Lade Inhalt...

Positionierungspraktiken im Online-Diskurs

Menschen mit Behinderungen in den deutschsprachigen Ländern und in Polen

von Paweł Rybszleger (Autor:in)
©2026 Monographie 608 Seiten

Zusammenfassung

Dieses Buch greift mit der Selbst- und Fremdpositionierung von Menschen mit Behinderung (MmB) in Online-Diskursen ein gesellschaftlich äußerst wichtiges Thema auf. Der Autor konzentriert sich auf die Analyse sprachlicher und nichtsprachlicher Mittel, mit denen sich MmB in deutsch- und polnischsprachigen Online-Diskursen selbst positionieren bzw. positioniert werden und setzt sich zum Ziel, soziale und kommunikative Positionierungspraktiken von und über MmB im deutsch- und polnischsprachigen digitalen Diskurs in den sozialen Medien zu erfassen, zu analysieren und zu beschreiben. Auf dieser Grundlage wird ein multimodales Analysemodell medialer Positionierungspraktiken (MAMP) vorgeschlagen, das sowohl die technische als auch die hypertextuelle, kommunikative und textuelle Charakteristik des Social Web und der Social Media berücksichtigt.

Inhaltsverzeichnis

  • Abdeckung
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Hingabe
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Danksagung
  • Kapitel 1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
  • 1.1 Einleitende Gedanken
  • 1.2 Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den Medien
  • 1.3 Mediale Inklusion von Menschen mit Behinderungen
  • 1.4 Hauptarbeitsziel. Theoretische Verortung der Arbeit
  • 1.5 Aufbau der Arbeit
  • Kapitel 2 Soziale Netzwerke
  • 2.1 Soziale Netzwerke – Definitorisches
  • 2.2 Industriegesellschaft – Massengesellschaft – Netzwerkgesellschaft
  • 2.3 Internet als Handlungs- und Sozialraum
  • Kapitel 3 Internet und Soziale Medien
  • 3.1 Internet in technologisch-medialer Perspektive
  • 3.1.1 Digitale Vernetzung und mobile Konnektivität des Internets
  • 3.1.2 Internet als konvergentes Medium
  • 3.1.2.1 Konvergenz von Medientypen und -modellen
  • 3.1.2.2 Konvergenz von Kommunikationsmodi und Kommunikationsformen
  • 3.2 Social Web und Social Media
  • 3.3 Soziale Medien. Allgemeine Charakteristika von Social Network Sites
  • 3.4 Klassifikationen von Social Media – Überblick
  • 3.5 Klassifizierung von sozialen Medien nach Kaplan/Haenlein (2010)
  • 3.6 Klassifizierung von Social Network Sites nach sozialer Präsenz, Selbstpräsentation und Vernetzungsstärke
  • 3.7 Charakteristika von ausgewählten Social Network Sites
  • 3.7.1 Sozialmediale Plattformen
  • 3.7.2 Mikroblogs
  • 3.7.3 Content Communitys
  • 3.7.4 Formen des Personal Publishing
  • 3.8 Internet und soziale Medien. Zwischenfazit
  • Kapitel 4 Multimodale Netzwerkkommunikation. Online-Diskurse
  • 4.1 Online-Diskurse. Einführung
  • 4.2 Hypertextualität von Online-Diskursen. Prototypische Merkmale von Hypertexten der sozialen Medien
  • 4.2.1 Textthema und Textfunktion
  • 4.2.2 Kohärenz und Hyperkohäsion
  • 4.2.3 Intermedialität und Intertextualität
  • 4.2.4 Prototypische Merkmale von sozialmedialen Hypertexten. Zwischenfazit
  • 4.3 Multimodalität und multimodale Zeichenhandlung in Online-Diskursen
  • 4.3.1 Text-Bild-Relationen
  • 4.3.1.1 Formale Text-Bild-Relationen
  • 4.3.1.2 Semantische Text-Bild-Relationen
  • 4.3.1.3 Pragmatisch-funktionale Text-Bild-Relationen
  • 4.3.1.4 Leistungspotenziale von Sprache und Bild
  • 4.3.2 Funktionalitäten
  • 4.3.3 Kommunikationsoperatoren
  • 4.3.4 Individualisiertes Design und prototypische Elemente der visuellen Gestaltung
  • 4.3.5 Multimodalität der Online-Diskurse. Zwischenfazit
  • Kapitel 5 Soziales und kommunikatives Handeln online
  • 5.1 Soziales und kommunikatives Handeln. Begriffsbestimmung
  • 5.2 Handlungskomponenten von Social-Web-Praktiken
  • 5.2.1 Informationsmanagement und interpersonale Anschlusskommunikation
  • 5.2.2 Beziehungsmanagement
  • 5.2.3 Identitätsmanagement
  • 5.2.4 Handlungskomponenten digitaler diskursiver Praktiken. Positionierung als Begleitelement digitaler diskursiver Praktiken. Zwischenfazit
  • 5.3 Digitale Öffentlichkeiten
  • 5.3.1 Öffentlichkeiten. Einführung
  • 5.3.2 Öffentlichkeiten auf analytisch-deskriptiver Ebene
  • 5.3.3 Medien-Öffentlichkeiten
  • 5.3.4 Mediale AnbieterInnen und InternetnutzerInnen als (Secondary-)Gatekeeper und Gatewatcher
  • 5.3.5 User-Generated-Content (Social-Media-Content)
  • 5.3.6 Vernetzte digitale (Gegen-)Öffentlichkeiten. Zwischenfazit
  • 5.3.7 Online-Gemeinschaften
  • Kapitel 6 Soziale und kommunikative Positionierung
  • 6.1 Stancetaking
  • 6.1.1 Das Stance-Dreieck von Du Bois
  • 6.1.2 Sprachideologien
  • 6.1.3 Soziale Indexikalität
  • 6.2 Positioning Theory. Einführung und wichtigste Begriffe
  • 6.2.1 Narrative
  • 6.2.2 Positionierungsdreieck
  • 6.2.3 Positionen vs. Rollen
  • 6.2.4 Positionierungen als Identitätszuweisungen
  • 6.3 Positionierungsordnungen und -kategorien
  • 6.3.1 Präpositionierungen
  • 6.3.2 Positionierungen erster, zweiter und dritter Ordnung
  • 6.3.3 Allgemeine Positionierungskategorien: Stille, intentionale, moralische, personale und reflexive Positionierungen
  • 6.3.4 Positionierungskategorien des Typs „performative“ und „accountive“
  • 6.3.5 Positionierungsordnungen und -kategorien. Zusammenfassung
  • Kapitel 7 Soziale und kommunikative Positionierung im Online-Diskurs von und über Menschen mit Behinderungen. Untersuchungsdesign
  • 7.1 MAMP: Das multimodale Analysemodell von medialen Positionierungspraktiken
  • 7.1.1 Analysekategorien
  • 7.1.1.1 Positionierungshandlungen und Positionierungspraktiken
  • 7.1.1.2 Rollen und Positionen
  • 7.1.1.3 Sprachliche und nichtsprachliche Positionierungsmittel
  • 7.1.1.4 Mikro- und Makronarrative
