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Wort- und Formenvielfalt

Festschrift für Christoph Koch zum 80. Geburtstag. Unter Mitarbeit von Daniel Petit

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Edited By Anna Jouravel and Audrey Mathys

Die Festschrift ehrt Christoph Koch, Professor für Vergleichende und Indogermanische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zu seinem 80. Geburtstag vereint der Band wissenschaftliche und persönliche Beiträge von Kollegen, Schülern und Freunden. Sie umfassen verschiedene Bereiche der historischen und modernen Sprachwissenschaften wie der Indogermanistik, der Byzantinistik, der Slavistik oder Baltistik, greifen kunsthistorische und editionsphilologische Fragestellungen auf und spiegeln somit das breite Spektrum der Interessens- und Forschungsgebiete des Jubilars wider.

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Der slavische ‚Gast‘ und manche seine indoeuropäischen Kollegen

Katsiaryna Ackermann

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Das heutige slavische Wort für ‚Gast‘ samt seinen germanischen Kognaten (got. gasts u.a.) wird gewöhnlich zu lat. hostis (m., f.), urspr. ‚Fremdling‘ (i.e. peregrīnus) und später ‚feindlicher Fremder, Kriegsfeind‘ gestellt und dessen Semantik in diesem Zusammenhang gesehen. Jedoch wird die Bedeutung ‚fremd‘, ‚feindlich‘ ‒ im Lat. nachweislich sekundär ‒ der Verwendung in den ältesten slavischen Belegen ebenso nicht gerecht. In den frühen Zeugnissen ist gostь vor allem ein reisender Händler, ein Großhändler. Die immer wieder vorgeschlagene Verbindung aller drei Kontinuanten zu dem Ved. ghas ‚essen, verzehren‘, trotz der sehr attraktiven Auffassung der „Gastfreundschaft“ als „gemeinsamen Mahls“, erscheint in Anbetracht der frühesten historischen Zeugnisse sowie aus der sozioanthropologischen Sicht und entgegen dem poetisierten Bild des frühgermanischen Epos sehr fraglich. Der interkulturelle Kontext, den man den frühesten Rechtsquellen des Slav., Germ. sowie auch Kelt. entnimmt, lässt den ‚Gast‘ sowie einige verwandte Bezeichnungen im Lichte einer reziproken Leistung, des ‚Tauschens‘ (als Zahlung oder Garantieleistung) als Fortsetzer der ieu. Wurzel *ĝhes- ‚eintauschen‘ verstehen, was schon in Bezug auf lat. hostis geäußert wurde. Einige implikative Parallelen dazu scheint auch das Albanische zu liefern.

 

Ursl. *gost-ĭ- m. (aksl., aruss. gostь, b/c/s gȏst, Gen. gȍsta, slov. gȍst, Gen. gósta, poln. gość, tsch. host, u.a.) ist von der germ. Sippe (got. gasts ‚Fremder, Gast‘, ahd. gast, an. gestr, ae. giest), wie auch ferner lat. hostis ‚Fremder‘ nicht zu trennen. Zwei völlig verschiedene Auffassungen (und entsprechende...

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