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Teilhabe braucht Rehabilitation

Blicke zurück in die Zukunft

Edited By Helga Seel

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) ist der Zusammenschluss der Rehabilitationsträger. Seit 1969 fördert sie im gegliederten Sozialleistungssystem die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die BAR koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger, vermittelt Wissen und arbeitet mit an der Weiterentwicklung von Rehabilitation und Teilhabe. Ihre Mitglieder sind die Träger der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesländer, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Sozialpartner.

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Fünf Jahrzehnte Zusammenarbeit: BAR als „Denkfabrik“ für gemeinsame Lösungen

Fünf Jahrzehnte Zusammenarbeit: BAR als „Denkfabrik“ für gemeinsame Lösungen

von Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender AOK-Bundesverband

Rehabilitation und Teilhabe als ganzheitlichen Prozess gestalten – das ist das gemeinsame Ziel aller Reha-Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, der Unfallversicherung und der Rentenversicherung sowie der Sozialpartner. Um dieses Ziel zu erreichen, sind eine trägerübergreifende Zusammenarbeit und Kommunikation unabdingbar. Die zentrale Plattform für den Austausch und für die Zusammenarbeit der Rehabilitationsträger im gegliederten System der sozialen Sicherung ist die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR).

Die größte Herausforderung für die BAR ist aktuell die Umsetzung des Ende 2016 vom Bundestag verabschiedeten Bundesteilhabegesetzes (BTHG). Das Gesetz soll die UN-Behindertenrechtskonvention in nationales deutsches Recht überführen, indem es mehr Möglichkeiten der Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen schafft. Das BTHG hat grundlegende Änderungen bei den Leistungen für diese Menschen, beim Zugang zu den Leistungen sowie bei den damit verbundenen Verfahren notwendig gemacht.

Die erforderliche Neuordnung des Sozialgesetzbuches erfolgte Anfang 2018. Sie wird mit der Integration der Eingliederungshilfe in das neunte Sozialgesetzbuch bis zum Jahr 2020 weiter umgesetzt. Unter dem Dach der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation erfolgt der dazu notwendige interdisziplinäre Austausch zwischen den Trägern der Rentenversicherung, der Unfallversicherung, der Bundesagentur für Arbeit, der gesetzlichen Krankenversicherung, der Kriegsopferversorgung – und fürsorge, der öffentlichen Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe. Die AOK-Gemeinschaft engagiert sich hier in verschiedenen Gremien und schätzt den Austausch in den Arbeitsgruppen, der zu Transparenz zwischen den verschiedenen Trägern führt. Durch die beteiligten Ländervertreter wird die im Gesetz verankerte komplexe Aufgabe der gemeinsamen Befassung und Konsensfindung in Gemeinsamen Empfehlungen für verschiedene Versorgungsregionen ermöglicht.

Eine große Stärke der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation ist es, dass sie den Trägern der Rehabilitation und Teilhabe eine sektorübergreifende Sichtweise ermöglicht. Diese Sichtweise führt zu sachgerechten Entscheidungen, die für alle Beteiligten passen. Sichtbar wurde ein gutes Zusammenspiel zum Beispiel bei der Erarbeitung der Gemeinsamen Empfehlung zur Gestaltung ←167 | 168→des Reha-Prozesses. Die AOK-Gemeinschaft nahm darin die Aufgabe wahr, in Zusammenarbeit mit dem GKV-Spitzenverband die für eine Krankenkasse spezifischen praktischen Anforderungen an Zuständigkeitsklärung, Bedarfserkennung und Teilhabeplanung einzubringen. Im Einvernehmen mit den anderen Trägern konnten daraufhin tragfähige Lösungen konsentiert werden.

Die AOKs unterstützen zudem die notwendige Weiterentwicklung von trägerübergreifenden Qualitätskriterien. Ein wichtiger Baustein im sektorübergreifenden Versorgungsgeschehen ist zum Beispiel das Entlassmanagement, mit dem die Qualität der Versorgung für die Betroffenen deutlich verbessert werden kann. Die AOK-Gemeinschaft setzt sich für eine qualitätsorientierte Versorgung ein, in der die akutstationäre Krankenhausbehandlung enger mit der Anschlussrehabilitation verzahnt wird. In einer Gemeinsamen Empfehlung wurden Standards für die Bedarfsprüfung festgelegt. Sie können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die akutstationäre Fehlversorgung von geriatrischen oder traumatologischen Patienten zu korrigieren und existierende Versorgungslücken zu schließen. Dazu ist der Schulterschluss aller Träger notwendig. Denn bislang gelingt es nicht immer, die Versorgungsziele der Rehabilitation für Patienten zu erreichen, die in Pflegeheimen oder in der häuslichen Umgebung pflegerisch versorgt werden. Gerade Patienten mit bestehenden oder sich abzeichnenden Pflegebedarfen nutzen zu selten zielgerichtet Rehabilitationsleistungen – mit der Folge von hohen Kosten für Anschlussbehandlungen.

Neben den bundesweiten Regelungen ermöglicht es die regionale Verankerung der AOKs in besonderer Weise, neue Wege der Rehabilitation zu beschreiten, um die Versorgung der Versicherten zu verbessern. So erprobt beispielsweise die AOK Baden-Württemberg ein neues Konzept für die rehabilitative Kurzzeitpflege im stationären Umfeld für Versicherte mit und ohne bestehende Pflegebedürftigkeit. Es handelt sich um ein trägerübergreifendes Versorgungsmodell der Pflege-, Kranken- und Rentenversicherung. Dabei werden Leistungsinhalte der stationären Kurzzeitpflege um rehabilitative Maßnahmen ergänzt und im Setting der Rehabilitation erbracht. Ziele sind die Erhöhung der Rehabilitationsfähigkeit nach einem Akutaufenthalt sowie die Verringerung oder Vermeidung eines Pflegegrades.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation hat sich über fünf Jahrzehnte als eine Art übergreifende „Denkfabrik“ für alle Träger der Rehabilitation und Teilhabe bewährt, die zu sachgerechten Lösungen für die Versicherten führt. Die Empfehlungen und Arbeitshilfen der BAR sind wertvolle Leitplanken für das praktische Handeln der Akteure der Rehabilitation und Teilhabe. Mit dem Ziel, die trägerübergreifende Versorgung zu optimieren, wird die AOK auch zukünftig die Zusammenarbeit unter dem Dach der BAR fördern und fordern.

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