  • 7.1.1.5 Positionierungsmuster
  • 7.1.2 DIMEAN als methodologisches Grundgerüst der Analyse
  • 7.1.3 MAMP: Beschreibung des Modells
  • 7.2 Forschungsziel und Forschungsfragen
  • 7.3 Forschungsmaterial
  • 7.3.1 Datenerhebung
  • 7.3.2 Multimodale Textkorpora in Zahlen
  • 7.3.2.1 Präpositionierende Online-Selbstdarstellungsmodule (Textkorpus A)
  • 7.3.2.2 Positionierungen (Textkorpus B)
  • 7.3.3 Analyseschritte
  • 7.3.3.1 Erster Schritt: Analyse von Präpositionierungen
  • 7.3.3.2 Zweiter Schritt: Analyse von Positionierungen
  • 7.3.3.3 Dritter Schritt: Identifizierung von wiederkehrenden Makronarrativen und Positionierungsmustern
  • Kapitel 8 Präpositionierungspraktiken von Menschen mit Behinderungen in sozialen Medien
  • 8.1 Usernamen
  • 8.2 Multimodale Selbstdarstellungsmodule
  • 8.2.1 Präpositionierende Elemente in Formen des Personal Publishing
  • 8.2.1.1 Profilbilder und Header-Bilder
  • 8.2.1.2 Titel/Ansprachen und Logos
  • 8.2.1.3 Selbstpräsentation des Typs „Über mich“
  • 8.2.2 Präpositionierende Elemente in populären Social Media
  • 8.2.2.1 Profilbilder und Hintergrundbilder
  • 8.2.2.2 Typische Selbstdarstellungsmodule
  • 8.2.2.3 Andere Social-Media-Formate mit potentieller Selbstdarstellungsfunktion
  • 8.2.2.4 Selbstdarstellung durch Kategorienlisten des jeweiligen Systems
  • 8.3 Sprachliche und nichtsprachliche Präpositionierungspraktiken. Zusammenfassung
  • Kapitel 9 Positionierungspraktiken im Online-Diskurs von und über Menschen mit Behinderungen
  • 9.1 Kriterien für die Auswahl des Analysematerials
  • 9.2 „Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, ‚behindert‘ zu sein“. Behinderung aus der Perspektive eines Kindes (@raulkrauthausen)
  • 9.2.1 Zusammenfassung
  • 9.3 „Ausgrenzung hat viele Gesichter“. Bezüge auf Diskriminierung durch Mobilitätseinschränkungen (@aniolnaresorach)
  • 9.3.1 Positionierungshandlungen in Massenmedien
  • 9.3.2 Positionierungshandlungen in der massenmedialen Anschlusskommunikation
  • 9.3.3 Positionierungshandlungen in sozialmedialen Accounts von Menschen mit Behinderungen
  • 9.3.4 Zusammenfassung
  • 9.4 „Da können Kurze auch Kurze verkaufen, wenn sie das SELBST WOLLEN!“. Verweise auf potenziell diskriminierendes Verhalten und abwertende Sprache an öffentlichen Orten (@michelarriens)
  • 9.4.1 Positionierungshandlungen in Massenmedien („Der Spiegel“)
  • 9.4.2 Positionierungshandlungen in der massenmedialen Anschlusskommunikation
  • 9.4.3 Positionierungshandlungen in sozialmedialen Accounts von Menschen mit Behinderungen
  • 9.4.4 Zusammenfassung
  • 9.5 „Sprache formt Realität, Sprache ist wichtig und bitte lasst uns anfangen, sie richtig zu benutzen“. Sprache und Selbstbezeichnungen als Stanceobjekte in der kommunikativen Praxis der MmB-Community
  • 9.5.1 „Ich persönlich sage, dass ich behindert bin“. Autismus aus der Perspektive der Betroffenen (@ida_ma_autyzm)
  • 9.5.2 „Wenn du mich nicht mit ‚Du Blondine‘ ansprichst, dann sage auch nicht ‚Du Behinderte‘“. Sichtbare und nicht-sichtbare Behinderungen (@nie.pelnosprytna)
  • 9.5.3 „Es heißt ‚behinderte Menschen‘ oder ‚Menschen mit Behinderung‘“. Euphemisierung und „politische Korrektheit“ in Bezug auf Behinderungen (@luisalaudace)
  • 9.5.4 „HANDICAP. Das neue hübsche behindert. Das fancy Wort für Behinderung“. Euphemismen und Anglizismen in der Kommunikation über und unter Menschen mit Behinderungen (@nocolon.stillrollin)
  • 9.5.5 Zusammenfassung
  • 9.5.6 Indexikalische Elemente der MmB-Gemeinschaft am Beispiel von metapragmatischen Verweisen auf Selbstbezeichnungen
  • Kapitel 10 Präpositionierungs- und Positionierungspraktiken im digitalen Diskurs von und über Menschen mit Behinderungen. Bestimmung der Narrativtypen und Positionierungsmuster
  • 10.1 Makronarrativ des Typs „Menschen mit Behinderungen werden oft diskriminiert und stigmatisiert“
  • 10.1.1 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Ich bin durch mangelnde Mobilitätserleichterungen diskriminiert“
  • 10.1.2 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Ich bin von meiner Umgebung diskriminiert“
  • 10.1.3 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Ich bin durch die Sprache diskriminiert“
  • 10.1.4 Fremdpositionierungsmuster des Typs „BetreuerInnen von MmB sind zusätzliche Opfer der Diskriminierung“
  • 10.1.5 Fremdpositionierungsmuster des Typs „MmB wollen besondere Rechte oder Privilegien“
  • 10.1.6 Fremdpositionierungsmuster des Typs „MmB sind besonders, außergewöhnlich, leidend“
  • 10.2 Makronarrativ des Typs „Menschen mit Behinderungen bilden eine äußerst heterogene Gruppe“
  • 10.2.1 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Ich bin aktiver Gestalter/aktive Gestalterin trotz Barrieren“
  • 10.2.2 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Behinderung ist Teil meiner vielfältigen Identität“
  • 10.2.3 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Ich bin ExpertIn und BotschafterIn von Personen mit Behinderungen“
  • 10.2.4 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Ich bin Verbündete/r von MmB“
  • 10.3 Makronarrativ des Typs „Menschen mit Behinderungen haben das Recht auf Selbstbestimmung“
  • 10.3.1 Selbstpositionierungsmuster des Typs „Ich bin sprachbewusst und sprachlich emanzipiert“
  • 10.3.2 Fremdpositionierungsmuster des Typs „AktivistInnen für die Rechte von MmB sind Meinungsdiktatoren“
  • 10.4 Narrative und Positionierungsmuster von und über Menschen mit Behinderungen. Zusammenfassung
  • Kapitel 11 Schlussfolgerungen und Ausblick
  • Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Struktureller Perspektivenwechsel – Gestaltung einer neuen Netzwerkgesellschaft nach Filk/Gundelsweiler (2012). Eigene Darstellung

