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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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3.3 Verbreitung und Rezeption

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Eucharius Rösslin erhielt für die Drucklegung des ‚Rosengartens‘ ein kaiserliches Privilegium, ausgestellt von der Hofkanzlei Kaiser Maximilians I.180, datiert auf den 24. September 1512, fünf Monate vor Erscheinen der Erstausgabe.181 Durch dieses Schreiben sollten Nachahmer abgeschreckt werden, das Buch nachzudrucken. Solche Privilegien waren bis ins 19. Jahrhundert einziger rechtlicher Schutz gegenüber widerrechtlich erstellten Kopien und Nachdrucken des eigenen geistigen Eigentums. Allerdings ist hinzuzufügen, dass diese ‚Schutzbriefe‘ von Kaiser oder Obrigkeit selten auch den gewünschten Effekt erbrachten, da die tatsächliche strafrechtliche Verfolgung von Plagiatoren in den Aufgabenbereich der Territorialherrscher fiel und somit von deren Absichten und Interessen abhängig war.182 So soll es zum Beispiel im Falle des ‚Rosengartens‘ noch im Erscheinungsjahr zu zwei deutschsprachigen Raubdrucken gekommen sein.183

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Heute sind etwa 100 verschiedene Ausgaben des ‚Rosengartens‘ in 17 unterschiedlichen Druckversionen bekannt.184 Bis 1603 wurde Rösslins Lehrbuch immer wieder nachgedruckt und übersetzt. Bereits 1516 kam es zu einer niederländischen Übersetzung185, von der insgesamt 28 Ausgaben erschienen sind.186 Eucharius Rösslin der Jüngere begann 1526 damit, Inhalte des ‚Rosengartens‘ in seinem ‚Ehestands Arzneybuch‘ zu veröffentlichen.187 1532 folgte die lateinische Übersetzung der Schrift seines Vaters unter dem Namen ‚De partu hominis‘, welche anschließend als Vorlage für Übertragungen in weitere Sprachen genutzt wurde. So entstand beispielsweise 1536 eine französische und 1540 eine englische Übersetzung, letztere mit dem Titel ‚The Byrth of Mankynde‘.188 Der ‚Rosengarten‘ wurde auch von anderen Autoren mit nur leicht...

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