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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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5.1 Vermeintliche Missstände und Konfliktpotential

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„Als da(n) bin ich. V.F.G. vß gehorsamer vnd(er)tha(e)niger pflicht / alles das so den bemelte(n) schwa(n)gern geberenden frawe(n) vnd hebam(m)en / zu(o) wissen not ist / vnd von de(n) hochgelo(e)rte(n) doctoribus / so vor mir geschribe(n) vnd erfarn / soliches zu(o) offnen fleissig vn(d) willig. Wie wol. v.f.g. mit hoher vernu(n)fft vn(d) wissen begabt / das. v.f.g. in disen vn(d) merern / zu(o) lerne(n) on not wer. Seind doch vyl ersamer iu(n)ger frawe(n) vn(d) hebammen / die kleine(n) bericht habe(n) / vn(d) solichs so in dise(m) bu(o)ch begriffen / yne(n) verborge(n) / denen dises zu(o) wissen not will sein.“260

Dieser Teil der Widmungsvorrede Rösslins an die Herzogin Katharina von Braunschweig-Lüneburg fasst die Inhalte der am Beginn des Lehrwerks stehenden Widmung, der lyrischen ‚Ermahnung‘ Rösslins an schwangere Frauen und Hebammen sowie seiner Vorrede gut zusammen. Besonders Zweitgenanntes stellt für die im 16. Jahrhundert üblichen Vorreden und/oder Widmungen eine Besonderheit dar.261 Im angeführten Zitat tauchen sowohl die Bitte des Autors um Schutz als auch die Anregung zur Erstellung des Lehrwerks durch die Herzogin von Braunschweig-Lüneburg auf. Die Huldigung gegenüber der adeligen Person durchzieht die gesamte Widmungsvorrede. Bezeichnungen wie ‚gnädigste Frau‘, ‚hochgeborene Fürstin‘ und die Abkürzung ‚v.f.g.‘262 wiederholen sich...

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