Abb. 2: Liste von populärsten Social Media nach der Anzahl der aktiven User [in Millionen] (Stand: April 2024, Quelle: statista.com, 18.06.2024)

Abb. 3: Modell der Media Richness (erweitert und überarbeitet von Blank 2017: 79)

Abb. 4: Beispiel einer Text-Bild-Konvergenz (mit dem Schlüsselwort „Inklusion behinderter Personen“). Quelle: https://www.campusnaturalis.de/magazin/bildung-fuer-menschen-mit-behinderung/ (21.10.2021)

Abb. 5: Funktionalitäten (am Beispiel der Startseite auf Twitter/X)

Abb. 6: Beispiel eines temporären Rahmens auf Facebook. Quelle: privat

Abb. 7: Beispiel eines Selbstdarstellungsmoduls auf Twitter/X. Quelle: https://x.com/AliCologne

Abb. 8: Prozess der Social-Web-Praktiken (vgl. Schmidt 2017). Eigene Darstellung

Abb. 9: Positionierung als begleitendes Element bei diskursiven Praktiken in sozialen Medien. Eigene Darstellung

Abb. 10: Ergänzung des Drei-Ebenen-Modells der Öffentlichkeit von Jarren/Donges (2006: 105). Eigene Darstellung

Abb. 11: Drei Stufen des typischen Prozesses der Nachrichtenentstehung (vgl. Bruns 2009). Eigene Darstellung

Abb. 12: Vier Stufen des Gatewatching (vgl. Bruns 2009). Eigene Darstellung

Abb. 13: Prozess der Produtzung (vgl. Bruns 2007). Eigene Darstellung

Abb. 14: Mögliche Arenen von Online-Öffentlichkeiten (Vorschlag).Eigene Darstellung auf Basis des Schemas von Jarren/Donges (2006: 105)

Abb. 15: Das Stance-Triangle von Du Bois (2007). Eigene Darstellung

Abb. 16: Positionierungsdreieck (engl. Positioning triangle) in der Positioning Theory von Harré/Langenhove (1999). Eigene Darstellung

Abb. 17: Allgemeine Ordnungen und Kategorien der Positionierung. Eigene Darstellung

Abb. 18: Hauptebenen von DIMEAN nach Spitzmüller/Warnke (2011: 136). Eigene Darstellung

Abb. 19: [Beleg 1]: Internetauftritt (Startseite) des Politikers Constantin Grosch. Quelle: https://constantin-grosch.de/

Abb. 20: [Beleg 2]: Text-Bild-Relationen auf der Homepage (Startseite) von Moritz Brückner. Quelle: https://moritzbrueckner.de/

Abb. 21: [Beleg 3]: Text-Bild-Relationen auf der Homepage (Startseite) des Rappers Graffidi. Quelle: https://graffidi.de/

Abb. 22: [Belege 4–7]: Beispiele von ausgewählten Logos auf Homepages von Personen mit Behinderungen. Quellen von links: michelarriens.de, https://www.nataliededreux.de, dalszyciag.com.pl [Weronika Góra], https://zaniczka.pl/

Abb. 23: [Beleg 22]: Unterschiedliche semiotische Ressourcen in der „Über mich“-Sektion auf der Homepage des deutschen Aktivisten mit Behinderung Raul Krauthausen. Quelle: https://raul.de/zur-person/

Abb. 24: [Beleg 46]: Das individualisierte Design des Twitter/X-Accounts von @idatym (@ida_ma_autyzm bei Instagram)

Abb. 25: [Beleg 47]: Das Hintergrundbild von @PaniMiniaturowa bei Facebook und Twitter/X

Abb. 26: [Beleg 56]: Beispiel von ‚angehefteten‘ Postings im Story-Format (Q&A-Sektion) bei Instagram (@rebekkas_inklusions_blog)

Abb. 27: [Beleg 57]: Beispiel von ‚angehefteten‘ Postings im Story-Format (Q&A-Sektion) bei Instagram (@aniolnaresorach)

