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Poeta philologus

Eine Schwellenfigur im 19. Jahrhundert

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Edited By Mark-Georg Dehrmann and Alexander Nebrig

Die Geschichte der Philologien kann nicht von der Geschichte der Literaturen getrennt werden: Dichtung bezieht sich immer auf Traditionen. Diese existieren aufgrund ihrer Konstitution, ihrer Bewahrung, ihrer Kritik, ihrer Interpretation – aufgrund der klassischen Tätigkeiten von Philologie bzw. Literaturwissenschaft. Der poeta philologus ist ein aufschlussreicher Sonderfall für diesen Befund, der aber auch darüber hinaus Geltung beanspruchen kann.
Der Band widmet sich der Lage des Dichterphilologen im 19. Jahrhundert. Seine Situation ist ambivalent. Innerhalb von Kulturen und Gesellschaften, die ihre ästhetischen, didaktischen und politischen Ambitionen durch einen Rückgang auf die Geschichte legitimieren, gewinnt der poeta philologus eine herausragende Bedeutung: Er verfügt als Philologe über das Vergangene, um es als Dichter wirkungsmächtig in die Öffentlichkeit zu geben. Gleichzeitig aber ist seine Doppelrolle seit den ästhetisch-poetischen Entwicklungen vom späten 18. Jahrhundert an gefährdet: Droht nicht die Gelehrsamkeit die Fähigkeit zur Dichtung abzutöten? Der Dichterphilologe ist eine Schwellenfigur zur Moderne: Er versucht noch einmal, die Sehnsucht nach dem Vergangenen in gegenwärtiges Leben umzuwandeln, das sich multiplizierende historische Wissen in die Präsenz gegenwärtiger Dichtung zu bannen.
Die Beiträge beschränken sich nicht auf eine Nationalphilologie. In exemplarischen Studien zu Dichterphilologen unterschiedlicher Länder und Literaturen wird deutlich, dass der poeta philologus ein europäisches Phänomen ist.

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ZU DEN AUTORINNEN UND AUTOREN HARTMUT BOBZIN Geb.: 1946; a. o. Professor für Semitische Philologie und Islamwissenschaft, Institut für außereuropäische Sprachen und Kulturen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg, o. Mitglied der Phil.-Hist. Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaf- ten, München; Forschungsschwerpunkte: Koranforschung, Geschichte der Koranüber- setzungen, Arabischer Buchdruck, Geschichte der Orientalistik und der Hebraistik; Publi- kationen: Der Koran. Neuübersetzung v. H. B. (2010), Glaubensbuch und Weltliteratur. Koran- übersetzungen in Deutschland von der Reformationszeit bis heute (hrsg. v. H. B., 2007), Muhammad und die Einigung der Araber (in: M. Meier [Hrsg.]: Sie schufen Europa, 2007), Immanuel Kant und die Basmala. Zur orientalischen Typographie in Deutschland (17./18. Jahrhundert) (in: Eothen. Jahr- buch der Freunde islamischer Kunst und Kultur, IV [2007]). MARK-GEORG DEHRMANN Geb.: 1975; Dr. phil., Akademischer Rat am Deutschen Seminar der Universität Hanno- ver; Forschungsschwerpunkte: Beziehungen von Literatur und Philologie, europäischer Kulturtransfer, Aufklärung, Antikerezeption; zuletzt erschienen: „Das Orakel der Deisten“. Shaftesbury und die deutsche Aufklärung (2008), Ifflands Dramen. Ein Lexikon (2009, zus. m. A. Košenina). SEBASTIAN DONAT Geb.: 1964; Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Leopold-Franzens- Universität Innsbruck. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: Theorie und Ge- schichte der literarischen Übersetzung, Intermedialität (vor allem Literatur-Film), Intertextua- lität, Metriktheorie und Angewandte Metrik, Literaturtheorie (Schwerpunkte Strukturalismus und Formalismus), Theorie und Geschichte literarischer Gattungen und Schreibweisen (Ab- surde, Groteske, Parodie), Transnationale Literaturbeziehungen (insbesondere zwischen rus- sischer und deutschsprachiger Literatur); zuletzt erschienen: Roman Jakobson: Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie....

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