←14 | 15→noch für Svetlana Ressel-Jelisavčić den Rückzug ins Private und die Abkehr von der Wissenschaft. Vielmehr blieben und bleiben sie ihren Universitäten Trier und Heidelberg kollegial verbunden und bereichern noch immer das jeweilige Lehrangebot durch einzeln oder gemeinsam abgehaltene Veranstaltungen.

An dem nun vorgelegten Band hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Serbien, Kroatien, Montenegro, Polen, Weißrussland, der Russländischen Föderation und Estland mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und seiner Gattin Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

Die vorliegende Festschrift möchten AutorInnen und HerausgeberIn den Jubilaren als Zeichen ihrer menschlichen wie fachlichen Wertschätzung sowie des Dankes für eine teils Jahrzehnte währende freundschaftliche Zusammenarbeit auf den mannigfaltigsten Gebieten der slavistischen Wissenschaft und für einen unermüdlichen Einsatz in Forschung und Lehre überreichen.

Den Herausgebern ist es schließlich ein Anliegen, allen AutorInnen für ihre Bereitschaft zur Mitwirkung an dieser Festschrift herzlich zu danken. Ebenso sei den MitarbeiterInnen der Trierer Slavistik gedankt sowie dem Peter Lang Verlag in Person von Herrn Dr. Benjamin Kloss für die wie immer reibungslos verlaufende Veröffentlichung des Bandes in der Reihe „Trierer Studien zur Slavistik“.

Trier, im August 2019

Thomas Bruns, Alexander Bierich, Henrieke Stahl←15 | 16→

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Publikationsverzeichnis von Gerhard Ressel und Svetlana Ressel-Jelisavčić

Gerhard Ressel

Monographien – Bucheditionen – Herausgebertätigkeit

Studien zur generativ-transformationellen Semantosyntax russischer Adverbialkonstruktionen. Linguistische Reihe Bd. 10. München 1974. (Dissertation)

Syntaktische Struktur und semantische Eigenschaften russischer Sätze. Generativ-semantische und modelltheoretische Untersuchungen zu einer Paraphrasengrammatik des Russischen. Forum Slavicum Bd. 47. München 1979. (Habilitation)

Mitbegründer und Mitherausgeber der Reihe „Studia Slavica et Baltica“, Aschendorff-Verlag, Münster. (1980)

Gerhard Ressel/Herbert Rösel/Friedrich Scholz (Hgg.): Jubiläumsschrift zum fünfzigjährigen Bestehen des Slavisch-Baltischen Seminars der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Studia Slavica et Baltica 1. Münster 1980.

Mitbegründer und Mitherausgeber der Reihe „Veröffentlichungen des Slavisch-Baltischen Seminars der Universität Münster“, LIT-Verlag, Münster-Hamburg-London. (1993)

Ulrich Obst/Gerhard Ressel (Hgg.): Balten – Slaven – Deutsche. Aspekte und Perspektiven kultureller Kontakte. Festschrift Friedrich Scholz. Münster-Hamburg-London 1999.

Gründer und Herausgeber der Reihe „Trierer Abhandlungen zur Slavistik“, Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. (2000)

Gerhard Ressel (Hg.): A. S. Puškin und die kulturelle Identität Russlands. In: Baldur Panzer (Hg.): Heidelberger Publikationen zur Slavistik, A. Linguistische Reihe Bd. 13. Frankfurt a. M. 2001.

Mitglied des Editorial Boards der ungarischen Fachzeitschrift Studia Slavica, Budapest. (2001)

Mitglied des Editorial Boards der kroatischen Fachzeitschrift Jezikoslovlje, Zagreb, Osijek. (2002)

Urs Heftrich/Gerhard Ressel (Hgg.): Vladimir Solov’ev und Friedrich Nietzsche: Eine deutsch-russische kulturelle Jahrhundertbilanz. Trierer Abhandlungen zur Slavistik, Bd. 1. Frankfurt a. M. 2003.

Gerhard Ressel (Hg.): Deutschland – Italien und die slavische Kultur der Jahrhundertwende. Phänomene europäischer Identität und Alterität. Trierer Abhandlungen zur Slavistik, Bd. 6. Frankfurt a. M. 2005.

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Thomas Bruns/Gerhard Ressel (Hgg.): Metropole – Provinz: Urbanität und Ruralität in den slavischen Sprachen, Literaturen und Kulturen. Trierer Abhandlungen zur Slavistik. Bd. 7. Frankfurt am Main 2008.

Gerhard Ressel/Henrieke Stahl (Hgg.): Die Slaven und Europa. Trierer Abhandlungen zur Slavistik. Band 8. Frankfurt am Main 2008.

Wolfgang Dahmen/Petra Himstedt-Vaid/Gerhard Ressel (Hgg.): Grenzüberschreitungen. Traditionen und Identitäten in Südosteuropa. Festschrift für Gabriella Schubert. Wiesbaden 2008.

Gerhard Ressel/Svetlana Ressel (Hgg.): Vom Umgang mit Geschehenem. Kriegsverarbeitung und Friedenssuche in Geschichte und Gegenwart der kroatischen und serbischen Literatur und Kultur. Trierer Abhandlungen zur Slavistik, Band 10. Frankfurt am Main 2011.

Mitherausgeber der Akten des MSC-Kongresses. Band 38, 1-2 (2009), Band 39, 1-2, (2010), Band 40,1-2, (2011), Band 41,1 (2012), Band 45,2 (2016)

Aufsätze und Rezensionen (Auswahlbibliographie)

R. Grzegorczykowa: Funkcje Semantyczne i Składniowe Polskich Przysłówków. Warszawa 1975. In: Beiträge zur Namensforschung. Bd. 3 (1976), S. 354. (Rezension)

Differenzierungsmerkmale in der semantischen Struktur einfacher und zusammengesetzter Lexeme in der russischen, polnischen und čechischen Sprache. In: F. Scholz, W. Woesler, P. Gerlinghoff (Hgg.): Festschrift Ernst Dickenmann. Heidelberg 1977, S. 275-295.