Abb. 28: [Beleg 58]: Beispiel einer Selbstdarstellung durch Kategorienlisten des Systems der gegebenen App (hier: Instagram, @zaniczka)

Abb. 29: [Beleg 59]: Beispiel einer Selbstdarstellung durch Kategorienlisten des Systems der gegebenen App (hier: Instagram, @brzoskoanna)

Abb. 30: [Beleg 60]: Bild-Fläche des Postings von @raulkrauthausen

Abb. 31: [Beleg 77]: Fotos zu dem Online-Text von Wirtualna Polska. Quelle: https://www.wp.pl/https://www.pudelek.pl vom 01.04.2022

Abb. 32: [Beleg 120]: Kommentar zum Twitter/X-Beitrag von @michelarriens.de (21.07.2018)

Abb. 33: [Beleg 125]: Bild-Fläche des Postings von @ida_ma_autyzm bei IG (06.10.2022)

Abb. 34: [Beleg 136]: Bild-Fläche des Postings von @nie.pelnosprytna (08.01.2023)

Abb. 35: [Beleg 159]: Bild-Fläche des Postings von @luisalaudace (11.09.2021)

Abb. 36: [Beleg 166]: Bild-Fläche des Postings von @nocolon.stillrollin (08.01.2024)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Internet vs. klassische Massenmedien. Eigene Darstellung

Tab. 2: Gegenüberstellung Web 1.0 versus Web 2.0. Eigene Darstellung

Tab. 3: Klassifizierung von Social Media nach Social presence/media richness und self-presentation/self-disclosure von Kaplan/Haenlein (2010: 62)

Tab. 4: Klassifizierung von sozialen Medien nach sozialer Präsenz/Medienreichhaltigkeit, Selbstpräsentation/Selbstoffenbarung und Vernetzungsstärke. Eigene Darstellung

Tab. 5: Gegenüberstellung der Kennzeichen von prototypischen Texten und Eigenschaften von prototypischen Hypertexten auf SNS. Eigene Darstellung

Tab. 6: Dimensionen, Aspekte und Fragestellungen zu Text-Bild-Relationen in medialen Texten (Burger/Luginbühl 2014: 420 ff.)

Tab. 7: Typen von Funktionalitäten in Online-Diskursen (vgl. Bucher 2013: 65 f. und Meier 2016: 415 mit eigenen Ergänzungen)

Tab. 8: Operatoren und Handlungen in sozialen Medien (die ursprüngliche Idee vgl. Thimm et al. 2011: 269 f.). Zum Teil eigene Darstellung

Tab. 9: Handlungskomponenten von Social-Web-Praktiken mit Beispielen (Schmidt 2017: 73)

Tab. 10: Typen reflexiver Positionierungen intentionaler Art (intentional positionings) nach Harré/Van Langenhove (1991: 400 und 1999: 24)

Tab. 11: Vergleich – Mikronarrative vs. Positionierungsmuster. Eigene Darstellung

Tab. 12: Analysematrix des multimodalen Analysemodells von medialen Positionierungspraktiken (MAMP)

Tab. 13: Allgemeine Empfehlungen zur inklusiven Sprache in Bezug auf Menschen mit Behinderungen und ohne Behinderung. Eigene Ausarbeitung

Tab. 14: Beispiele von empfohlenen Bezeichnungen in Bezug auf Menschen mit Behinderungen mit bestimmten Erkrankungen oder Gesundheitszuständen

Tab. 15: Populärste Kollokationen im deutschen Textkorpus

Tab. 16: Populärste Kollokationen im polnischen Textkorpus

Danksagung

Die Entstehung dieses Buches wäre ohne die Unterstützung und Hilfe der folgenden Personen nicht möglich gewesen, denen ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen möchte.

Mein besonderer Dank gilt den MitarbeiterInnen des Instituts für Angewandte Linguistik in Poznań, die mich insbesondere in der Anfangsphase der Entstehung des Buches und bei der Festlegung seines Themas mit Rat und Tat unterstützt haben. Ich danke Frau Prof. Izabela Prokop und Frau Prof. Alicja Sakaguchi für ihre wertvollen Ratschläge und Anregungen zum Inhalt des Buches, die ich unmittelbar nach meiner ersten Präsentation im April 2018 erhielt, in der ich die Thesen meiner Monografie vorgestellt habe. Ich danke auch Herrn Prof. Marcin Maciejewski für seine besonders wertvollen Anmerkungen zur verwendeten Methodologie multimodaler Texte und zur Herausarbeitung analytischer Kategorien.

Mein besonderer Dank gilt auch meinen GutachterInnen, Frau Prof. Dr. Konstanze Marx-Wischnowski von der Universität Greifswald und Herrn Prof. Roman Opiłowski von der Universität Wrocław, für ihre aufschlussreichen und kritischen Worte, die es mir ermöglicht haben, einige Mängel der ersten Fassung der Monografie zu erkennen und zu beheben.

Ich danke Frau Prof. Camilla Badstübner-Kizik vom Institut für Angewandte Linguistik für den Vorschlag, das Buch in der von ihr herausgegebenen Reihe „Poznan Studies in Applied Linguistics / Posener Beiträge zur Angewandten Linguistik“ zu veröffentlichen. Das Buch wurde dank der Unterstützung und finanziellen Hilfe der Institutsleitung, der Fakultät und der Rektoratsleitung der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań finanziert.

Die Abgabe des Manuskripts in deutscher Sprache, die für mich eine Fremdsprache ist, wäre ohne die Korrekturarbeit der beiden DAAD-Lektoren am Institut für Angewandte Linguistik in Poznań, Herrn Marcel Knorn und Herrn Johann Görzen, nicht möglich gewesen. Ich danke Euch herzlich für Eure Unterstützung und Eure wertvollen sprachlichen Hinweise.

Nicht zuletzt möchte ich mich ganz besonders bei meiner lieben Familie bedanken, insbesondere bei meinem langjährigen Partner Jakub und meiner Mutter, die mich während der gesamten Entstehungszeit des Buches mit gutem Wort unterstützt haben, meine ersten Lektoren waren und dabei stets außerordentliche Geduld und Verständnis gezeigt haben.

