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Begriffene Geschichte – Geschichte begreifen

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Edited By Holger Thünemann, Jürgen Elvert, Christine Gundermann and Wolfgang Hasberg

Wer Geschichte in ihrem Wesen begriffen hat, der weiß, dass der Gegenwart immer eine Zukunft, dass dem Heute immer ein Morgen folgt. Jörn Rüsen hat sich mit dem einmal Erreichten nie zufrieden gegeben, sondern hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten seit seiner Promotion an der Universität zu Köln immer wieder zentrale wissenschaftliche Beiträge zum besseren Begreifen der Geschichte vorgelegt. Weggefährten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, die seinen Weg weiter verfolgen, knüpfen in diesem Band an Rüsens Œuvre an und setzen sich mit seinen geschichtstheoretischen, geschichtsdidaktischen und kulturwissenschaftlichen Positionen produktiv auseinander.

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Jörn Rüsen als Geschichtstheoretiker, Geschichtsdidaktiker und Kulturwissenschaftler – transnationale und interdisziplinäre Perspektiven

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Abstract Approaching Jörn Rüsen’s work from the perspectives of Polish scientific discourses, the formation phase of German history didactics as well as cultural studies, this essay highlights his significant role in overcoming national and disciplinary boundaries in the fields of theory of history, didactics of history and cultural studies.

1. Einleitung

Jörn Rüsen ist ein Brückenbauer. Er überschreitet nationale und disziplinäre Grenzen, seine Erkenntnisinteressen sind historischer und philosophischer Natur, er versteht sich – seine berufsbiographischen Stationen und wissenschaftlichen Funktionen zeigen das auf eindrückliche Weise – als Geschichtstheoretiker, Geschichtsdidaktiker und Kulturwissenschaftler gleichermaßen. Angesichts dessen ist es wenig überraschend, dass sein Oeuvre weltweit rezipiert und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Im Folgenden nähern wir uns der Bedeutung dieses Brückenbauers in einem dreifachen Zugriff: zunächst aus der Perspektive polnischer Wissenschaftsdiskurse, für die Jörn Rüsen neuerdings durch eine polnische Edition einiger seiner zentraler Schriften besser erschließbar ist,1 dann im Kontext der Konstitutionsphase der deutschen Geschichtsdidaktik, die Rüsen bis heute maßgeblich beeinflusst, und schließlich aus kulturwissenschaftlicher Sicht.2 ← 149 | 150 →

2. Geschichtstheorie und Geschichtsdidaktik in Polen

Theoretische Reflexionen zur Praxis historischer Forschung haben unter polnischen Historikern – trotz unbezweifelbarer Errungenschaften auf diesem Wissensgebiet – immer noch erklärte Gegner. Die These von der Überlegenheit traditioneller Quellenkritik gegenüber theoriegestützten oder auf analytischen Kategorien basierenden Forschungen ist nach wie vor weit verbreitet, obgleich diese These auf einer relativ schlichten Dichotomie beruht....

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