Zur Redetechnik und Erzählstruktur in A. P. Čechovs „Višnevyj sad“. In: Die Welt der Slaven Nr. 22,2. NF 1,2 (1977), S. 350-369.

Syntaktische und semantische Eigenschaften adjektivischer Konstruktionen im Serbokroatischen. In: Semantische Hefte 3 (1976/77). Heidelberg 1977/78, S. 93-112.

Strukturanalyse illokutionärer Akte aus dem Roman „Obyknovennaja istorija“ von I. A. Gončarov. In: Slavistische Studien zum 8. Internat. Slavistenkongreß in Zagreb 1978. Köln 1978, S. 427-433.

Syntaktische Struktur und semantische Funktion russischer und serbokroatischer Partikeln. In: Die Welt der Slaven Nr. 24,2 NF 3,2 (1979), S. 281-297.

H. Jachnow: Wortbildung und ihre Modellierung anhand des serbokroatischen Verbalbereiches. Wiesbaden 1978. In: Die Welt der Slaven 24 (1979), S. 435-444. (Rezension)

Strukturelle Eigenschaften einer morphologischen Semantik des Russischen. In: Zeitschrift für Slavische Philologie Nr. 41,2 (1980), S. 252-277.

Eigenschaften russischer Sätze mit komplexen Prädikaten. In: Zeitschrift für Slavische Philologie Nr. 41,1 (1980), S. 65-77.

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Zur Rolle der Präfixe bei serbokroatischen Verben der Gesichtswahrnehmung. In: Gerhard Ressel, Herbert Rösel, Friedrich Scholz (Hgg.): Jubiläumsschrift zum fünfzigjährigen Bestehen des Slavisch-Baltischen Seminars der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Studia Slavica et Baltica 1. Münster 1980, S. 79-95.

Gattungsadjektive im Russischen und Serbokroatischen. In: Sprachwissenschaft. Bd. 5,3 (1980), S. 215-233.

Zur Semantosyntax von Anknüpfungspartikeln im Russischen und Serbokroatischen. In: Zeitschrift für Slavische Philologie. Nr. 42,1 (1981), S. 59-74.

‘Finger/Hand/Arm’ im Serbokroatischen – zu einigen semantischen Wortbildungsfragen. In: A. Měštan, E. Weiher (Hgg.): Festschrift Wilhelm Lettenbauer. Freiburg 1982, S. 155-164.

Zur Bedeutungsstruktur von Verben der visuellen Perzeption im Serbokroatischen. In: Sprachwissenschaft Bd. 9, H. 3 (1984), S. 231-244.

Nominale Doppelderivation im Russischen. In: G. Heintz, P. Schmitter (Hgg.): Collectanea Philologica. Festschrift Helmut Gipper. Baden-Baden 1985, S. 621-632.

Partikelgebrauch, Satzbedeutung und literarischer Kontext – untersucht am Beispiel der Erzählung „Prokleta avlija“ von I. Andrić. In: R. Lauer (Hg.): 1. Deutsch-jugoslavisches Symposium zur Sprach- und Literaturwissenschaft in Göttingen 1981. Wiesbaden 1985, S. 29-36.

Zum Wortschatz einiger Sprichwörter und Redensarten aus Istrien und von den Kvarner Inseln. In: R. Olesch, H. Rothe (Hgg.): Festschrift Herbert Bräuer. Köln 1986, S. 389-406. (mit Svetlana Ressel)

Krankheiten und ihre Heilung im südslavischen Volksmärchen. In: W. Schaller (Hg.): Festschrift Wolfgang Gesemann. Neuried 1986, S. 277-303. (mit Svetlana Ressel)

Zur inhaltlichen und sprachlichen Struktur bulgarischer Sprichwörter. In: W. Gesemann, K. Haralampieff, W. Schaller (Hgg.): Beiträge zum 2. Internationalen Bulgaristikkongreß in Sofia 1986. Neuried 1986, S. 225-252.

N. Reiter (Hg.): Ziele und Wege der Balkanlinguistik. Wiesbaden 1983. In: Zeitschrift für slavische Philologie 45,2 (1986), S. 434-438. (Rezension)

Einige Bemerkungen zur altrussischen Wortbildung. In: G. Birkfellner (Hg.): Sprache und Literatur Altrußlands. Beiträge des Symposiums in Rothenberge (10.-13.05.1984). Studia Slavica et Baltica 8. Münster 1987, S. 155-166.

Kulinarska terminologija u Vukovim rečnicima (glagoli i glagolske imenice). In: Putevi. Banja Luka 1987, S. 129-138. (mit Svetlana Ressel)

Kulinarska terminologija u Vukovim rečnicima (imenice). In den Akten des MSC-Kongresses Belgrad 1987, S. 235-245. (mit Svetlana Ressel)

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Denominalna derivacija u ruskom i srpskohrvatskom jeziku. In: Književni jezik 17,2. Sarajevo 1988, S. 85-96.

L. Hadrovics: Ungarische Elemente im Serbokroatischen. Köln-Wien 1985. In: Beiträge zur Namensforschung. Bd. 23 (1988), S. 219-222. (Rezension)

W. Goerdt: Russische Philosophie. 2 Bde. Freiburg-München 1984/1989. In: Zeitschrift für Slavische Philologie. Bd. IL (1989), S. 434-443. (Rezension)

E. Donnert: Russland im Zeitalter der Aufklärung. Köln-Wien 1984. In: Kritikon Litterarum 16 (1989), S. 59-62. (Rezension)

Wortschatzeigenschaften serbischer epischer Heldenlieder. In: R. Ibler, H. Kneip, K. Trost (Hgg.): Festschrift Erwin Wedel. München 1991, S. 333-344. (mit Svetlana Ressel)

Rečničko-semantičke strukture u srpskohrvatskom jeziku. In: Akten des 20. Internat. MSC-Kongresses 1990. Beograd 1991, S. 261-268.