KAPITEL 1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit

1.1 Einleitende Gedanken

Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (MmB) stellt in Polen und in den deutschsprachigen Ländern eine zentrale Herausforderung dar. Trotz internationaler Übereinkommen wie der UN-Behindertenrechtskonvention bestehen weiterhin Barrieren sowohl physischer als auch sozialer Natur, die die Inklusion und Gleichberechtigung von MmB beeinträchtigen. Darüber hinaus spiegelt die Art und Weise, wie Menschen mit Behinderungen in Politik, Medien und Alltag wahrgenommen und dargestellt werden, tieferliegende kulturelle Einstellungen wider und beeinflusst maßgeblich ihre Lebensrealität.

Obwohl der Begriff „Behinderung“ von den Betroffenen selbst unterschiedlich gedeutet wird, möchte ich von dem sog. „bio-psycho-sozialen Modell“ der Behinderungen der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) ausgehen. Die 2001 von der Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation verabschiedete ICF versteht Behinderung als Zusammenspiel der folgenden zwei Komponenten (vgl. Haage 2021: 30 ff. in Anlehnung an Richtlinien der „Convention on the Rights of Persons with Disabilities“ der WHO1):

  1. Funktionsfähigkeit und Behinderung, zu denen drei Elemente gehören:
    1. Körperfunktionen und -strukturen (und ihre eventuelle Schädigung): „Physiologische/psychologische Funktion von Körpersystemen, Körperstrukturen sind anatomische Teile des Körpers“ (ebd.: 31),
    2. Aktivitäten: verstanden als „Durchführung einzelner Aufgaben und Handlungen“ (ebd.),
    3. Partizipation (Teilhabe), d. h. „Einbezogensein in eine Lebenssituation“ (ebd.).
  2. Kontextfaktoren, deren Bestandteile Umweltfaktoren, d. h. „materielle, soziale und einstellungsbezogene Umwelt“ (ebd.) und personenbezogene Faktoren sind (u. a. zählen dazu Geschlecht, ethnischer Hintergrund, Alter oder Lebensstil).

Darüber hinaus gehören Menschen mit Behinderungen zu den sog. „ausgeschlossenen“ oder „marginalisierten Gesellschaftsgruppen“ bzw. zu solchen, die von potenzieller sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Nach der Civil Liberties Union for Europe (Liberties) bedeutet „soziale Ausgrenzung“ Situationen, in denen „nicht alle Menschen den gleichen Zugang zu den Möglichkeiten und Dienstleistungen haben, die es ihnen ermöglichen, ein würdiges und glückliches Leben zu führen“2. Darüber hinaus gilt dies auch, „wenn Menschen nicht in der Lage sind, sich in die Gestaltung der Regeln der Gesellschaft, in der sie leben, einzubringen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen“ (ebd.). Gerade Menschen mit Behinderungen werden häufig mit Situationen konfrontiert, in denen sie schlecht behandelt werden – bevormundet, übergangen oder in Gesprächen und/oder Diskussionen nicht ernst genommen. Nicht selten werden sie beispielsweise ungefragt geduzt, (sexuell) belästigt oder sind Hassrede ausgesetzt, wobei sie oft mit nur mangelnder Hilfe rechnen können.3 Dazu kommt noch die häufige Benachteiligung in der Schule (im Kindes- und Jugendalter) und später im Arbeitsleben4, was bei vielen zu einem geringen Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein führen kann. Schuld daran sind u. a. fehlende und/oder unzureichende Regelungen5 sowie seit Jahren in der Gesellschaft herrschende Klischees und Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen und ihrer (medialen) Inklusion.6

1.2 Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den Medien

Ein Blick auf die verfügbaren Studien (vor allem im Bereich der Soziologie, Pädagogik oder allgemeinen Medienwissenschaft) zum medialen Bild von Menschen mit Behinderungen in deutschsprachigen Ländern und in Polen legt nahe, dass die vorherrschenden Darstellungen eher Stereotypen festigen, als dass sie die tatsächliche Inklusion dieser Gruppe fördern. Es wird vor allem oft konstatiert, dass MmB in Massenmedien stark unterrepräsentiert sind, und wenn überhaupt über sie berichtet wird, dann hat man es meistens mit einer thematischen Verengung zu tun (vgl. u. a. Bosse 2017 oder Röhm 2023). Dabei spielen unterschiedliche Emotionen eine zentrale Rolle: einerseits Ausdruck der Bewunderung, die oft schon allein aus der Tatsache resultiert, dass man es mit einer behinderten Person zu tun hat, andererseits Mitleid, das vor allem durch Bilder von Menschen mit Behinderungen ausgelöst wird, die ständiger Pflege bedürfen würden, hilflos seien und Schmerzen hätten (vgl. Hribar 2016: 11 oder Röhm 20237). Darüber hinaus betrachten viele JournalistInnen Menschen mit Beeinträchtigungen nur durch das Prisma ihrer Behinderung, ohne dass sie auch andere Eigenschaften, Fähigkeiten oder Talente erwähnen, die Teil der Identität dieser Menschen sein könnten (vgl. Pernegger 2017: 88). Darüber hinaus werden oft „alle anderen Facetten, die ein Mensch in die Gesellschaft einbringt, vernachlässigt“ (Köpcke 2018: 240).

