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Der Anspruch auf Auskunft über die Identität der eigenen genetischen Eltern

Ein Rechtsvergleich für Deutschland und Österreich

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Tania Majercik

Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die Rechtsfragen und einschlägigen nationalen sowie internationalen Rechtsquellen im Zusammenhang mit Ansprüchen auf Auskunft über die Identität der eigenen biologischen Eltern. Die Autorin stellt dabei die Rechtsordnungen von Österreich und Deutschland gegenüber. Sie erläutert die Existenz und Reichweite des Grund- und Menschenrechts auf Kenntnis der eigenen Abstammung und die familienrechtlichen Regelungen zur rechtlichen Abstammung. Sie untersucht, ob Personen, die ihre eigene leibliche Abstammung nicht kennen, Ansprüche auf Auskunft über die Identität der eigenen genetischen Eltern haben. Die Autorin bildet dabei vier Fallgruppen: Kinder ohne rechtliche väterliche Abstammung, Kinder mit Scheineltern, Adoptivkinder und Fälle der Fortpflanzungsmedizin.

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Kapitel 2: Kenntnis und Zuordnung

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Sowohl bei der Diskussion über die Existenz, den Umfang sowie die Beschränkbarkeit eines Grundrechts auf Kenntnis der eigenen Abstammung als auch im Kontext familienrechtlicher Abhandlungen wird die Erlangung der Kenntnis von der eigenen Abstammung nicht selten als „Problem“ mit unmittelbaren Auswirkungen auf die rechtliche Zuordnung des Kindes zu seinen rechtlichen Eltern wahrgenommen. Der Anspruch auf Kenntnis der leiblichen Eltern wird dabei häufig vermengt mit der Möglichkeit einer Korrektur der rechtlichen Eltern-Kind-Zuordnung.

So empfindet Weyrauch das Fehlen von Anfechtbarkeit und Feststellung der Mutterschaft im deutschen Recht als Wertungswiderspruch zum Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung und kritisiert zu Unrecht den sehr wohl differenzierenden Gesetzgeber.455 Auch Balz formuliert: Das scheineheliche Kind „kann unter bestimmten Umständen seine Ehelichkeit anfechten und seine biologische Abstammung feststellen lassen. Damit übt es nicht nur sein Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung aus, sondern erwirbt auch erhebliche geldwerte Vorteile.“456 Desgleichen begründet Rauscher die Sittenwidrigkeit von Vereinbarungen der leiblichen Eltern über das Unterlassen einer Vaterschaftsfeststellung zur rechtlichen Etablierung der leiblichen Abstammung mit einem Verstoß gegen das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung.457 Bernat dagegen erkennt richtig: „[E]s ist eines, ein Recht auf Herstellung des väterlichen Kindschaftsverhältnisses einzuräumen, ein anderes jedoch, einen durchsetzbaren Anspruch auf Benennung des biologischen Vaters zuzubilligen.“458 Richtigerweise schließt auch das geltende Statusrecht ein Kenntnisrecht nicht aus,459 zumal ein verfassungsrechtlich zu begründendes Kenntnisrecht nicht durch den Widerspruch mit einfachem Recht beseitigt wird.460 Indem Koch dem BVerfG wegen dessen Best...

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