F. Miklosich und die slovenisch-deutsche Rechtsterminologie seiner Zeit. In: J. Toporišič, T. Logar, F. Jakopin (Hgg.): Miklošičev Zbornik. Akten des Internat. Miklosich-Kongresses 1991. Ljubljana 1992, S. 151-163.

Leksikološka struktura ekonomske terminologije u srpsko-hrvatskom jeziku. In: R. Filipović, B. Finka (Hgg.): Rječnik i društvo. Zagreb 1993, S. 311-317.

Wortbildungsstrukturen im Slavischen und Ungarischen. In: Studia Slavica Hungarica 38, 34. Budapest 1993, S. 329-337.

Modus und Modalität im Serbokroatischen. In: H. Jachnow (Hg.): Modalität und Modus. Allgemeine Fragen und Realisierung im Slavischen. Wiesbaden 1994. S. 220-247.

Deutsche philosophische Literatur in serbokroatischer Übersetzung – lexikalische Einflüsse und semantische Probleme. In: U. Hoinkes (Hg.): Panorama der lexikalischen Semantik. Festschrift Horst Geckeler. Tübingen 1995, S. 537-549.

Individuum und Gesellschaft im Romanwerk von Ivo Andrić. In: P. Thiergen (Hg.): Ivo Andrić (1892-1922). München 1995, S. 115-130.

Die Rolle der Wortforschung in der Konzeption des „Słownik języka polskiego“ von M. S. B. Linde. In: J. Lichański, H. Rothe, B. Schultze (Hgg.): Akten der 4. deutsch-polnischen Polonistenkonferenz in Warschau 1995 zum Thema: „Zwischen Aufklärung und Romantik“. Warschau 1997, S. 395-408.

U. Heftrich: Otokar Březina: Zur Rezeption Schopenhauers und Nietzsches im tschechischen Symbolismus. Heidelberg 1993. In: Anzeiger für Slavische Philologie, Band XXIV (1997), S. 193-199. (Rezension)

Wortbildungssemantische Eigenschaften relationaler Adjektive im Russischen. In: E. Schmitsdorf, N. Hartl, B. Meurer (Hgg.): Lingua Germanica. Studien zur deutschen Philologie. Festschrift Jochen Splett. Münster 1998, S. 233-242.

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Контрастивные и диахронические аспекты словообразовательной семантики в славянских языках. In: Issledovanija po slavjanskim jazykam 3. Seoul 1998, S. 151-164.

Lexikalische Derivationsprozesse bei russischen Präfixverben. In: B. Czapla, T. Lehmann, S. Liell (Hgg.): Vir bonus dicendi peritus. Festschrift Alfons Weische. Wiesbaden 1999, S. 357-364.

Poslovice u srpskoj sintaksi Djure Daničića. In: P. Palavestra (Hg.): Godina 1847 u srpskoj književnosti i kulturi. Beograd 1999, S. 165-175. (mit Svetlana Ressel)

Probleme und Aufgaben einer vergleichenden slavisch-baltischen Wortbildungssemantik. In: Ulrich Obst/Gerhard Ressel (Hgg.): Balten – Slaven – Deutsche. Aspekte und Perspektiven kultureller Kontakte. Festschrift Friedrich Scholz. Münster-Hamburg-London 1999, S. 233-244. Einleitung: S. V-XII.

Verbalpräfigierung und Bedeutungsstruktur im Russischen. In: E. Hansack, W. Koschmal, N. Nübler, R. Večerka (Hgg.): Festschrift Klaus Trost. München 1999, S. 241-249.

Semantische Aspekte komplexer Adjektive im Russischen. In: K. Grünberg, W. Potthoff (Hgg.): Ars Philologica. Festschrift Baldur Panzer. Frankfurt a.M. 1999, S. 457-471.

Zur sprachlichen Situation im alten und neuen Jugoslawien. In: B. Panzer (Hg.): Die sprachliche Sitation in der Slavia zehn Jahre nach der Wende. Heidelberger Publikationen, Reihe A. Bd. 10. Frankfurt a.M. 2000, S. 225-241.

A.S. Puškin – ein Denker? In: G. Ressel (Hg.): A.S. Puškin und die kulturelle Identität Rußlands. Heidelberger Publikationen zur Slavistik 13. Frankfurt a.M. 2001, S. 199-215. Geleitwort: S. 9-10.

Aspekte einer nicht-literarischen Dostoevskij-Rezeption in Deutschland: Kulturphilosophische Bedingungen und zeitgeschichtliche Gründe der Dostoevskij-Schrift des Neukantianers Paul Natorp. In: Zeitschrift für Slawistik 47,3 (2002), S. 276-287.

Zur Typologie und Aktualität der Rezeption von Nietzsche und Solov’ev in der russischen Philosophie. In: U. Heftrich/G. Ressel (Hgg.). Vladimir Solov’ev und Friedrich Nietzsche. Eine deutsch-russische kulturelle Jahrhundertbilanz. Frankfurt a.M. 2003, S. 485-506. Geleitwort: S. 1-6. Russische Übersetzung in: Voprosy filosofii 2, Moskva 2002, S. 28-41.

Zur intellektuellen Biographie sowie philosophischen Thematik und Terminologie von Branislav Petronijević. In: P. Thiergen (Hg.): Scholae et symposium. Festschrift Hans Rothe. Köln 2003, S. 123-143.

