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Jazz, pouvoir et subversion de 1919 à nos jours / Jazz, Macht und Subversion von 1919 bis heute

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Edited By Pascale Cohen-Avenel

Pour la première fois, un ouvrage scientifique étudie le jazz et ses relations avec le pouvoir dans plus de 6 pays francophones, germanophones et russophones. Il s’interroge sur la valeur subversive du jazz dans la quête identitaire de la jeunesse contestataire, sur son rôle dans la propagande d’Etat de l’Est comme de l’Ouest, et dans la définition de soi des élites et des artistes des années 1920 à nos jours. Résolument internationale, la perspective choisie est également pluridisciplinaire.
Diese Studie widmet sich als erste in diesem Gebiet dem Jazz und seinen Beziehungen zu den Machthabern der jeweiligen Staaten. Der Fokus liegt auf verschiedenen deutsch-, französisch- sowie russischsprachigen europäischen Ländern. Untersucht wird, wie subversiv der Jazz in der Identitätssuche der Jugend wirkt, sowie seine Rolle in der staatlichen Propaganda, und in der Selbstdefinition der Eliten und der Künstler von den 1920er Jahren bis heute. Die Perspektive dieses Buches ist sowohl international wie interdisziplinär.
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En préambule

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REINHOLD WAGNLEITNER

Als der sowjetische Diktator Josef Stalin 1949, wieder einmal, rigoros gegen den Jazz durchgreifen ließ, war die Welt nicht wenig erstaunt, gleichzeitig zu hören, dass der Jazz tatsächlich in der Sowjetunion erfunden worden war.1 Viele Musiker im Westen reagierten amüsiert. Aber sie hatten keine Ahnung über die Hintergründe dieser scheinbar unverschämten Anmaßung. Denn sie kam nicht etwa von einem kommunistischen Apparatschik, sondern vom respektablen Jazz-Star Leonid Osipovich Utesov. Vielleicht hätte sich der westliche Hohn ein wenig gedämpfter geäußert, hätte man verstanden, dass Leonid Osipovich, als jüdischer Jazzkünstler nur verhindern wollte, nach Sibirien geschickt zu werden. Viele Musiker kamen damals hinter Gitter. Der öffentliche Gebrauch des Wortes ДЖАЗЗ (Jazz) wurde verboten: Alle Saxophone wurden konfisziert, und die Musiker wurden (klarerweise vergeblich) als Oboisten oder Fagottisten eingeteilt. Akkorde mit verminderten Quinten, Blue Notes sowie das Vibrato von Blasinstrumenten wurden untersagt (wie früher im nationalsozialistischen Deutschland). Selbstverständlich gab es auch in diesem Fall eine ausgleichende Gerechtigkeit: wegen der sowjetischen Okkupation der DDR brachten viele Soldaten der Roten Armee Jazzplatten vom Schwarzmarkt zurück in die Sowjetunion.

Zumindest die russische Öffentlichkeit hatte Verständnis für diese dialektische Provokation der stalinistischen Kulturkrieger: ihr war klar, dass Utesovs unwahrscheinliche Behauptung wenigstens mit einigen Fakten untermauert werden konnte. Leonid Osipovich hatte, ← 9 | 10 → wie viele andere Jazzmusiker, seine Karriere in Odessa gestartet. Und diese Hafenstadt am Schwarzen Meer hatte viele Ähnlichkeiten mit New Orleans. Auf Grund...

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