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Teilhabe braucht Rehabilitation

Blicke zurück in die Zukunft

Edited By Helga Seel

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) ist der Zusammenschluss der Rehabilitationsträger. Seit 1969 fördert sie im gegliederten Sozialleistungssystem die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die BAR koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger, vermittelt Wissen und arbeitet mit an der Weiterentwicklung von Rehabilitation und Teilhabe. Ihre Mitglieder sind die Träger der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesländer, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Sozialpartner.

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Der Sachverständigenrat der Ärzteschaft der BAR – Wirkung nach innen und außen

Der Sachverständigenrat der Ärzteschaft der BAR – Wirkung nach innen und außen

von Prof. Dr. Wolfgang Seger, Vorsitzender Sachverständigenrat der Ärzteschaft der BAR

Rehabilitationsleistungen werden für behinderte und von Behinderung bedrohte Personen erbracht, um ihre Selbstbestimmung und ihre volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken. Der Behinderungsbegriff des SGB IX setzt unter anderem voraus, dass die körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Für das Erkennen, die Durchführung sowie Nachsorge insbesondere medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen ist somit ärztliche Kompetenz unerlässlich. Ärzte sind oft die ersten professionellen Akteure, die einen möglichen Bedarf an Leistungen zur Teilhabe erkennen, über geeignete Leistungen beraten und die Betroffenen bei der Antragstellung von Teilhabeleistungen auf dem Weg zur Rehabilitation unterstützen. Mit dem Sachverständigenrat (SVR) der Ärzteschaft steht der BAR ein kompetentes ärztliches Expertengremium der verschiedensten Fachrichtungen und Funktionen zur Verfügung. Mitglieder des Sachverständigenrates der Ärzteschaft haben die BAR in ihrem 50-jährigen Bestehen bei der Ausgestaltung und Weiterentwicklung der rehabilitativen Versorgung fortlaufend beraten und unterstützt.

Hierzu stellte der SVR seine Expertise bei der trägerübergreifenden Entwicklung von Grundlagen für die Rehabilitation zur Verfügung, so beispielsweise für die Gemeinsame Empfehlung „Begutachtung nach trägerübergreifenden Grundsätzen“, zu den verschiedensten aktuellen Themen im Bereich der Rehabilitation und Teilhabe sowie zur Entwicklung von Praxisleitfäden der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit und Gesundheit (ICF) bis hin zur Erarbeitung grundsätzlicher Positionen mit Bedeutung für die Weiterentwicklung der Rehabilitation.

Dazu zählte auch die Verankerung eines nationalen Entwurfs der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention zur Systematik von personenbezogenen Faktoren der ICF in die Empfehlungen der BAR. Mit Blick auf die demographischen Herausforderungen wurde ein Grundsatzpapier zur Bedeutung von Multimorbidität für rehabilitationsbedürftige Menschen und ein Konzept ←183 | 184→für die Rehabilitation funktionell schwerstgeschädigter Versicherter, die längerfristig intensivpflichtig sind, erarbeitet. Es wurde eine Informationsbroschüre zu häufig gestellten Fragen zur sozialmedizinischen Begutachtung erstellt sowie eine zukunftsweisende Analyse zu Herausforderungen bei der Weiterentwicklung der Rehabilitation durchgeführt. Im Fokus standen dabei insbesondere der Erhalt beziehungsweise die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit auch für ältere Arbeitnehmer, die Stärkung von Autonomie und Selbstbestimmung nicht (mehr) erwerbsfähiger Menschen, die Rehabilitation als ganzheitlicher Prozess über die Grenzen der Versorgungsbereiche hinweg sowie der dringende Handlungsbedarf, vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse verstärkt zu nutzen und Rehabilitation in die Aus-, Fort- und Weiterbildung der professionellen Akteure angemessen zu integrieren. Immer wieder standen auch Überlegungen einer sach- und fachgerechten, pädagogisch und zielgruppenorientiert aufbereiteten Weiterbildung im Mittelpunkt. Besonderes Beispiel hierfür sind die Praxisleitfäden zur ICF für niedergelassene Ärzte, Personal an Rehabilitationskliniken und Krankenhäusern wie auch für in der beruflichen Rehabilitation tätige Akteure. Diese Aktivitäten hatten zugleich das Ziel, eine möglichst einheitliche Anwendung der Grundlagen der ICF zu fördern. Inzwischen sind die Praxisleitfäden in der zweiten Auflage erschienen und als gern in die Hand genommene und lebhaft nachgefragte Schulungsmaterialien nicht mehr wegzudenken.

Derzeit wird eine weitere Arbeitshilfe zur Erhebung von Kontextfaktoren erarbeitet, um deren Nutzung für die frühzeitige Erkennung und Feststellung von Teilhabebedarfen sach- und fachgerecht zu fördern. In die Diskussion im Gesetzgebungsverfahren zum Bundesteilhabegesetz hat sich der SVR mit einer vielbeachteten Stellungnahme zur sachgerechten Auswahl des leistungsberechtigten Personenkreises durch eine kompetente fachliche Orientierung am bio-psycho-sozialen Modell und der darauf gründenden ICF eingebracht. Mitglieder des SVR haben im Redaktionsteam zur Herausgabe des umfassenden und didaktisch modern aufbereiteten Wegweisers der BAR an einem aktuellen und vollständigen Überblick über alle Aspekte der Rehabilitation und Teilhabe wie auch als Autoren mitgearbeitet.

Mit den Fortschritten der Hochleistungsmedizin ist auch die Rehabilitationsmedizin einem Wandel unterworfen. So sind in den vergangen Jahren die Überlebenschancen nach Polytraumatisierung gestiegen. Die Anforderungen an eine nachfolgende Rehabilitation haben damit aber ebenfalls zugenommen, um nach komplexen Verletzungen trotz verbleibender psychischer und körperlicher Einschränkungen eine gute Lebensqualität, eine Rückkehr an den Arbeitsplatz und eine möglichst umfassende familiäre und gesellschaftliche Teilhabe anzustreben. Der SVR überprüft, welche Wege für eine Weiterentwicklung der ←184 | 185→Traumarehabilitation eingeschlagen werden müssen. Hochleistungsmedizin und Hochleistungsrehabilitation sind zwei Seiten der gleichen Medaille.

Die Anbindung der Mitglieder des SVR an sowohl verschiedene Sozialleistungsträger als auch an Wissenschaft und Praxis der rehabilitativen Versorgung sichert eine kompetente und am aktuellen Stand orientierte Beratung der BAR, ergänzt um die Hinzuziehung externer Experten je nach Beratungsgegenstand. Diese breit angelegte Expertise des SVR, ergänzt um persönliche Erfahrungen und Kompetenzen in Rehabilitationsfragen, aber auch kritische und gegebenenfalls divergente, transparente und ergebnisoffene Erörterungen, wird mit dem Ziel einer konsensualen trägerübergreifenden Ergebnisorientierung zum Wohle der Versicherten der Solidargemeinschaft eingesetzt.

Eine gegenseitige Information von Sachverständigenrat der Ärzteschaft und BAR über Entwicklungen im Bereich der Rehabilitation und Teilhabe sichert vor dem Hintergrund einer 50-jährigen produktiven Zusammenarbeit den Erfolg für weitere sach- und fachverständige sowie innovative Entwicklungsprojekte der zukünftigen rehabilitativen Versorgung.

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