Prostori samoće u delima Ive Andrića i Meše Selimovića. In: B. Symanzik (Hg.): Miscellanea Slavica Monasteriensia. Münster-Berlin 2003, S. 399-421. (mit Svetlana Ressel)

Phänomene des Bösen bei F.M. Dostoevskij. In: V. Bok, F. Shaw (Hgg.): Magister et amicus. Festschrift Kurt Gärtner. Wien 2003, S. 787-800.

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Valentnost glagola u srpskom i nemačkom jeziku. In: Akten des 32. Interntionalen MSC-Kongresses 2002. Beograd 2004, S. 169-179. (mit Svetlana Ressel)

Wort – Wortschatz – Interpretation: Einige Bemerkungen zu einer komplexen Interdependenz. In: R. Hodel (Hg.): Zentrum und Peripherie in den slavischen und baltischen Sprachen und Literaturen. Festschrift Jan Peter Locher. Bern 2004, S. 281-298.

Ost und West: Kulturanalytische Aspekte bei Nikolaj Berdjaev. In: Gerhard Ressel (Hg.): Deutschland – Italien und die slavische Kultur der Jahrhundertwende. Phänomene europäischer Identität und Alterität. Trierer Abhandlungen zur Slavistik, Bd. 6. Frankfurt a.M. 2005, S. 311-328. Vorwort: S. 1-3.

Phänomene der Emotionalität in Werken A.P. Čechovs. In: Studia Rossica XVI, Dzieło Antoniego Czechowa dzisiaj. Warszawa 2005, S. 123-130.

‘ Svet kao pozornica’ u modernoj srpskoj književnosti. In: Akten des 34. Internationalen MSC-Kongresses 2004. Beograd 2005, S. 313-325. (mit Svetlana Ressel)

J.F. Herbart und die serbische Volksepik bei S.M. Okanović. In: G. Schubert (Hg.): Serben und Deutsche. Zweiter Band: Literarische Begegnungen. Srbi i Nemci. Knjiga druga. Književni susreti. Jena 2006, S. 105-129. (mit Svetlana Ressel)

Philosophische Aspekte und südslavische Bezüge der serbischen Volksliteratur. In: B. Symanzik (Hg.): Festschrift für Gerhard Birkfellner zum 65. Geburtstag. Teilband II, Berlin 2006, S. 593-610. (mit Svetlana Ressel)

Reči i izrazi za prirodne pojave (padavine) u srpskom jeziku. In: Akten des MSC-Kongresses 35/1, Belgrad 2006, S. 243-252. (mit Svetlana Ressel)

Zur philosophischen Terminologie von Vladimir Solov’ev. In: P. Thiergen (Hg.): Russische Begriffsgeschichte der Neuzeit. Beiträge zu einem Forschungsdesiderat. Köln-Weimar 2006, S. 299-317.

Juvenalna prizma kao filter stvarnosti u romanu Milovana Danojlića “Godina prolazi kroz avliju”. In den Akten des MSC-Kongresses 36/2, Belgrad 2007, S. 533-542. (mit Svetlana Ressel)

Petar II. Petrović Njegoš als historisch-politische und literarisch-kulturelle Leitfigur von Montenegro. In: B. Engler (Hg.): Ikonen nationaler Kulturen. Berlin 2007, S. 313-328.

Dalmatien als Zentrum und Peripherie literarisch-philosophischer Kultur. In: W. Dahmen, P. Himstedt-Vaid, G. Ressel (Hgg.): Grenzüberschreitungen. Traditionen und Identitäten in Südosteuropa. Festschrift für Gabriella Schubert. Wiesbaden 2008, S. 513-532.

Etnografski elementi u romanima Milovana Danojlića. In: S. Tanasić (Hg.): Zbornik instituta za Srpski jezik. SANU I. Posvećeno dr. Dragu Ćupiću povodom 75-godišnjice života. Beograd 2008, S. 503-520. (mit Svetlana Ressel)

Bildung und Entwicklung. Personale Metamorphose und dialogisch-polyphone Erzählstruktur in F.M. Dostoevskijs Roman „Podrostok“ („Der Jüngling“). In: H. Reza Yousefi/Chr. ←22 | 23→Dick (Hgg.): Das Wagnis des Neuen. Kontexte und Restriktionen der Wissenschaft. Festschrift für Klaus Fischer zum 60. Geburtstag. Nordhausen 2009, S. 609-631.

Leksičko-semantičke strukture u prozi Milovana Danojlića. In: Akten des MSC-Kongresses 38/1, Belgrad 2009, S. 149-161. (mit Svetlana Ressel)

Strukturanalyse und Transformationsphänomene des Marxismus bei den russischen Philosophen Nikolaj Berdjaev und Michail Ryklin. In: B. Bouvier/H. Schwaetzer/H. Spehl/H. Stahl: Was bleibt? Karl Marx heute. Trier 2009, S. 233-268.

Evropska kulinarska terminologija u srpskoj kulturi 19. veka. In: Akten des MSC-Kongresses 39/1, Belgrad 2010, S. 203-214. (mit Svetlana Ressel)

Angst – Hass – Krieg. Zur sprachlichen, mentalen und medialen Generierung von Gewalt. In: G. Ressel/S. Ressel (Hgg.): Vom Umgang mit Geschehenem. Kriegsverarbeitung und Friedenssuche in Geschichte und Gegenwart der kroatischen und serbischen Literatur und Kultur. Frankfurt am Main et al. 2011, S. 153-169. (mit Svetlana Ressel)

Prostori samoće u delima Ive Andrića i Meše Selimovića. In: Akten des MSC-Kongresses 41/2. Belgrad 2012, S. 337-353. (mit Svetlana Ressel)

Koreni savremene srpske kulinarske terminologije – kulturološki i lingvistički aspekti. i. Dr. (mit Svetlana Ressel)

