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Sprachmythen – Fiktion oder Wirklichkeit?

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Lieselotte Anderwald

Die Beiträge in diesem Band untersuchen Mythen und Mythenbildung im Reiche der Sprache: Hat Englisch wirklich keine Grammatik, ist Latein logischer als andere Sprachen, verdirbt das Internet die Sprache, und werden Fragen immer mit ansteigender Intonation gesprochen? Die Beiträge kommen aus der Germanistik, Anglistik, Romanistik, Latinistik, Frisistik sowie der experimentellen Phonetik. Sie beschäftigen sich mit historischen und gegenwärtigen Sprachen, mit Teilbereichen der Grammatik sowie der Aussprache und untersuchen Dialekte, Dialektwahrnehmung, gesprochene und geschriebene Sprache sowie Sprache im Internet.

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Jürgen Macha (Münster): Alles Luther oder was? Zum Mythos deutscher Spracheinheit in der Frühen Neuzeit

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Alles Luther oder was? Zum Mythos deutscher Spracheinheit in der Frühen Neuzeit Jürgen Macha (Münster) 1. Einleitung Im Buchtitel ist von ‚Mythen‘ die Rede, und zwar dezidiert im Blick auf sprachwissenschaftliche Wissensbestände. Oder sollte man besser sagen: auf sprachwissenschaftliche Glaubensbestände? Schauen wir kurz auf Begriffsbe- stimmungen von ‚Mythos‘ allgemein. Das Duden-Universalwörterbuch (vgl. DUW 2007: 1113) fasst dieses Lemma in seinem Wortartikel auf zweifache Weise: 1. Überlieferung, Großerzählung aus der Geschichte, z.B. der Vorzeit eines Volkes 2. Person, Sache, Gegebenheit ..., die ... glorifiziert wird, legendären Charakter hat. Diesen lexikographischen Erläuterungen kann man nun – ohne in eine Diskussi- on über wissenschaftlich-konzeptuelle Definitionen des ‚Mythos‘ etwa von Claude LÉVY-STRAUSS, Roland BARTHES oder anderen einzutreten – mindestens eine weitere Bedeutung hinzufügen, die vom Sprachusus her durchaus geläufig zu sein scheint: Nämlich: „Mythos ist umgangssprachlich ein Gegenbegriff zur Tatsache.“ So heißt es in einer Rezension von Nils MINKMAR im Zusammen- hang mit Herfried MÜNKLERS Die Deutschen und ihre Mythen von 2009 (MINKMAR 2009). Damit ist explizit das Moment ‚Wahrheit‘ bzw. seine Negati- on ins Spiel gebracht, und in der Tat manifestiert sich diese wichtige Facette in solchen Phraseologismen wie ‚etwas als einen Mythos entlarven‘ oder ähnli- chem. Der Inhalt meines Beitrags hat auf unterschiedliche Weise mit den angedeu- teten semantischen Dimensionen zu tun, und es wird sich dabei zeigen, dass die Muse KLIO, die in der griechischen Mythologie bekanntlich für die Historiogra- phie wie interessanterweise genauso für die Heldendichtung...

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