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Literaturwissenschaftliche Aufbaujahre

Beiträge zur Gründung und Formation der Literaturwissenschaft am Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum – ein germanistikgeschichtliches Forschungsprojekt

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Carsten Zelle

Der Band ist ein Beitrag zur Germanistikgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Er rekonstruiert die Gründung und Formation der Literaturwissenschaft am Germanistischen Institut der 1965 eröffneten Ruhr-Universität Bochum. Vorgestellt werden die ›Gründungsprofessoren‹ Ingrid Strohschneider-Kohrs – erste germanistische Lehrstuhlinhaberin der BRD –, Hans Joachim Schrimpf, Klaus Günther Just und Paul Gerhard Klussmann. Weitere Beiträge gelten der Bochumer Neugermanistik in der Studentenbewegung, ihrem Ausbau bis Mitte der 80er Jahre mit Komparatistik, Literaturdidaktik und Sozialgeschichte sowie prägenden Sammlungen und Institutionen. Verzeichnisse der Schriften, Lehrveranstaltungen und Doktoranden sowie maßstabsetzende Aufsätze der frühen Bochumer Neugermanisten werden dokumentiert.

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Wissenschaft und Kunst der Interpretation

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Vorbemerkung: Carsten Zelle

Der späte Aufsatz von Paul Gerhard Klussmann, lange Jahre nach der Emeritierung 1988 publiziert, entstand im Zusammenhang mit dem ersten Turnus (2001–2003) des Promotionskollegs Ost-West, das Karl Eimermacher, Leiter des Lotman-Instituts für russische und sowjetische Kultur, und Klussmann, damaliger Direktor des Instituts für Deutschlandforschung (IfD), mit Hilfe von Stifterverband und Volkswagenstiftung gegründet hatten. Mit seinem provokanten Rückbezug auf die hermeneutische Tradition, namentlich die von Emil Staiger im Anschluß an Dilthey und Heidegger herausgestellte ›Kunst der Interpretation‹ – die Formel selbst geht auf Diltheys Aufsatz »Die Entstehung der Hermeneutik« (1900) zurück, in dem das Verstehen als genuines Verfahren der Geisteswissenschaften dem Experiment der Naturwissenschaften gegenübergestellt wurde – zielte Klussmann darauf, die ästhetische Erfahrung gegenüber jenen Theoriegebäuden und Gewährsmännern, denen sich die Kollegiaten bei ihren Arbeitsvorhaben verpflichtet fühlten, stark zu machen und an jene Dimension ästhetischen Ergriffenwerdens zu erinnern, das der wissenschaftlichen Begriffsarbeit an literarischen Werken vorausliegt.1

Der Aufsatz gliedert sich in zwei Teile. In einem ersten Teil wird die hermeneutische Theoriebildung seit dem 18. Jahrhundert, namentlich seit Schleiermacher, der der Textauslegung mit den ineinandergreifenden Operationen von grammatischer und technisch-psychologischer Interpretation eine philosophisch begründete, feste methodologische Grundlage verschafft hatte, verfolgt und mit den Namen Dilthey, Heidegger und Gadamer bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fortgeführt. Der zweite Teil des Textes gilt der Rekapitulation von Staigers »Theoriekonzept der Interpretation« (Originalpag., 47), wie es in dessen Vortrag »Die Kunst...

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