Phänomene von Varianz und Konstanz literarischer Gestalten bei Ivo Andrić und Lev N. Tolstoj. i. V. (mit Svetlana Ressel)

Svetlana Ressel

Monographien – Herausgebertätigkeit

Orientalisch-osmanische Elemente im balkanslavischen Volksmärchen. Studia slavica et baltica 2. Aschendorff-Verlag. Münster 1981. VI + 216 S. (Dissertation)

Gerhard Ressel, Svetlana Ressel (Hrsg.): Vom Umgang mit Geschehenem: Mechanismen der Kriegsverarbeitung und Strategien der Friedenssuche in Geschichte und Gegenwart der kroatischen und serbischen Literatur und Kultur. In: Trierer Abhandlungen zur Slavistik, Bd. 10, Frankfurt am Main 2010

Wörterbuch (Mitarbeit)

Baldur Panzer: Valenzwörterbuch kroatischer und serbischer Verben. Unter Mitarbeit von Svetlana Ressel. Teil I, II. XIII + 830 S. Heidelberger Publikationen zur Slavistik, Linguistische Reihe Band 11. Frankfurt am Main 2001.

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Wissenschaftliche Aufsätze und Rezensionen

Njegošev ‘Gorski vijenac’ i njegovi nemački prevodi. In: 12. Naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC - 1982). Beograd 1983. Bd. 3, S. 155 - 166

Neki problemi antonimije: antonimija roda i broja u srpskohrvatskom jeziku. In: Književni jezik 14,4. Sarajevo 1985. S. 185 - 195

O funkcionalnoj ekvivalenciji rečenica i sintagmi - na primeru hrvatskih i srpskih narodnih poslovica. In: 15. Naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC - 1985). Beograd 1986. Bd. 1, S. 141 - 150

Krankheiten und ihre Heilung im südslavischen Volksmärchen. In: H. Schaller (Hrsg.): Festschrift für W. Gesemann. Neuried - München 1986. S. 277 - 303

Zum Wortschatz einiger Sprichwörter und Redensarten aus Istrien und von den Kvarner Inseln. In: R. Olesch, H. Rothe (Hrsg.): Festschrift für H. Bräuer. Köln - Wien 1986. S. 389 - 406

Zur inhaltlichen und sprachlichen Struktur bulgarischer Sprichwörter. In. W. Gesemann, H. Schaller (Hrsg.): Beiträge zum 2. Internationalen Bulgaristik-Kongress in Sofia 1986. Neuried - München 1986. S. 225 - 252

Kulinarska terminologija u Vukovim rečnicima I (imenice). In: 17. Naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC -1987). Beograd 1988, Bd. 2, S. 235 -245.

Kulinarska terminologija u Vukovim rečnicima II (glagoli i glagolske imenice). In: Akten des Internationalen Vuk Karadžić-Kolloquiums in Paris/Sorbonne 1987: Putevi 38,6. Banja Luka 1987.S. 129 - 138.

Alltagswelt und Volkskultur - Methodologische Bemerkungen zum ethnographischen Werk von Vuk St. Karadžić. In: R. Lauer (Hrsg.): Sprache, Literatur, Folklore bei Vuk Stefanović Karadžić. Wiesbaden 1988. S. 287 - 307.

Semantische Verfahren in Meša Selimović´s Roman „Tvrdjava". In: R.Olesch, H.Rothe (Hrsg.): Slavistische Studien zum X. Internationalen Slavistenkongress in Sofia 1988. Köln - Wien 1988. S. 461 - 487.

‘Smrt Smail-Age Čengića’ u nemačkim prevodima. In: Književni jezik 17,4. Sarajevo 1988. S. 215 – 224

Rezension: W. Eschker: Der Zigeuner im Paradies. Balkanslawische Schwänke und lustige Streiche. Kassel 1986. In: Kritikon Litterarum 16 (1989). S. 86 - 89.

Lexikalische Varianz im ‘Smrt Smail-Age Čengića’ von Ivan Mažuranić. In: R. Lachmann, B. Zelinsky (Hrsg.): Gedenkschrift für Reinhold Olesch. Köln- Wien 1990. S. 261 - 271.

Wortschatzeigenschaften serbischer epischer Heldenlieder. In: W. Gesemann, H. Schaller (Hrsg.): Festschrift für E. Wedel. München 1991. S. 333 - 344.

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Zur Rolle der Zeit in den Romanen „Na Drini ćuprija" und „Travnička hronika" von Ivo Andrić. In: K. Gutschmidt - H. Keipert - H. Rothe (Hrsg.): Slavistische Studien zum XI. Internationalen Slavistenkongress in Preßburg/Bratislava. Köln - Wien 1993. S. 379 - 393.

Rezension: W. Eschker (Hrsg.): Serbische Märchen. München 1992. In: Kritikon Litterarum 25 (1998). S. 122 - 127.

Zur lexikalischen Struktur der Sprichwörtersammlung von Skarpa. In: H. Rothe - H. Schaller (Hrsg.): Beiträge zum XII. Internationalen Slavistenkongress Krakau 1998. München 1998. S. 75 - 89.

Zur ‘figura etymologica’ in kroatischen und serbischen Sprichwörtern. In K. Grünberg - W. Potthoff (Hrsg.): Ars Philologica. Festschrift für Baldur Panzer zum 65. Geburtstag. Berlin - Wien 1999. S. 335 - 348.

Poslovice u srpskoj sintaksi Djure Daničića. In: Zbornik Matice srpske za književnost i jezik XLV, H. 1 - 3. Novi Sad 1997. S.165 - 175.

Valentnost glagola u srpskom i nemačkom jeziku. In: 32. Međunarodni naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC 2002). Beograd 2004 (32/1). S. 169-175.

Grad ubica – funkcija grada u „Romanu o Londonu“ Miloša Crnjanskog. In: 33. Međunarodni naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC 2003). Beograd 2004 (33/2). S. 313 – 323.

