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Die «Reichsuniversität Posen» 1941-1945

Vorgeschichte, nationalsozialistische Gründung, Widerstand und polnischer Neubeginn

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Helmut Schaller

Posen und seine Hochschuleinrichtungen waren seit den polnischen Teilungen Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder Ausgangspunkt deutsch-polnischer Auseinandersetzungen gewesen, wobei von polnischer Seite stets das gewichtige Argument einer Mehrheit der polnischen Bevölkerung in dieser Region angeführt wurde, die sich immer wieder gegen intensive Germanisierungsbestrebungen zu wehren hatte. Diese erreichten in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ihren Höhepunkt, zugleich bedeuteten sie aber auch den tiefsten Punkt der deutsch-polnischen Beziehungen. Mit dieser Abhandlung wird über die bisherigen Darstellungen der «Reichsuniversität Posen» hinausgehend die Vorgeschichte dieser ausschließlich dem Nationalsozialismus verpflichteten Hochschule dargestellt. Dabei handelt es sich vor allem um die 1903 bis 1919 wirkende «Königliche Akademie in Posen» sowie die zunächst von 1919 bis 1939 bestehende polnische Universität Posen. Für die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in einem abschließenden Kapitel die Entstehung und die weitere Entwicklung der polnischen «Adam-Mickiewicz-Universität» in Posen sowie ihre nationale und internationale Bedeutung behandelt.

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V. Das Ende der „Reichsuniversität“ 1944/1945 - 223

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223 V. Das Ende der ”Reichsuniversität Posen” im Januar 1945 Wie unsicher die Stimmung an den deutschen Universitäten bereits im Jahre 1943 geworden war, zeigt ein Rundschreiben des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, das dieser am 7.Mai 1943 unter dem Titel „Nachteilige Beeinflussung der Volkstim- mung durch Behördenangehörige“ an allen Hochschulen verbreiten ließ und zwar unter Hinweis darauf, dass dieser Erlass nicht im Ministerialblatt veröffentlicht wurde: „In letzter Zeit sind häufig Klagen darüber vorgebracht worden, dass Äußerungen von Angehörigen höherer Dienststellen des Reichs über die Lage und die Aussichten des Krieges zu Beunruhigung geführt haben. Aus diesem Anlass darf ich darauf hinweisen, dass in der Bevölkerung häufig die Neigung besteht, Bemerkungen selbst untergeordneter Dienst- kräfte bei öffentlichen Dienststellen besonderes Gewicht beizulegen in der – wenn auch meist irrtümlichen – Annahme, dass solchen Äußerungen eine besondere Kenntnis der Tatsachen zugrunde liege. Einer Anregung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda entsprechend, bitte ich daher, die Angehörigen Ihrer Dienststellen in geeigneter Weise auf die Verschwiegenheitspflicht auf- merksam zu machen und ihnen größte Zurückhaltung, auch bei Unter- haltungen allgemeiner Art, zur Pflicht zu machen. Dabei bitte ich, auch darauf hinzuweisen, dass Äußerungen der in Frage stehenden Art auch dann, wenn sie nicht unter dem Bruch der Verpflichtung zur Amtsver- schwiegenheit geschehen, zu schweren Strafen, vor allem wegen Lan- desverrats und Zersetzung der Wehrkraft sowie wegen Vergehen gegen das Gesetz gegen...

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