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Perspektivenvielfalt im Literaturunterricht

Theoretische und qualitativ-empirische Untersuchungen zu einem didaktischen Prinzip

Katja Siepmann

Die Vielfalt der Welt muss im zeitgemäßen Unterricht widergespiegelt und reflektiert werden. Derjenige, der sich auf die Komplexität postmoderner Gesellschaften einlässt, macht Erfahrungen, die produktiv auszuhalten sind. Hier setzt die qualitativ-empirische Studie zu dem allgemeindidaktischen Prinzip der Perspektivenvielfalt an und untersucht sowohl dessen theoretische als auch empirische Relevanz. Die Untersuchung der Bedeutung für die Lehrkräfte und die Umsetzung in der Unterrichtsgestaltung stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Der exemplarisch gewählte Literaturunterricht im Fach Deutsch bietet eine geeignete Gelegenheit für den Umgang mit Ambivalenz, Kontingenz und Vielfalt im Kontext eines Bildungsverständnisses, das Perspektivenwechsel, Diskursivität und Identitätsbildung betont.

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Einleitung

Einleitung

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Betrachtet man neuere Beschreibungen [post]moderner Gesellschaften als Netzwerkgesellschaft, Wissensgesellschaft […], dann ist all diesen Diagnosen gemeinsam, dass von einem die Gesellschaften normativ integrierenden Konsens nicht länger fraglos ausgegangen werden kann. Vielmehr scheinen die zeitgenössischen Gesellschaften von unterschiedlichen – mitunter auch ganz gegenläufigen – Prozessen geprägt, wie beispielsweise die Prozesse der Globalisierung versus der Fragmentierung oder Pluralisierung versus Re-ethnisierung etc., die es ihren Mitgliedern zunehmend schwer machen, eine [Hervorhebung im Original] eindeutige, konzise und dauerhaft gültige Perspektive auf die Welt zu entwickeln (Besand 2005, S. 189).

In dieser Äußerung von Anja Besand rückt das Thema der Perspektivenvielfalt in das Spannungsfeld der aktuellen gesellschaftlichen Prozesse einer postmodernen Gesellschaft. Nach Dederich (2002, S. 2) ist der Begriff ‚Postmoderne‘ eine „Chiffre für vielfältige Veränderungsprozesse, die zu einer Freisetzung […] von Möglichkeiten und Entwicklungstendenzen führen, die in der Moderne selbst angelegt sind.“ Postmoderne meint einen „Zugewinn an Freiheiten“, die „Öffnung spezifischer Verengungen […] der Moderne“ (Dederich 2002, S. 1) und die Auflösung alter Sicherheiten. Lyotard (2009, S. 99) zufolge ist die postmoderne Kultur durch das Ende der vereinheitlichenden Tendenzen der Moderne gekennzeichnet, in welcher zentrale Perspektiven einen sinnstiftenden Blick auf das Ganze ermöglichten und damit eine politische wie gesellschaftliche Richtung vorgaben. Die herkömmlichen Legitimationswege seien nicht mehr gebräuchlich und ein universeller Konsens im Sinne einer „große[n]; Erzählung“ (Lyotard 2009, S. 99) sei in der Postmoderne nicht mehr vorhanden (siehe auch Reichenbach 2007, S. 218ff.; Ferchhoff 2011, S. 81)...

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