„Svet kao pozornica“ u modernoj srpskoj kniževnosti. In: 34. Međunarodni naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC 2004). Beograd 2005 (34/2). S. 313 – 325.

Slika Italije i nemačkog govornog prodručja u srpskoj putopisnoj prozi na prekretnici vekova. In: Gerhard Ressel (Hrsg.): Deutschland, Italien und die slavische Kultur der Jahrhundertwende, Frankfurt am Main, 2005, S. 329 – 343.

J. F. Herbart und die serbische Volksepik bei S. M. Okanović. In: Schubert, G. (Hrsg.): Serben und Deutsche II. Traditionen der Gemeinsamkeit gegen Feindbilder. Jena 2006. S. 105 – 129.

Philosophische Aspekte und südslavische Bezüge der serbischen Volksliteratur. In: Festschrift für Gerhard Birkfellner. Münster 2006, S. 593 – 610.

Reči i izrazi za prirodne pojave (padavine ) u sprskom jeziku. In: 35. Međunarodni naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC 2005). Beograd 2006 (35/1). S. 243 – 252.

Juvenalna prizma kao filter stvarnosti u romanu Milovana Danojlića “Godina prolazi kroz avliju”. In: 36. Međunarodni naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC 2006). Beograd 2007 (36/2). S. 533 – 542.

Rezension: Schubert, G. / Dahmen, W. (Hrsg.): Bilder vom Eigenen und Fremden aus dem Donau-Balkan-Raum. Analyse literarischer und anderer Texte. München 2003. In: Südosteuropa Mitteilungen 6 (2003), S. 102 – 103.

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Etnografski elementi u romanima Milovana Danojlića. In: Sreto Tanasić (Hrsg.): Zbornik Instituta za srpski jezik, SANU, Drago Cupić – Festschrift, Beograd 2008, S. 503 – 520.

Složenice i polusloženice u narodnim poslovicama i izrekama. In: W. Dahmen, P. Himstedt-Vaid, G. Ressel (Hrsg.): Grenzüberschreitungen. Traditionen und Identitäten, Festschrift für Gabriella Schubert, Wiesbaden 2008, S. 533 – 549.

Vorstellung der Reihe: Trierer Abhandlungen zur Slavistik. In: Prilozi za kniževnost, jezik, istoriju i folklor, knj. LXXXIV, Beograd 2008, S. 307 – 309.

Leksikalno-semantičke strukture u prozi Milovana Danojlića. In: In: 37. Međunarodni naučni sastanak slavista u Vukove dane. (MSC 2008). Beograd 2009 (38/1). S. 149 – 161.

Evropska kulinarska terminologija u srpskoj kulturi 19. veka. In: Akten des MSC-Kongresses 39/1, Belgrad 2010, S. 203-214 (mit G. Ressel).

Angst – Gewalt – Hass: Zur literarischen Verarbeitung personaler und sozialer Traumatisierung. In: Gerhard Ressel, Svetlana Ressel (Hrsg.): Vom Umgang mit Geschehenem: Mechanismen der Kriegsverarbeitung und Strategien der Friedenssuche in Geschichte und Gegenwart der kroatischen und serbischen Literatur und Kultur. In: Trierer Abhandlungen zur Slavistik, Bd. 10, Frankfurt am Main et al. 2011, S. 153-169.

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Alexander Bierich (Trier)

Quellen der russischen Phraseologie (Am Beispiel des Herkunftsbereiches „Alltägliches Leben“)

1. Phraseologische Wendungen entstehen bevorzugt durch Metaphern, Metonymien sowie diverse rhetorische Figuren, die verschiedene Bilder aus der materiellen, sozialen und kulturellen Umwelt des Menschen benutzen. Viele Bereiche des alltäglichen Lebens, Erfahrungen in der sozialen Praxis, Beobachtungen von Naturerscheinungen, Verhalten und Reaktionen der Tiere, volkstümliche religiöse Vorstellungen, Aberglaube, alte Sitten und Bräuche finden ihren Niederschlag in der Phraseologie. Darüber hinaus liefern zahlreiche Sachgruppen wie ‘Körper des Menschen’, ‘Körperliche Reaktionen und Symptome’, ‘Gestik und Mimik’ u.ä. phraseologische Bilder. Eine große Anzahl von Phraseologismen im Russischen wurde aus dem Kirchenslavischen sowie den westeuropäischen Sprachen entlehnt. Zu den wichtigsten Aufgaben der historischen Phraseologie gehört daher die Ermittlung der Herkunftsbereiche, die als Bildspender phraseologischer Einheiten hervortreten.