Bosse (2011 und 2017) analysiert populäre (deutschsprachige) Fernsehserien bezüglich der Darstellung von MmB. Der Autor stellt zwar fest, dass es in populären Fernsehformaten „zugleich möglich ist, zu unterhalten und Zuschauende für das Thema Behinderung zu sensibilisieren“, indem bspw. Stereotype über MmB „gezeigt und zugleich entlarvt“ oder traditionelle Leitbilder wie Fürsorge oder Versorgung mit zeitgemäßen Leitbildern „wie Selbstbestimmung, Teilhabe und Inklusion transportiert“ werden, aber gleichzeitig stellt er fest, dass Menschen mit Beeinträchtigungen in Filmen weiterhin nach stereotypen Mustern dargestellt werden: Sie nehmen meistens eine Sonderstellung ein und, wenn sie überhaupt zum Thema einer Folge gemacht werden, dann meistens als „das Exotische, das Ungewöhnliche, das die Zuschauer anziehen soll“8 (Bosse 2017: 133). In der Analyse zahlreicher Artikel aus der deutschen Boulevardpresse dagegen konstatiert derselbe Autor (ebd.), dass die JournalistInnen zwar oft in der Lage sind, den Informationsstand und das Bewusstsein vieler LeserInnen „nachhaltig zu beeinflussen“, aber (ähnlich wie in populären Unterhaltungsformaten im Fernsehen) steht in den Boulevardmagazinen „die Darstellung exakter Tatsachen weniger im Fokus als das Erzählen spannender Geschichten“, was selbstverständlich „zu Lasten der differenzierten Darstellung der Lebenswelten behinderter Menschen gehen“ kann. So überwiegen, insbesondere in der Boulevardpresse und Spielfilmen (Filmserien), unterschiedliche „Leidengeschichten, Dramen oder Sensationen“ (Köpcke 2018: 240).

Was die Tagespresse anbelangt, sind besonders zwei polnische wissenschaftliche Arbeiten zu erwähnen. Struck-Peregończyk/Kurek-Ochmańska (2018) untersuchten in ihrer umfangreichen Studie das Bild von Menschen mit Behinderungen in der polnischen meinungsbildenden Presse in den Jahren 1997–2016. Die Autorinnen bemerken, dass bestimmte Themen sich in vielen medialen Presseberichten wiederholen, unabhängig vom Jahr der Veröffentlichung. Zu solchen Themenbereichen zählen sie unter anderem folgende: Darstellung der schwierigen Situation von MmB, wirtschaftliche und emotionale Kosten der Behinderung oder Schwierigkeiten in Beziehungen von Menschen mit Beeinträchtigungen mit ihrer Umwelt. Dazu kommen intimere Themen wie Liebe, Partnerschaft und Elternschaft sowie sexuelle Bedürfnisse dieser Gruppe. Darüber hinaus werden seit Jahren soziale Isolation, mangelnde Selbstakzeptanz sowie Ineffizienz der Sozial- und Gesundheitspolitik thematisiert. Schließlich wird die Situation dieser Personen in Polen und anderen Ländern verglichen (vgl. ebd.: 67). Auf der anderen Seite mag das eher schwache Interesse am Thema der Arbeitsmarktbeteiligung von Menschen mit Behinderungen überraschen, zumal sich in den letzten 20 Jahren sowohl rechtlich als auch institutionell viel verändert hat und das Bewusstsein für diesen Bereich gewachsen ist (vgl. Struck-Peregończyk/Kurek-Ochmańska 2018: 67). Ähnliche Schlussfolgerungen lassen sich nach der Lektüre einer anderen aktuellen Studie von Wojakowski (2020) ziehen. Der Autor konstatiert, dass das Bild, das in den Printmedien vermittelt wird, sich von der Wunschvorstellung von Personen mit Behinderung unterscheidet, die viele JournalistInnen, PublizistInnen, LehrerInnen oder PolitikerInnen vertreten und fördern. Die meisten Artikel in der Meinungspresse würden sich dagegen auf häufige finanzielle Entbehrungen oder gesundheitliche Probleme vieler MmB konzentrieren. Nach Ansicht des Autors gehen viele JournalistInnen auch von der falschen Annahme aus, dass die Darstellung negativer Phänomene in Bezug auf MmB und die anschließende Präsentation in Form von positiv assoziierten Ereignissen (z. B. dass solchen Menschen immer häufiger geholfen wird) das Bild von Menschen mit Beeinträchtigungen in der Gesellschaft verbessern werden. Leider sei der Effekt oft das Gegenteil – ein abwertendes Bild von MmB wird aufrechterhalten (vgl. ebd.: 72 f.). Darüber hinaus dominiert in der untersuchten Tagespresse das Bild von Menschen mit Beeinträchtigung, deren Alltag von der notwendigen Nächstenliebe anderer geprägt ist (und so dominiert in der Presseberichterstattung immer noch die klare Rollendefinition „Kranker – zu behandelnder Patient“). Eine solche Darstellung von Menschen mit Behinderungen würde (so Wojakowski 2020: 73) zu ihrer weiteren Isolation und der Situation führen, in der sie nach wie vor als „dysfunktionale Menschen“ abgestempelt werden. Andererseits ist jedoch hinzuzufügen, dass die Anzahl der Presseartikel zunimmt, die über das Modell der „Wohltätigkeitspflege“ hinausgehen und die Nivellierung der äußeren Einschränkungen sowie die Anpassung der Umgebung an die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen zeigen (vgl. ebd.: 73).

