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Literaturübersetzen

Ästhetik und Praxis

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Rainer Kohlmayer

Das Buch erläutert die Ästhetik des Literaturübersetzens, wie sie seit dem 18. Jahrhundert praktiziert wird. Sie beruht auf den Prinzipien der Subjektivität, Linearität und Oralität, die in Novalis’ Begriff der «schriftlichen Stimme» konvergieren. Der Weg zur lebendigen rhetorischen Schriftlichkeit des Übersetzens beginnt bei Leonardo Bruni und führt über Luthers Bibel zur performativen Übersetzung Herders, die von A. W. Schlegel bis in die Gegenwart das Gutenberg-Zeitalter prägt. Am Beispiel der Dialektübersetzung wird auch die elastische Grenze der (Un)Übersetzbarkeit untersucht. Der zweite Teil behandelt exemplarisch die Übersetzung von Drama, Narrativik und Lyrik. Der dritte Teil feiert das narzisstische Vergnügen, das mit der Kunstform des literarischen Übersetzens einhergeht.

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III. Teil. Heiterer Epilog

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Abstract: The third part of the book pays tribute to the enjoyable side of the art of translating. The ninth chapter crosses the thin line between paraphrasing and parodying in order to arrive at the pure fun of autonomous creation. The tenth chapter delves into the subconscious source of all forms of art. The translation of a scene from Corneille’s great ironical comedy L’ILLUSION COMIQUE is presented both as a beautiful example of (as well as a hilarious poetic exorcism of) over-sized male narcissism.

Ein großes Maß an Gelehrsamkeit, sprich Wissenschaft, gehört als ständiger pedantischer Begleiter zur gelehrten Tätigkeit des Literaturübersetzens dazu. Aber auch ein gewisses Maß an Kunst, und das bedeutet eine erwartbare Unvorhersehbarkeit, eine ungewöhnliche geistige Freiheit, eine Abneigung gegen Klischees und Berechenbarkeit, die letzten Endes alle drei auf den in jeder künstlerischen Subjektivität mitenthaltenen, brodelnden Narzissmus zurückzuführen sind. Daher folgt auf die Theorie des I. Teils und die Anwendungen des II. Teils jetzt noch ein kurzer und heiterer III. Teil, der dem narzisstischen Vergnügen des literarischen Übersetzens gewidmet ist.90←187 | 188→ ←188 | 189→

90 Denn ohne das Vergnügen, das Literatur und Sprachkunst bereiten können, lässt sich kaum erklären, weshalb gebildete Menschen einen Beruf ausüben wollen, dessen „Durchschnittseinkommen […] bei 1500 Euro im Monat“ liegt, wie der zum Vorstand des VDÜ gehörende Hinrich Schmidt-Henkel ausgerechnet hat. „Das Übersetzen gehört bekanntlich zu den freudvollsten, nicht aber...

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