Eine systematische Untersuchung der Herkunftsbereiche phraseologischer Wendungen steht noch aus. Den ersten Versuch einer genetischen Klassifikation der russischen Phraseologismen hat I. M. Snegirev, der bekannte russische Ethnograph und Autor der vierbändigen Untersuchung „Russen in ihren Sprichwörtern“ (1831-1834), unternommen. Er betrachtet als Quellen von Sprichwörtern und Redensarten a) Lebenserfahrungen, in denen Sonderfälle als belehrendes Beispiel zum Allgemeingut wurden; b) historische Personen und Ereignisse; c) ältere Beschlüsse und Urteile, die von den Gemeinde- und Volksversammlungen gefällt wurden; gerichtliche Formeln aus verschiedenen Gesetzen und Beschlüssen; d) Sprüche aus der Heiligen Schrift und der kirchlichen Liturgie; e) Sprichwörter und Redensarten, die durch das Lesen fremdsprachiger Schriftsteller und durch Kontakte mit anderen Völkern entlehnt wurden; f) scharfsinnige Antworten, Witze, einzelne Ereignisse, die dem Volk gemein wurden und als Zeitzeichen des geistigen, gesellschaftlichen und familiären Lebens fungierten (Snegirev 1831, I, 44-45). Die angeführte Klassifikation wurde erst ein Jahrhundert später in den Arbeiten von Ju. A. Gvozdarev (1977, 75-76), V. M. Mokienko (1982, 117-118) und E. M. Vereščagin/V. G. Kostomarov (1982, 92-95) präzisiert und vervollständigt. So teilt Ju. A. Gvozdarev (1977, 75-76) die Herkunftsbereiche phraseologischer Wendungen folgendermaßen ein: a) ‘Gewerbe und ←29 | 30→Handwerk’: овчинка выделки не стоит „das Schaffell lohnt nicht der Gerbung“ ‘die Sache ist die Mühe nicht wert’; b) ‘Tierverhalten’: вилять хвостом „mit dem Schwanz wedeln“ ‘Ausflüchte machen’; c) ‘Jägerei und Fischfang’: закинуть удочку „eine Angel auswerfen“ ‘die Fühler nach etw. ausstrecken’; d) ‘Sitten und Gebräuche’: гонять собак „Hunde jagen“ ‘auf der faulen Haut liegen’; e) ‘Aberglaube, Zauberei, Beschwörungsformeln’: гадать на бобах „auf Bohnen weissagen“ ‘etw. unbegründet vorschlagen’; f) ‘volkstümliche Spiele’: играть в прятки с кем „mit jmdm. Versteck spielen“; g) ‘Militär’: держать порох сухим „das Pulver trocken halten“ ‘immer schussbereit sein’; h) ‘Seefahrt’: на всех парусах „mit vollen Segeln“; i) ‘Kartenspiel’: поставить все на карту „alles auf eine Karte setzen“; j) ‘Kunst’: играть роль „eine Rolle spielen“; k) ‘Technik’: винтика не хватает у кого „bei jmdm. fehlt ein Schräubchen“ ‘bei jmdm. ist eine Schraube locker’; l) ‘Sport’: запрещённый приём „verbotener Griff“ ‘verbotener Trick’. V. M. Mokienko (1982, 117-118) fügt zu den genannten Herkunftsbereichen noch folgende hinzu: a) ‘Naturerscheinungen, Tier- und Pflanzenwelt’: как с гуся вода кому что „wie das Wasser von der Gans“ ‘etw. lässt jmdn. völlig kalt’; b) ‘Körper des Menschen und Gestik’: на глазах у кого „vor jmds. Augen“; c) ‘Realien des alltäglichen Lebens’: попасть из кулька в рогожку „aus der Tüte in den Bastsack geraten“ ‘vom Regen in die Traufe kommen’; d) ‘Arbeitsabläufe im agrarischen Russland’: попасть впросак „in eine Seilerbahn geraten“ ‘in die Patsche geraten’ u.a.

2. Die Zuordnung phraseologischer Wendungen zu ihren Herkunftsbereichen ist nur unter Berücksichtigung der primären Motivationsbasis (d.h. auf der Grundlage von Kenntnissen über das zugrundeliegende Bild und den ursprünglichen Gebrauch von Phraseologismen) durchführbar. Diese Voraussetzung scheint bei der traditionellen Einordnung phraseologischer Ausdrücke in ein herkunftsorientiertes Bereichssystem nicht immer gegeben zu sein, denn der ursprüngliche Sachbereich wird häufig nach der direkten Bedeutung einzelner Komponenten bestimmt. So ordnen z.B. V. G. Kostomarov und E. M. Vereščagin den Phraseologismus на роду написано „bei der Geburt geschrieben“ ‘etw. ist jmdm. vorherbestimmt’ dem Sachbereich ‘Schrifttum’ zu, da der phraseologische Ausdruck die Komponente написано „geschrieben“ enthält (Kostomarov/Vereščagin 1982, 106). Die Wendung bezieht sich jedoch auf die alten abergläubischen Vorstellungen, dass das Schicksal eines Menschen bei seiner Geburt festgelegt und in ein Buch geschrieben wird, und gehört daher in den Herkunftsbereich ‘Aberglaube und Mythologie’. Ähnlich verfährt bei der Gliederung der modernen deutschen Idiomatik nach Sachgebieten auch W. Friederich (1966), der sich dabei auf die wendungsexternen Bedeutungen einzelner Komponenten stützt. Die Wendung jmdm. durch die Lappen gehen ‘jmdm. entwi←30 | 31→schen, entgehen’ führt er z.B. unter dem Stichwort ‘Haus und Wohngegenstände’ an, während sie m.E. dem Sachbereich ‘Jagd’ zugeordnet werden müsste. Vgl. folgende Erklärung bei L. Röhrich (1992, 2, 928):

„Diese Redensart stammt aus der Jägersprache, aus der so manche Redensarten hergeleitet werden. Um das Wild am Ausbrechen aus dem Jagdrevier zu hindern, wurden auf Treibjagden bunte Zeuglappen zwischen den Bäumen aufgehängt, vor denen die Tiere zurückscheuten. Dennoch brach das Wild gelegentlich aus und ging dann ‘durch die Lappen’“.