Die oben angeführten exemplarischen Befunde aus der polnischen und deutschsprachigen Fachliteratur zeigen, wie viel noch auf dem Medienmarkt getan werden muss, wenn es um eine gerechte Darstellung von Menschen mit Behinderungen geht. Einerseits kann man in den letzten Jahren den Trend beobachten, dass die Anzahl von Medienberichten, in denen Menschen mit Beeinträchtigung in einem negativen, unvorteilhaften Licht dargestellt werden, zurückgegangen ist (vgl. Peregończyk/Kurek-Ochmańska 2018: 67). Dazu werden sowohl in der Presse als auch im Fernsehen der letzten Jahre immer häufiger „Trennlinien zwischen Inklusion und Exklusion markiert“, wodurch auch deutlich gemacht wird, „dass Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung keine zwei Gruppen darstellen“ (Bosse 2017: 133). Andererseits herrscht in den Mainstream-Medien (trotz deutlicher Fortschritte in der Darstellungsweise der MmB) immer noch das Bild einer Person mit Beeinträchtigung als „Opfer“ vor: hauptsächlich als Opfer des Systems, ungünstiger Lösungen, mangelnden Verständnisses oder der Intoleranz. Die behinderten ProtagonistInnen in vielen medialen Berichten werden manchmal an den Rand des sozialen und beruflichen Lebens gedrängt, führen nicht selten dramatische Kämpfe um die Finanzierung von Behandlungen, sind Intoleranz ausgesetzt, werden als Belastung und potenzielle oder tatsächliche Kunden von Sozialhilfe behandelt usw. Um eine bestimmte Wirkung zu erzielen – Mitleid oder Empörung zu erwecken – werden die Unterprivilegierten übermäßig in den Mittelpunkt gestellt. Dazu werden nicht selten naturalistische Beschreibungen wiedergegeben und gewisse Einschränkungen hervorgehoben. So wie Wojakowski (2020: 73) feststellt, werden in vielen der analysierten Materialien die Menschen dieser Gruppe genau über ihre Rolle als Kranke definiert – als Patienten, die behandelt werden müssen. Dies führt oft zu der bereits erwähnten (mentalen) Isolierung von Menschen mit Behinderungen. Zwar erlebt man eine immer größer werdende Präsenz von MmB sowohl in den Mainstream-Medien als auch in kleineren thematischen Medien und Social Media (vgl. Beispiele im vorliegenden Buch, wie Presse- oder Fernsehinterviews), aber nach wie vor ist bei vielen JournalistInnen eine Abneigung oder Angst, die vor allem auf Stereotypen oder Vorurteilen beruht, gegenüber MmB (besonders mit schwereren Behinderungen) zu beobachten.9

1.3 Mediale Inklusion von Menschen mit Behinderungen

Obwohl immer mehr über die mediale Inklusion von Angehörigen marginalisierter Gruppen gesprochen wird, ist auch der Prozess der medialen Inklusion von Personen mit Behinderungen in der heutigen Welt – auch in entwickelten Ländern – nicht immer leicht zu realisieren. Besonders Menschen mit schweren Behinderungen haben oft – trotz der vielen meist kostenlosen Online-Anwendungen, die auf dem Markt erhältlich sind – einen eingeschränkten Zugang zu massenmedialen Angeboten und zum Internet, was darin resultiert, dass die Nutzung von Medien in dieser Gruppe oft als unzureichend empfunden wird.10

Dennoch möchte ich in der vorliegenden Arbeit von zwei allgemeinen, vorläufigen Hypothesen bezüglich der Medienpraktiken von Menschen mit Behinderungen ausgehen:

  1. Das Internet und die sozialen Medien spielen eine wichtige Rolle auch im Leben von Personen mit Behinderungen. Darüber hinaus können sozialmediale Accounts von MmB gute und zuverlässige Kommunikationsplattformen darstellen.
  2. Trotz ihrer Behinderungen sind besonders aktive und engagierte UserInnen (wie AktivistInnen, BloggerInnen, AutorInnen usw.) in der Lage, die von ihnen vorgeschlagenen, entsprechend profilierten Themen für viele potenzielle EmpfängerInnen interessant zu machen. Darüber hinaus nehme ich an, dass sie sich von ihrer ursprünglichen Umgebung abheben und in weiteren Kreisen „Gehör“ verschaffen können, was sie (trotz der häufigen Behandlung von weniger populären Themen und eher bescheidener technischer Möglichkeiten) zu konkurrierenden medialen AnbieterInnen macht.11

Beide Thesen können zumindest teilweise auf der Grundlage zahlreicher Studien bestätigt werden, vor allem zur Mediennutzung von MmB.12 So bemerken Borgstedt/Möller-Slawinski (2020: 46), dass es nicht „‚das‘ Nutzungsverhalten von Menschen mit Behinderung [gibt], weder per Behinderungsart noch in Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft“. Darüber hinaus stellen sie fest, dass der Zustand eines kompletten Offline-Seins die absolute Ausnahme unter Befragten ist (vgl. ebd.: 48). In weiteren Schritten bemerken die Autorinnen, dass Menschen mit Behinderungen, neben Hilfsmitteln (z. B. unter Personen mit Hör- oder Sehbehinderung), eher klassische Digitaltechnologien nutzen (vgl. ebd.: 49). In einer anderen umfangreichen Studie zur Bedeutung von Social Media unter Behinderten weist Żuchowska-Skiba (2017) darauf hin, dass die häufige Nutzung von sozialen Netzwerken sowie von Foren und Diskussionsgruppen zwar nicht zu einer Erhöhung der Anzahl der „Freunde“ beiträgt, aber dazu führen kann, dass bereits bestehende Beziehungen zu realen Freunden und Bekannten gepflegt werden können (vgl. ebd.: 303). Darüber hinaus bemerken Masłyk et al. (2016: 133), dass Personen mit Behinderungen dank der vom Netzwerk zur Verfügung gestellten Instrumente die Form und Häufigkeit ihrer sozialen Kontakte beeinflussen können, was dazu beiträgt, dass sie die Kontrolle über ihr eigenes Leben zurückgewinnen. Eine solche Aktivität motiviert sie oft, ihre Probleme aktiv zu lösen, indem sie Unterstützung von anderen suchen und mehr an virtuellen oder realen Ereignissen teilnehmen möchten (vgl. Pawłowska 2019: 115).13 Darüber hinaus wird in den letzten Jahren immer häufiger für die sog. digitale Teilhabe14 (mit unterstützter Kommunikation) plädiert, d. h. alle digital zur Verfügung gestellten Inhalte sollten für jeden Menschen zugänglich sein (vgl. Albrecht/Hüning 2019). Dirks/Linke (2019: 242) unterstreichen dabei die Tatsache, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen das Recht haben, „souverän in einer von Medien geprägten Gesellschaft“ zu leben und „mit den daraus entstehenden Herausforderungen“ umzugehen. Eine gerechte digitale Teilhabe, indem man bspw. sich selbst in den Medien darstellen, das Internet ohne Einschränkungen nutzen oder digitale Peergroups bilden kann, wirkt sich meistens positiv auf die Identitätsentwicklung vieler Menschen mit Behinderung aus (vgl. Feichtinger 2019: 292 ff.).

