Show Less

Die «Reichsuniversität Posen» 1941-1945

Vorgeschichte, nationalsozialistische Gründung, Widerstand und polnischer Neubeginn

Series:

Helmut Schaller

Posen und seine Hochschuleinrichtungen waren seit den polnischen Teilungen Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder Ausgangspunkt deutsch-polnischer Auseinandersetzungen gewesen, wobei von polnischer Seite stets das gewichtige Argument einer Mehrheit der polnischen Bevölkerung in dieser Region angeführt wurde, die sich immer wieder gegen intensive Germanisierungsbestrebungen zu wehren hatte. Diese erreichten in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ihren Höhepunkt, zugleich bedeuteten sie aber auch den tiefsten Punkt der deutsch-polnischen Beziehungen. Mit dieser Abhandlung wird über die bisherigen Darstellungen der «Reichsuniversität Posen» hinausgehend die Vorgeschichte dieser ausschließlich dem Nationalsozialismus verpflichteten Hochschule dargestellt. Dabei handelt es sich vor allem um die 1903 bis 1919 wirkende «Königliche Akademie in Posen» sowie die zunächst von 1919 bis 1939 bestehende polnische Universität Posen. Für die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in einem abschließenden Kapitel die Entstehung und die weitere Entwicklung der polnischen «Adam-Mickiewicz-Universität» in Posen sowie ihre nationale und internationale Bedeutung behandelt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

II. Die polnische Universität Poznań 1919-1939 und ihre Vorgeschichte - 75

Extract

75 II. Die polnische Universität Poznań 1919-1939 und ihre Vorgeschichte Die Geschichte des polnischen Bildungswesens und der polnischen Uni- versitäten ist auf das engste mit der Christianisierung Polens verbunden. Wie in anderen europäischen Ländern auch, wurden zunächst nur kirchliche Schulen gegründet. Nach der Epoche der Renaissance und der Aufklärung trat mit den drei polnischen Teilungen Ende des 18.Jahrhunderts jedoch eine grundlegende Veränderung ein, die es nahezu unmöglich machte, ein polnisches Bildungswesen weiterhin aufrecht zu erhalten. Bereits nach der ersten Teilung Polens wurde daher eine „Nationale Erziehungskommissi- on“ gegründet, die zugleich auch die erste staatliche Schulbehörde in Eu- ropa überhaupt war. Von ihr wurden die Schulgesetze ausgearbeitet, die zu einem in Stufen gegliederten Schulsystem führten. Mit dem völligen Ver- lust der polnischen Eigenstaatlichkeit zunächst 1795, dann erneut 1815 ent- wickelte sich das polnische Unterrichtswesen in den drei Teilungsgebieten ganz unterschiedlich. In Galizien wurde von den österreichischen Behör- den der polnischen Bevölkerung eine gewisse Eigenständigkeit gewährt. Im russischen und preußischen Teilungsgebiet traten um 1860 und in Preu- ßen vor allem nach 1871 Russifizierungs- und Germanisierungstendenzen im Bildungswesen ein, die sogar zum Verbot der polnischen Unterrichts- sprache führten. Diesen Entwicklungen wurden aber polnische Aktivitäten entgegengesetzt, die mit den Namen führender polnischer Pädagogen des 19.Jahrhunderts verbunden waren, so Ewaryst Estkowski (1820-1856), Bronisław F.Trentkowski (1808-1869), Henryk Wernic (1829-1905), Adolf Dygasiński (1839-1902), Jan W. Dawid (1859-1914), Stanisław Karpowicz (1864-1921) und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.