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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

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Edited By Alexander Bierich, Thomas Bruns and Henrieke Stahl

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

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Blinde inmitten von sehenden Mauern: Vladimír Holans Dem Asklepios einen Hahn

Blinde inmitten von sehenden Mauern:

Vladimír Holans Dem Asklepios einen Hahn1

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Urs Heftrich (Heidelberg)

Form willst du, Form bloß, sie lenken, gelenkt… Doch es ist formlos: Urbild des Seins.

Wünsche ließ schwellen dein Atmen der Welt… Willst du zur Quelle, räume das Feld.

Voll willst du, voll sein an Skizzen, Getier… Gott aber passt schier ins Nichts nur hinein!

Vladimír Holan, 1939–1942

Der Philosoph Jan Patočka entwarf im Jahr 1967 eine skizzenhafte Interpretation dieses Gedichts, das Holan 1963 als Auftakt zu seiner Sammlung Ohne Titel veröffentlicht hatte. Mit scheinbar flüchtiger Hand schält Patočka hier aus einem einzigen Text Holans den Kern von dessen geistigem Werdegang. Aus einem „Dichter unermesslicher Virtuosität an Mitteln, Formen und Skizzen“ hat Holan sich im Lauf der Zeit zu einem „neuen Standpunkt“ emporgearbeitet, hat er sich „eine neue Tiefe und Höhe“ erschlossen.2 Von einem Anhänger der verspielten ←329 | 330→Avantgardebewegung des Poetismus im Alter von 25 Jahren zur poésie pure bekehrt, stand er noch bis in sein viertes Lebensjahrzehnt ganz im Bann der überbordenden eigenen Einbildungskraft, berauscht von der Kühnheit seiner Metaphern, die ihm den Ruf eines „großen dichterischen Zauberers“,3 eines „Nachtwandlers“4 und Hexenmeisters aus dem „Alchemistenlabor“5 eintrug.

Doch um „nicht mehr nur Metaphern, Bilder“ zum zentralen Geschehen seiner Texte zu machen, „vielmehr die Realität selbst“ (Patočka), musste Holan durch die traumatische Erfahrung zweier Diktaturen gehen. Erst während der Bedrohung durch Hitler-Deutschland (genau besehen,...

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