1.4 Hauptarbeitsziel. Theoretische Verortung der Arbeit

Die sprachliche Darstellung von Menschen mit Behinderungen ist selbstverständlich nicht nur Ausdruck gesellschaftlicher Haltungen, sondern auch ein Mittel sozialer Positionierung und Machtausübung. In digitalen Räumen, insbesondere in sozialen Medien, entstehen Diskurse, die Normen, Werte und Ausgrenzungsmechanismen reproduzieren, aber auch hinterfragen. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Analyse sprachlicher und nichtsprachlicher Mittel, mit denen sich Menschen mit Behinderungen im deutsch- und polnischsprachigen Online-Diskurs positionieren und positioniert werden, und setzt sich zum Ziel, soziale und kommunikative Positionierungspraktiken von und über Menschen mit Behinderungen im deutsch- und polnischsprachigen digitalen Diskurs in sozialen Medien zu erfassen, zu analysieren und zu beschreiben. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, wie sich die einzelnen polnisch- und deutschsprachigen UserInnen mit Behinderung in analysierten sozialmedialen Anwendungen sprachlich und multimodal positionieren und wie sie von der nicht-behinderten Mehrheit positioniert werden (vgl. Kapitel 6).

Um dies zu erreichen, wird das multimodale Analysemodell von medialen Positionierungspraktiken (MAMP) vorgeschlagen, das sowohl die technische als auch hypertextuelle, kommunikative und textuelle Charakteristik des Social Webs und Media berücksichtigt (vgl. 7.1). Im Rahmen der Analyse wird dann versucht, die einzelnen sprachlichen und nichtsprachlichen Positionierungsmittel zu differenzieren sowie wiederkehrende Positionierungsmuster und Makronarrativtypen zu bestimmen.

Die Positionierungstheorie selbst und die Stancetaking-Theorie haben bisher ihre zahlreichen Anwendungen in vielen wissenschaftlichen Bereichen gefunden, vor allem bei der Entwicklung von Marketing- oder Public-Relations-Strategien (vgl. Raisanen/Stenberg 2011 oder Wise/James 2013). Verengt man den Fokus auf die angewandte Linguistik und die Kommunikationswissenschaften, so finden die Positionierungstheorie und die Theorie des Stancetaking ihre Anwendung in Untersuchungen, die sich v. a. auf verschiedene institutionelle Gesprächstypen beziehen, z. B. Schule (vgl. Ackermann 2014, Feilke 2017 oder Grundler et al. 2020), digitale Positionierungspraktiken beim Sprachenlernen (vgl. Chik 2015) oder interkulturelle Kommunikation (vgl. Warren/Moghaddam 2018 oder Klötzl/Swoboda 2020). Die vorliegende Arbeit fügt sich in Untersuchungen aus der Korpus- und Handlungsanalyse zur Konstitution von unterschiedlich großen Diskurs- oder Erzählgemeinschaften ein (vgl. Ghosten 2012, Hirvonen 2016, Kayı-Aydar 2019 oder Völker/Spieß 2021) bzw. in Studien, die sich mit narrativer Identität und Positionierung auseinandersetzen (vgl. Lowenthal/Dennen 2019), ein.

1.5 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Das zweite Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über das Konzept sozialer Netzwerke aus soziologischer Perspektive und deren Bedeutung für moderne Gesellschaftsstrukturen. Zunächst werden Netzwerke als Beziehungsgeflechte definiert, in denen soziale Akteure durch stabile, wiederholte Interaktionen verbunden sind. In digitalen Kontexten ermöglichen Netzwerke sowohl direkte als auch vermittelte Kommunikation, wobei sie Strukturen und Dynamiken sozialer Ordnung abbilden. Merkmale wie Reichweite, Bindungsstärke, soziale Kontrolle oder Multiplexität (starke vs. schwache Beziehungen) helfen bei der Analyse dieser Strukturen. Das Kapitel beleuchtet zudem den Übergang von traditionellen Gemeinschaften über die Massengesellschaft zur Netzwerkgesellschaft, in der Individuen zunehmend in vielfältigen, oft losen sozialen Netzwerken agieren. Dabei wird die Rolle der Informationsverarbeitung und digitalen Vernetzung als zentrale Triebkräfte dieser Transformation betont. Die Netzwerkgesellschaft ist durch Individualisierung, Mobilität, Dezentralisierung und technologische Durchdringung gekennzeichnet. Darüber hinaus beschreibt das Kapitel mit Blick auf aktuelle und künftige Entwicklungen (z. B. Web 3.0/4.0, Internet of Things), wie Online- und Offline-Sozialräume zunehmend verschmelzen. Das Internet wird als Handlungs-, Sozial- und Bildungsraum betrachtet, in dem sich neue Formen von Gemeinschaft, Identitätskonstruktion und Wissensaustausch etablieren. Soziale Netzwerke bieten somit nicht nur Kommunikationsplattformen, sondern wirken auch als strukturierende Kräfte im sozialen Wandel.

Details

Seiten
608
Erscheinungsjahr
2026
ISBN (PDF)
9783631938102
ISBN (ePUB)
9783631944967
ISBN (Hardcover)
9783631938096
DOI
10.3726/b23292
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2026 (Mai)
Schlagworte
Menschen mit Behinderungen Positionierung Soziale Medien Digitaler Diskurs Multimodalität Stancetaking Identität Textkorpus Textlinguistik Korpuslinguistik Medienlinguistik Narrative Positionierungsmuster Selbstdarstellung MAMP
Erschienen
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 608 S., 36 s/w Abb., 16 Tab.
Produktsicherheit
Peter Lang Group AG

Biographische Angaben

Paweł Rybszleger (Autor:in)

Paweł Rybszleger ist Wissenschaftler am Institut für Angewandte Linguistik der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań, Polen. Seine Forschungsinteressen sind Medien- und Pragmalinguistik, Textlinguistik und Sprachpragmatik.

Zurück

Titel: Positionierungspraktiken im Online-Diskurs