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Wie Kinder ein Bilderbuch verstehen

Eine empirische Studie zur Entwicklung des Textverstehens- Schulsynode

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Inge Rychener

Viele Jugendliche haben Schwierigkeiten, einen gelesenen Text zu verstehen – so bestätigt es auch die Pisa Studie 2009. Allen im Bildungsbereich Tätigen ist bewusst, dass sie das Textverstehen bereits bei jungen Kindern aktiv und gezielt fördern sollten. Dabei stellen sich folgende Fragen: Wo kann diese Unterstützung beginnen? Wie versteht ein Kind überhaupt einen Text? Wie sollen Lehrende eine Förderung sinnvoll strukturieren?
Diese Studie analysiert den Entwicklungsstand des Textverstehens von Lernenden der zweiten Primarklasse (4. Bildungsjahr). Der komplexe Prozess des Textverstehens lässt sich dabei in fünf Gruppen von Operationen zusammenfassen. Diese Gruppen ermöglichen es, Textverstehen an lehr- und lernbaren Kriterien festzumachen. Die Autorin untersucht anhand eines Bilderbuches, wie weit die Operationen und deren Zusammenspiel bei Kindern entwickelt sind. Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur umfassenden Förderung des Textverstehens von jungen Kindern: Lehrpersonen erhalten ein Instrument, welches ihnen erlaubt, das Textverstehen bei Kindern bereits ab dem frühen Vorlese- und Lesealter gezielt zu fördern.

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10. Auswertung der zweiten Verstehensdimension ‚Vorstellungen aktivieren’ 153

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153 10. Auswertung der zweiten Verstehensdimension ‚Vorstellungen aktivieren’ Vorstellungen sind eng dem Text verhaftete innere Bilder, die beim Hören oder Lesen eines Wortes / Satzes entstehen. Sie basieren auf Konventionen und individuellen Erfahrungen. Sie sind räumlich, akustisch oder / und zeitlich und beschränken sich auf das Wesentliche einer Aussage. Der Rezipient konstruiert die Vorstellungsbilder aufgrund von gehörten / gelesenen Begriffen / Ausdrücken individuell. Die folgenden Fragen wurden den Kindern zu ihrem Vorstellungs- vermögen gestellt: 10. Was stellst du dir vor unter einem ‚Wald aus Meeresalgen’? 11. Was meinst du, wie sprechen Swimmy und die anderen Fische miteinander? 13. Was meinst du, wie und womit hat der Künstler dieses Bild gemacht? Den sprachlichen Bedeutungen, die im Rekodierungsprozess erschlos- sen werden, werden bildliche Repräsentationen in Form von Vorstel- lungen hinzugefügt. Diese Vorstellungen sind zu verstehen als räumlich und / oder zeitlich mehrdimensionale, akustische Bilder, die die sequentielle Linearität der Schrift überwinden; das heisst, die im Text gegebenen Informationen sind nun gleichzeitig und nicht mehr nacheinander angeordnet. Die ganzheitliche mehrdimensionale Vorstellung einer linearen Information ist eine Voraussetzung für das Verstehen eines Textes, da sie das Denken erleichtert (oder eventuell erst ermöglicht?). Die Vorstellung entsteht zwar, indem Text erfasst wird, selber ist sie aber nicht an Sprache gebunden. Deshalb bezeich- net Grzesik sie als „Funktion der ganzheitlichen statt der analytischen 154 Darstellung.“ (Grzesik, 2005, S. 234; Hervorhebung im Original). Die Vorstellungen, welche während der Rezeption eines Textes entstehen, werden einerseits...

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