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Bühne und Bürgertum

Das Hamburger Stadttheater (1770–1850)

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Bernhard Jahn and Claudia Maurer Zenck

Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung, die im März 2015 in Hamburg stattfand und das Hamburger Stadttheater (1770–1850) zum Thema hatte. Im Mittelpunkt der ersten Sektion steht die Frage nach dem spezifischen Profil des Hamburger Stadttheaters, die durch Vergleiche mit anderen Stadt- und Hoftheatern der Zeit perspektiviert wird. Aspekte der Spielplangestaltung, der Repertoirebildung und der dabei verwendeten Gattungen des Sprech- und Musiktheaters bilden das Thema der zweiten Sektion. Die Beiträge des dritten Teils widmen sich den Akteuren des Hamburger Theaters sowie den Austauschprozessen zwischen Bühne, Theaterpublikum und Presse. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Kanonbildung am Beispiel von Shakespeare-, Lessing- und Beaumarchais-Aufführungen.

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Niederdeutsch in den Dramen des Hamburger Stadttheaters und als Alltagssprache um 1800

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Vom achtzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert wird in der städtischen Alltagskommunikation Hamburgs eine funktionale Verschiebung zwischen Niederdeutsch und Hochdeutsch deutlich, die mit einem Wandel der Sprachgebrauchssituationen ebenso einhergeht wie mit sich verändernden sprachlichen Bewertungen. Das Niederdeutsche, um 1750 noch als Familiensprache in allen gesellschaftlichen Schichten verwendet, wurde zunehmend marginalisiert, während sich das mit einem höheren Prestige versehene Hochdeutsche mehr und mehr als gesprochene Sprache durchsetzte.1 Um 1800 war zudem Missingsch, eine regionale Form des Hochdeutschen mit niederdeutschen Substratformen, als relevante sprechsprachliche Varietät neben einer schriftnahen mündlichen Realisierung im Alltag wahrnehmbar.2

Einzelheiten zu diesem variativen Spektrum in der Hamburger Stadtsprache um 1800 sind bisher kaum erforscht, insbesondere im Bereich der gesprochenen Sprache, der für Niederdeutsch und Missingsch wesentlichen medialen Domäne. Auch über die Verwendung regionaler Varietäten auf den Hamburger Bühnen ist wenig bekannt.3 Aber gerade angesichts der spärlichen schriftlichen Über←195 | 196→lieferung regionaler Formen können die Texte der Hamburger Theaterstücke zur Erkundung der mündlichen Sprachlandschaft wichtige Aufschlüsse liefern. Denn auch wenn es sich um eine fingierte Mündlichkeit handelt, repräsentieren die Schauspiele eine performative Praxis, die tatsächlich zum zeitgenössischen mündlichen Sprachaufkommen gehörte. Die Theaterstücke sind ebenfalls dafür geeignet, Einstellungen4 gegenüber Niederdeutsch und Missingsch zu erhellen, da in ihnen das Wissen über die Sprachverwendung und auch die Bewertung der einzelnen Varietäten durch die sprachliche Gestaltung der verschiedenen Rollen zum Ausdruck kommen.

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