Die angeführten Beispiele zeigen, dass die Motivationsbasis der phraseologischen Wendungen auf verschiedenen Ausschnitten aus dem Welt- und Kulturwissen der Sprachgemeinschaft beruht, die dem heutigen Sprachbenutzer häufig nicht mehr bekannt sind. Sie lassen sich oftmals erst durch eine aufwendige historisch-etymologische Analyse rekonstruieren. Die relevanten Wissensstrukturen können durch den ganzen Ausdruck oder einzelne Komponenten evoziert werden. Zu dem ersten Typ gehören z.B. zahlreiche Wendungen, die den Berufs- und Sondersprachen entstammen. Die Motiviertheit der Phraseologismen wie зажать в тиски кого „jmdn. in den Schraubstock spannen“ ‘jmdn. in die Zange nehmen’, ни сучка ни задоринки „weder Knorren noch Unebenheiten“ ‘etw. ist ohne Fehl und Tadel’, делать все на одну колодку „alles über einen Leisten schlagen“ basiert auf Erfahrungswissen über Werkzeuge und Geräte, Vorgänge und Handgriffe des Handwerks. Phraseologismen wie голова на плечах у кого „jmd. hat einen Kopf auf den Schultern“ ‘jmd. hat Köpfchen’, и волчий рот и лисий хвост в ком „jmd. hat ein Wolfsmaul und einen Fuchsschwanz“ ‘jmd. ist boshaft und listig’, нести (тянуть) свой крест „sein Kreuz tragen (ziehen)“ ‘sein Kreuz tragen’ sind hingegen nur aufgrund des symbolischen Wissens, das den Komponenten голова ‘Kopf’, волчий ‘Wolfs-’, лисий „Fuchs-“, крест ‘Kreuz’ anhaftet, zu interpretieren. So stehen голова ‘Kopf’ symbolisch für ‘Sitz des Verstandes bzw. geistiger Fähigkeiten des Menschen’, волк ‘Wolf’ für ‘Boshaftigkeit’ und ‘Aggressivität’, лиса ‘Fuchs’ für ‘Schlauheit’ und ‘Listigkeit’, крест ‘Kreuz’ für ‘Leid’. Eine Zuordnung phraseologischer Wendungen zu ichren Sachbereichen kann daher auch aufgrund symbolischer Motiviertheit einzelner Komponenten erfolgen.

3. Im vorliegenden Aufsatz wird die Analyse der Motivationsbasis phraseologischer Wendungen am Beispiel des Herkunftsbereiches „Alltägliches Leben“ durchgeführt. Die bildlichen Grundlagen phraseologischer Wendungen des Sachbereiches ‘Alltägliches Leben’ spiegeln in der Regel das häusliche Leben eines russischen Bauern wider. Zu den wichtigsten Bereichen dieses Lebens, denen phraseologische Komponenten zugeordnet werden können, gehören folgende: a) ‘Nahrung’; b) ‘Kleidung’; c) ‘Haus’; d) ‘Dampfbad’.

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(a) ‘Nahrung’

Von den Nahrungsmitteln, die als phraseologische Konstituenten vorkommen, ist besonders das Brot (хлеб) hervorzuheben. In den slavischen wie auch in anderen europäischen Sprachen hat das Lexem хлеб eine reiche Symbolik entwickelt, die sich auch in der Phraseologie nachweisen lässt. So steht хлеб im Phraseologismus жить без хлеба „ohne Brot leben“ ‘nichts (nicht viel) zu beißen haben; am Hungertuch nagen’ stellvertretend für ‘Nahrung’. In mehreren weiteren phraseologischen Wendungen wird хлеб in der symbolischen Bedeutung ‘Lebensunterhalt, Erwerbsquelle’ verwendet:

(1) быть на хлебе у кого „bei jmdm. in Brot sein“ ‘jmd. ist bei jmdm. in Kost und Logis’, идти на хлебы к кому „zu jmdm. in Brot gehen“ ‘zu jmdm. in Kost gehen’, дать хлеб кому „jmdm. Brot geben“ ‘jmdn. in Lohn und Brot nehmen’, отбить хлеб кому „jmdm. das Brot wegnehmen“ ‘jmdn. um Lohn und Brot bringen’ u.a.

Die gleiche Symbolik weist auch der Ausdruck хлеб насущный „das tägliche Brot“ auf, der auf das Vaterunser zurückgeht (Хлеб наш насущный даждь нам днесь „Unser tägliches Brot gib uns heute“) und in solchen Phraseologismen vorkommt wie:

(2) не иметь насущного хлеба „kein tägliches Brot haben“ ‘am Hungertuch nagen’, в поте вырабатывать свой насущный хлеб „im Schweiß sein tägliches Brot verdienen“, лишить насущного хлеба кого „jmdm. das tägliche Brot wegnehmen“ ‘jmdn. um Lohn und Brot bringen’; лишиться насущного хлеба „das tägliche Brot verlieren“ ‘seine Arbeit verlieren; brotlos werden’ u.a.

In einer Vielzahl von Phraseologismen wird das Lexem хлеб ‘Brot’ in Verbindung mit соль ‘Salz’ gebraucht. Хлеб и соль всему тому голова „Brot und Salz sind allem Oberhaupt“ lautet das russische Sprichwort (PPZ, 114). Auf die enge Verknüpfung von Brot und Salz weist der Vergleich как хлеб без соли кто без кого „jmd. ist ohne jmdn. wie Brot ohne Salz“ hin:

(3) Мы без них словно как хлеб без соли. Вот как у нас в деревнях разсуждают (Попов, Бурлин).

Zusammen mit dem Brot ist das Salz ebenfalls zum Symbol der Hausnahrung geworden. Diese symbolische Bedeutung tritt in der Verbindung des Ausdrucks хлеб(-)соль „Brot und Salz“ mit der Verben есть, поесть, кушать ‘essen’, отведать, откушать ‘kosten, probieren’ auf:

Biographische Angaben

Alexander Bierich (Band-Herausgeber:in) Thomas Bruns (Band-Herausgeber:in) Henrieke Stahl (Band-Herausgeber:in)

Alexander Bierich ist Professor für Slavische Philologie (Sprachwissenschaft) an der Universität Trier. Thomas Bruns lehrt als apl. Professor slavische Sprachwissenschaft an der Universität Trier, wo auch seine Promotion und Habilitation erfolgten. Henrieke Stahl ist Professorin für Slavische Literaturwissenschaft an der Universität Trier.

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Titel: Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur