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DaZ-Unterricht an Schulen

Didaktische Grundlagen und methodische Zugänge

von Janek Scholz (Band-Herausgeber:in) Marvin Wassermann (Band-Herausgeber:in) Johanna Zahn (Band-Herausgeber:in)
©2020 Sammelband 394 Seiten

Zusammenfassung

Für eine erfolgreiche Integration in das deutsche Bildungssystem benötigen neuzugewanderte Kinder und Jugendliche eine gezielte Förderung in Deutsch als Zweitsprache. In vielen Schulformen werden hierfür separate Klassen eingerichtet, die einen Übergang der Lernenden in den Regelunterricht vorbereiten und begleiten. Obwohl der Unterricht in solchen Klassenformaten hohe und gleichzeitig sehr spezifische didaktische Anforderungen an die unterrichtenden Lehrkräfte stellt, existieren bis heute nur wenige passgenaue Angebote zur gezielten Weiterbildung. Das Buch setzt an dieser Ausgangslage an und präsentiert neben theoretischen Grundlagen für die Arbeit in schulischen DaZ-Klassen auch konkret verwendbare Unterrichtsentwürfe.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Geleitwort (Martin Löschmann)
  • Schulischer DaZ-Unterricht als Herausforderung für Lehrende – Einführung in den Band (Janek Scholz, Marvin Wassermann, Johanna Zahn)
  • ‚DaZ-Klassen‘ im deutschen Bildungssystem – Entwicklungslinien und aktuelle Tendenzen (Nina Breuer, Janek Scholz und Marvin Wassermann)
  • Heterogenität und Binnendifferenzierung
  • Binnendifferenzierung und kooperative Lehr- und Lernformen in Internationalen Förderklassen bzw. DaZ-Klassen (Klaudia Hilgers/Hans-Joachim Jürgens)
  • Kulturelle Vielfalt in der Ausbildung angehender Lehrkräfte für Berufskollegs (Carolin Heere/Lutz Thelen)
  • Blick in die Praxis | Kulturelle Vielfalt als Brücke zur Integration – Interkulturelles Lernen in Sprachlernklassen (Gesa F. Heinrich/Mara Leiden)
  • Mehrsprachigkeit als Bildungspotenzial (Marco Triulzi, Ina-Maria Maahs, Waltraud Steinborn, Rode Veiga-Pfeifer, Erol Hacısalihoğlu)
  • Alphabetisierung und Aussprache
  • Alphabetisierung und Zweitschrifterwerb in Seiteneinsteigerklassen (Anja Böttinger)
  • Blick in die Praxis | Alphabetisierung in Seiteneinsteigerklassen mit dem Spracherfahrungsansatz. Unterrichtsbeispiele zur Förderung der Buchstabenkenntnis und zum Erwerb des deutschen Schriftsystems (Sarah Offergeld)
  • Suprasegmentalia in einem aktuellen DaZ-Lehrwerk (Johanna Zahn)
  • Literatur als Ressource
  • Inklusiver DaZ-Unterricht: sprach- und literaturdidaktische Perspektiven auf das gemeinsame Lernen in heterogenen Lerngruppen (Katharina Böhnert/Wiebke Dannecker)
  • Machtkritisch und ermächtigend. Literarizität und literarisches Lernen in Vorbereitungsklassen (Janek Scholz)
  • Methodische Impulse
  • Der Einsatz Neuer Medien in Vorbereitungsklassen (Anja Kupinski)
  • Blick in die Praxis | Kreatives Arbeiten in Neuzuwanderer-Klassen mit visuellen und audiovisuellen Medien (Ute Hermanns)
  • Sexuelle Bildung im sprachlich und kulturell heterogenen Umfeld (Andrea Altenburg)
  • Übergänge in den Regelunterricht
  • Blick in die Praxis | Binnendifferenzierter Sprachförderunterricht am Berufskolleg (Angelika Zeevaert)
  • Blick in die Praxis | Die Arbeit mit Karten im fachsensiblen Sprachunterricht. Von Punkt, Strich und Farbe zu Wissen und komplexen Erkenntnissen (Johannes Heuzeroth)
  • Blick in die Praxis | Übergänge gestalten – Vom DaZ-Unterricht in der Sprachlernklasse zum sprachsensiblen Fachunterricht in der Regelklasse (Gesa F. Heinrich/Mara Leiden)
  • Verzeichnis der Beitragenden
  • Abbildungsverzeichnis
  • Liste der Tabellen
  • Series Index

Martin Löschmann

Geleitwort

Im Sport ist es gang und gäbe, von einem Comeback zu sprechen. Kehrt eine Person zurück, die – aus welchen Gründen auch immer – den öffentlichen Raum verlassen hat, ist es auch ein üblicher Ausdruck im Neuhochdeutschen. In einem gewissen Sinne gilt das für die Wiedereröffnung der Reihe Deutsch als Fremdsprache in der Diskussion mit dem Sammelband „DaZ-Unterricht an Schulen. Didaktische Grundlagen und methodische Zugänge“.

Mit dem 10. Band „Humor im Fremdsprachenunterricht“ war für den Herausgeber, der in die Jahre gekommen ist, ein heiterer Abschluss der nach der Wende initiierten erfolgreichen Reihe Deutsch als Fremdsprache in der Diskussion gegeben. Zudem ist die 10 doch schon eine stattliche, wenn auch nicht prachtvolle Zahl. Da sich der Herausgeber jedoch nicht völlig aus dem Arbeitsleben herausgezogen hat und sich als Vorstand des IIK e.V. Berlin nunmehr mit Integrationsunterricht einerseits sowie der Qualifizierung von Lehrkräften für die verschiedenen Integrationskurse andererseits beschäftigt, mobilisierten den Herausgeber die Themen des vorliegenden Bandes in einem solchen Maße, dass er sich entschloss, die Reihe noch einmal zu öffnen, vielleicht auch auf diese Weise womöglich jemanden zu animieren, sich der Reihe anzunehmen und sie in der einen oder anderen Weise fortzuführen oder auch völlig umzukrempeln.

Wer mit dem Zweitspracherwerb, sei es in Gestalt des Integrationsunterrichts oder in den Förderklassen in Schulen tagtäglich befasst ist, weiß, dass es große Defizite bei der wissenschaftlichen Fundierung dieser Unterrichte gibt. Gewiss liegt es nicht allein am Fundierungsmangel, wenn z.B. „mehr als die Hälfte aller Zuwanderer am Ende der Integrationskurse das höhere Level B1 beim Deutschtest“ (Welt Digital Zeitung, 29.04.2018) nicht erreicht. Es erklärt sich auch daraus, dass nicht in jedem Fall voll ausgebildete DaZ-Lehrende zur Verfügung stehen. Quereinsteiger in allen Ehren, aber nur dann, wenn sie Zeit und Muße haben, sich in das für sie neue Metier einzulesen, einzuhören, einzuarbeiten und ihnen dabei eine entsprechende praxisorientierte Literaturbasis zur Seite steht.

Der vorliegende Band stellt sich das Ziel, den Lehrenden in Förderklassen theoretisch und praktisch Rüstzeug zu präsentieren, das dazu angetan ist, den Deutschunterricht in Förderklassen zu qualifizieren. Da es sich dabei letztlich um DaZ-Unterricht handelt, ist er zugleich hilfreich für Lehrkräfte in Integrationskursen. Das heißt, die relevanten Ergebnisse dieses Bandes sind durchaus ←9 | 10→verallgemeinerungswürdig für den Integrationsunterricht. Das machen bereits solche Themen sichtbar wie „Mehrsprachigkeit als Ressource“, „Binnendifferenzierung“, „Einsatz Neuer Medien“ etc. und erst recht die grundlegende Einführung in diesen Band.

Sofern man an Lehrende sowohl in Schulen als auch in den Integrationskursen im Erwachsenenbereich denkt, werden die sechs praxisrelevanten Beiträge besondere Aufmerksamkeit erregen. Als Beispiele seien genannt: „Alphabetisierung in Seiteneinsteigerklassen mit dem Spracherfahrungsansatz. Unterrichtsbeispiele zur Förderung der Buchstabenkenntnis und zum Erwerb des deutschen Schriftsystems“ und „Fachsensibler Sprachunterricht“.

Die Reihe hat bisher den Unterschied zwischen theoretischen und praktischen Beiträgen in Sammelbänden nicht explizit gemacht, weil davon ausgegangen wurde, dass die eher theoretisch angelegten Beiträge selbstredend den klaren Praxisbezug und umgekehrt auch die praktisch orientierten Arbeiten einen Theoriebezug haben sollten. Für eine zügige, den Interessen der jeweiligen Zielgruppen entsprechende Handhabe, wurde im vorliegenden Band von dieser Konvention Abstand genommen. Die wechselseitigen Bezüge zwischen Theorie und Praxis bleiben dabei jedoch selbstredend erhalten.

Möge der Band die ins Auge gefasste theoretisch wie auch praktisch orientierte DaF- und DaZ-Klientel erreichen. Er hat es verdient.

Janek Scholz, Marvin Wassermann, Johanna Zahn

Schulischer DaZ-Unterricht als Herausforderung für Lehrende – Einführung in den Band

Die gezielte Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache an zugewanderte Schüler*innen ist kein Produkt der aktuellen deutschen Flüchtlingssituation, sie geschieht im deutschen Bildungssystem schon seit vielen Jahrzehnten. Erst die in den letzten Jahren sprunghaft angestiegene Anzahl an Geflüchteten hat allerdings zu einer flächendeckenden Einrichtung von ‚DaZ-Klassen‘1 in Schulen geführt und gleichzeitig dem Thema ‚Deutsch als Zweitsprache an Regelschulen‘ einige mediale Aufmerksamkeit im Kontext des gesamtgesellschaftlichen Diskurses um Migration und Integration verschafft. Teilweise ohne konzeptuelle Empfehlungen seitens der Wissenschaft oder der Politik, häufig aber in Anlehnung an Erfahrungen aus der Vergangenheit, haben einzelne Schulen und einzelne Lehrpersonen in diesem Zuge mit großem persönlichen Einsatz Sprachfördergruppen eingerichtet und Modelle schulischer Integration entwickelt, die ein rasches Erlernen der deutschen Sprache und einen möglichst zeitnahen Übergang in den Regelunterricht ermöglichen sollten. Dem ausgeprägten Engagement vieler Lehrpersonen steht jedoch eine didaktisch anspruchsvolle Realität in der Arbeit mit dieser oft neuen Zielgruppe gegenüber, auf die viele Lehrkräfte nicht oder nur unzureichend vorbereitet waren. Neben den vielen Chancen, die ein solcher Unterrichtsrahmen ebenfalls bietet (s. etwa den Beitrag von Triulzi et al. in diesem Band), stellen sich den Lehrkräften eine Reihe Herausforderungen, mit denen man im Regelunterricht, zumindest in dieser spezifischen Kombination, kaum in Berührung kommt (vgl. zu einzelnen Punkten auch Kniffka/Siebert-Ott 2012, 141–143):

- Die Lernendengruppen sind hochgradig heterogen in Hinblick auf diverse Dimensionen mit konkreter didaktisch-methodischer Relevanz: das Alter, ←11 | 12→die Herkunftsländer und -kulturen, die kognitiven Fähigkeiten, allgemeine fachliche Lernstände, die erstsprachlichen Kompetenzen, die bildungssprachlichen Kompetenzen in der Erstsprache, die zielsprachlichen Kompetenzen, die Lernerfahrungen, die Perspektiven und Ziele im Hinblick auf einen weiteren Verbleib im deutschen Bildungssystem u.v.a.m.

- Viele Lernende haben Alphabetisierungsbedarf. Diese Schüler*innen werden jedoch nicht in speziellen Alphabetisierungsgruppen gemeinsam beschult, sie bilden einen weiteren didaktischen Förderschwerpunkt in den ohnehin schon heterogenen Gruppen.

- Nicht wenige Teilnehmende haben Traumatisierungen. Im Unterrichtsalltag können diese auf vielfältige Art und Weise zutage treten.

- Es herrscht eine hohe Fluktuation. Begründet liegt dies in unterjährigen Aufnahmen Neuzugewanderter und dem regelmäßigen Abgang durch Wegzug oder Abschiebung.

- Teilweise besteht hoher Druck unter den Lernenden bezogen auf den Asylstatus.

- Viele Lernende sind lernungewohnt oder kommen aus einer anderen Lehr-/Lernkultur.

- Auch wenn sich die Unterbringungssituation in den letzten Jahren verbessert hat, verbringen viele Teilnehmende ihre Nachmittage in wenig lernförderlichen Umgebungen, sodass z.B. die Bearbeitung von Hausaufgaben deutlich erschwert sein kann.

- Für einen erfolgreichen Weg im deutschen Bildungssystem sind die Schüler*innen auf die Teilnahme am Regelunterricht vorzubereiten, was insbesondere erfordert, die später zwingend zu beherrschenden bildungs- und fachsprachliche Varietäten anzubahnen.

Die spezifische persönliche und institutionelle Situation, in der sich jugendliche Zugewanderte in solchen Klassen befinden, geht einher mit einem ebenso spezifisch konturierten Panorama an pädagogisch-didaktischen Anforderungen. Decker-Ernst konstatiert: „In Bezug auf Lehrpersonen in VKL [Vorbereitungsklassen; die Verfassenden] muss festgehalten werden, dass diese aufgrund der heterogenen Bedingungsfaktoren der Klassen über ein Höchstmaß an fachlichen, didaktisch-methodischen, aber auch an sozial-emotionalen, transkulturellen und administrativen Kompetenzen verfügen müssen, um den an sie gestellten Aufgaben gerecht zu werden.“ (2017: 226).2 Diese Kompetenzen können aber nicht ohne Weiteres vorausgesetzt werden, sie müssen von den Lehrkräften erworben ←12 | 13→werden. Bislang bedurfte das vor allem einer Menge Eigeninitiative und erforderte eine Kombination aus learning-by-doing und der Adaption allgemeiner sowie DaF/DaZ-bezogener didaktisch-methodischer Fertigkeiten. Für die demgegenüber wünschenswerte gezielte und gebündelte Professionalisierung von in DaZ-Klassen tätigen Lehrer*innen gibt es bislang zu wenig Unterstützungsangebote. Zwar liegen inzwischen immerhin Lehrwerke vor, die speziell für schulische DaZ-Klassen entwickelt wurden (derzeit Das DaZ-Buch vom Klett Verlag und Intro Deutsch als Zweitsprache vom Westermann Verlag), allerdings fokussierten etwa die vorhandenen DaF/DaZ-Fortbildungsreihen auf klassischen DaF-Unterricht (z.B. die meisten Ausgaben der Reihe Deutsch lehren lernen des Goethe-Instituts) oder auf den Unterricht in den Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Reihe Qualifiziert unterrichten im Hueber Verlag). Bei den (inzwischen reichhaltigen) Publikationen zum Thema Deutsch als Zweitsprache in Schulen liegt der Schwerpunkt bislang auf dem Umgang mit Nichtmuttersprachler*innen im Regelunterricht (vgl. z.B. Michalak/Lemke/Goeke 2015). In Hinblick auf die Unterstützung von Lehrenden in schulischen DaZ-Klassen muss das Angebot also noch als unbefriedigend gelten.

Details

Seiten
394
Erscheinungsjahr
2020
ISBN (Hardcover)
9783631788776
ISBN (PDF)
9783631810088
ISBN (ePUB)
9783631810095
ISBN (MOBI)
9783631810101
DOI
10.3726/b16477
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (März)
Schlagworte
Deutsch als Zweitsprache Internationale Förderklassen Heterogenität Binnendifferenzierung Sprachförderung Interkulturelle Kompetenz
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2020. 394 S., 58 s/w Abb., 33 Tab.
Produktsicherheit
Peter Lang Group AG

Biographische Angaben

Janek Scholz (Band-Herausgeber:in) Marvin Wassermann (Band-Herausgeber:in) Johanna Zahn (Band-Herausgeber:in)

Janek Scholz leitete bis 2019 das Projekt „Berufsbegleitende Zusatzqualifikation Deutsch als Zweitsprache" an der RWTH Aachen University. In Lehre und Forschung beschäftigt er sich mit Literarischem Lernen im Fremdsprachenunterricht, Comics & Graphic Novels, Alphabetisierung und interkultureller Kommunikation. Marvin Wassermann ist Diplom-Gymnasiallehrer und arbeitete bis 2019 an der RWTH Aachen University als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „DaZ-Zusatzqualifikation" und am „Lehr- und Forschungsgebiet Germanistische Sprachwissenschaft". Seine Forschungsschwerpunkte sind Sprachdidaktik, Fachkommunikation und interkulturelle Kommunikation. Johanna Zahn war bis 2018 an der RWTH Aachen University beschäftigt. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin hat sie am Lehrstuhl für Deutsche Philologie sowie im Projekt „DaZ-Zusatzqualifikation" mitgearbeitet. Schwerpunkte ihrer Lehr- und Forschungstätigkeiten sind Ausspracheförderung und Varietäten des Deutschen.

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Titel: DaZ-Unterricht an Schulen