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Geschichte und Gedächtnis in der Literatur vom 18. bis 21. Jahrhundert

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Der Band versammelt Beiträge eines polnisch-deutschen Symposiums, das in Texten vom 18. bis 21. Jahrhundert nach Bedingungen und Mustern literarischer Erinnerungsarbeit gefragt hat. Im Zentrum steht der Begriff des Erinnerungsortes, mit dessen Hilfe versunkene Landschaften und zerstörte Kulturräume (Litauen, Ostpreußen, Galizien, Schlesien), vor allem aber tabuisierte und verdrängte Erinnerungen (Holocaust, Porrajmos, Flucht, Vertreibung) beschreibbar werden.

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HARTMUT EGGERT Kulturelles Gedächtnis und der Kanon der Nationalliteraturen 15

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15 Kulturelles Gedächtnis und der Kanon der Nationalliteraturen von Hartmut Eggert Aktuelle Tendenzen In seiner Antrittsvorlesung für eine Professur „Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts“ an der Berliner Humboldt-Universität sprach in diesem Frühjahr der Historiker Thomas Mergel darüber, dass sich hinter der kulturellen Vielfalt, auf die Europa so stolz ist, sich eine Standardisierung der Gesellschaften ver- berge, die sich im 19. Jahrhundert ausgebildet habe. Die kulturelle Vielfalt be- ruhe auch auf Tendenzen zur nationalen Homogenisierung der Gesellschaften. Mergel hob hervor: „Die Vorstellung von einer homogenen Gesellschaft ist so europäisch wie sie historisch ist. Sie hängt zusammen mit der Ausbildung der modernen Nationalstaaten, die im 19. Jahrhundert politische Strukturen auszu- bilden begannen, die in der Lage waren, in das Leben der vielen substanziell einzugreifen.“1 Zu diesen Prozessen der Homogenisierung gehört der Bildungsbereich mit allgemeiner Schulpflicht, Vereinheitlichung der Lehrinhalte und Bildungsgänge. Ein Mittel der Herausbildung von Nationalbewusstsein und nationaler Identitäten überhaupt war dabei ein volkssprachlicher Literaturkanon. Wir wissen, dass der Begriff ‚Nationalliteratur‟ eben ein Kind der National- staatsbewegungen ist. Diese Entwicklung trat für die europäischen Länder zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein – wie man an Deutschland und Polen erkennen kann – aber die Tendenz der Homogenisierung mit der Konzentration auf volkssprachliche Werke der sog. „Kulturnation“ ist allgemein; in ihr wird in längeren Übergangsphasen der altsprachliche Kanon der Geistlichkeit und Ge- lehrten sowie der französischsprachige Kanon der Aristokratie abgelöst. In der europäischen Gegenwart haben wir es in Hinsicht...

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