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Mehrdeutigkeit übersetzen

Englische und französische Kinderliteraturklassiker der Nachkriegszeit in deutscher Übertragung

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Agnes Blümer

Viele englisch- und französischsprachige Kinderliteraturklassiker waren an Erwachsene und Kinder zugleich gerichtet, was in den Ausgangskulturen für selbstverständlich gehalten wurde. Galt dies auch noch für ihre Übertragung ins Deutsche? Agnes Blümer unterzieht sechs Klassiker der kinderliterarischen Phantastik der Nachkriegszeit sowie ihre Übersetzungen einer eingehenden literatur- und übersetzungswissenschaftlichen Analyse: «The Borrowers», «Tom’s Midnight Garden», «Tistou les pouces verts», «A Wrinkle in Time», «Where the Wild Things Are» und «Conte numéro 1». Im vorangestellten Theorieteil legt sie den Stand der Mehrdeutigkeits- und Übersetzungsforschung dar. Einen weiteren Bezugspunkt bilden Theoriediskurse der 1950er- und 1960er-Jahre und deren Einfluss auf die damalige Übersetzungspraxis.

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Schluss

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Fazit: Die Übersetzungen der 1950er- und 1960er-Jahre

In den Übersetzungen der 1950er- und 1960er-Jahre wurden zusätzliche Bedeutungsebenen für erfahrene Leserinnen und Leser getilgt – das war meine Annahme vor Beginn dieser Arbeit, und ein solches Vorgehen war bereits in mehreren Übersetzungsvergleichen diagnostiziert und schon fast als eine Gesetzmäßigkeit kinderliterarischen Übersetzens etabliert worden. Die literaturgeschichtlichen Gegebenheiten des deutschsprachigen Raums sprechen dafür: Die von der Theorie des ‚guten Jugendbuchs‘ als wenig kindgemäß angesehene Mehrdeutigkeit kinderliterarischer Texte wurde vor allem der englischen phantastischen Kinderliteratur attestiert. Man könnte also davon ausgehen, dass fremdsprachige phantastische Erzählungen während der 1950er- und 1960er-Jahre in diesem Geist dezidiert als Kinderliteratur für eine bestimmte Altersgruppe ins Deutsche übersetzt wurden. Hinzu kommt, dass kinderliterarische Texte noch lange mit Strukturen des Märchens erklärt wurden. Daraus ergab sich für die Übersetzung innovativer phantastischer Texte aus dem englisch- und französischsprachigen Ausland eine Hürde: Die dort positiv aufgenommenen Texte wurden in eine Kultur übersetzt, die nicht auf sie vorbereitet war. Die Vermutung lag also nahe, dass die phantastischen Texte an die Zielkultur Deutschland und ihre Vorstellung von kindgemäßen nicht-realistischen Texte angepasst werden würden, dass Shifts gemäß dieser genannten Normen in den Zieltexten zu finden sein würden.

Dies hat sich im Rahmen der vorliegenden Untersuchung bestätigt – jedenfalls teilweise: Die Fallstudien zu Übersetzungen von sechs doppelsinnigen phantastischen Texten in den 1950er- und 1960er-Jahren zeigen, dass nicht alle Übersetzungen invariant in Bezug auf die Leserrollen...

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