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Zwischen Liebe, Verständigung und Hass: Die Darstellung religiöser Konflikte in der Literatur Galiziens (1848–1914)

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Lyubomyr Borakovskyy

Das Buch bringt religiöse Konflikte in der galizischen Literatur zur Darstellung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse von literarischen Werken, die zwischen 1848 und 1914 entstanden, als Galizien noch «österreichisch» und durch eine große ethnisch-konfessionelle Vielfalt geprägt war. Zugleich stellt die Studie den Versuch dar, die literarische Deutung konfessioneller Beziehungen zwischen der römisch-katholischen, griechisch-katholischen und jüdischen Bevölkerung in Galizien unter Berücksichtigung ästhetisch-ideologischer und nationaler Perspektiven zu erforschen. Aus diesem Grund erfolgen Analysen deutschsprachiger, ukrainischer und polnischer Werke von Autoren mit unterschiedlichem ethnisch-konfessionellem Hintergrund.

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5 Spannungsverhältnisse zwischen der jüdischen Orthodoxie und dem aufklärerischen Rationalismus in der Literatur Galiziens

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5  Spannungsverhältnisse zwischen der jüdischen Orthodoxie und dem aufklärerischen Rationalismus in der Literatur Galiziens

Eine weitere Tugend des jüdischen Stammes, welche derselbe aus seinen ältesten Wohnsitzen mitgebracht und unter allen Verhältnissen bewahrt hat, ist die Achtung vor dem Geiste und dem Wissen. […] Mit dieser Achtung vor dem Geiste, vor dem Wissen geht Hand in Hand die Liebe zur Freiheit und zum Fortschritt.1

Diese der Erzählung Israel von Leopold von Sacher-Masoch entnommene Stelle soll das Motiv der Hochachtung und Verehrung des Wissens durch die Juden veranschaulichen. Dass der Autor dabei zu einer Verallgemeinerung neigt, zeigt sich an der Nennung des Fortschritts und dem Umgehen der religiösen Komponente. Denn für einen religiös traditionellen Juden war es nur das religiöse Wissen, das geachtet werden musste, während säkulare Kenntnisse diesen untergeordnet und vor allem nach dem Prinzip ihrer Brauchbarkeit für existenzielle Bedürfnisse gewertet wurden.2 Die damit verbundene Diskrepanz zwischen zwei verschiedenen Wissenszugängen – die Trennung zwischen religiös korrektem und religiös widrigem Wissen, ist eines der Zentralmotive bei der literarischen Darstellung von Konflikten innerhalb des orthodoxen jüdischen Milieus.

Das literarische Motiv eines religiösen Konflikts, der aus dem Verstoß eines Protagonisten gegen das religiöse Gesetz infolge seiner wissenschaftlichen, meist autodidaktischen Tätigkeit entsteht, hat seine historischen Voraussetzungen. Dieser Konflikt ist vor allem mit der Durchsetzung der Ideen der Haskala – der von Moses Mendelsohn verkündeten jüdischen Aufklärung – verbunden, wie...

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