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Politik, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Perspektiven für eine demokratische Gesellschaft

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Heinz Sünker

Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um die PISA-Ergebnisse in Deutschland zeigt sich erneut die Notwendigkeit, Grundfragen des Verhältnisses von Bildungstheorie und Bildungspolitik zu analysieren. Eine wesentliche Herausforderung für die sich als demokratisch verstehende bundesrepublikanische Gesellschaft stellt dabei die Erkenntnis dar, dass offensichtlich bis heute die Reproduktion sozialer Ungleichheit mit Hilfe des Bildungssystems ungebrochen funktioniert. Auf die Tagesordnung gerät damit die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung, Politik und sozialer Gerechtigkeit, um Bedingungen und Perspektiven einer substantiell demokratischen Gesellschaft zu klären. Zudem bleibt die Erkenntnis unhintergehbar, dass Bildungspolitik Gesellschaftspolitik ist, mit der Lebenschancen und Lebensqualität vermittelt bzw. zugewiesen werden.

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V. Bildungstheorie als pädagogisch-politisches Paradigma Heydorns ,,Überleben durch Bildung" heute 68

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V. Bildungstheorie als padagogisch-politisches Paradigma 1. Heydorns , Obert eben durch Bildung" heute ,Da es so ist, bleibt es nicht so." (B. Brecht, Leben des Galilei) ,Nur wenn, was ist, sich andern lasst, ist das, was ist, nicht a/les." (Th. W. Adorno, Negative Dialektik) Wenn Hegel, einer der entscheidenden Theoretiker der Moderne, im Kapitel ,Der sich entfremdete Geist; die Bi/dung" in der ,Phanome- nologie des Geistes" feststellt, ,Die Sprache der Zerrissenheit aber ist die vollkommene Sprache und der wahre existierende Geist dieser ganzen Welt der Bildung" (Hegel 1952: 370), und dies im Rahmen seiner Analyse u.a. durch die Aussage illustriert, ,Macht und Reich- tum sind die hochsten Zwecke seiner (des Se/bstbewusstseins, H.S.) Anstrengung, es weif3, dass es durch Entsagung und Aufopferung sich zum Allgemeinen bi/det, zum Besitze desse/ben gelangt, und in diesem Besitze allgemeine Giiltigkeit hat; sie sind die wirklichen anerkannten Machte" (Hegel 1952: 375), so verweist dies - erganzt urn seine Analyse der burgerlichen Gesellschaft (vgl. Hegel 1955: §§ 182 ff)- auf die gesellschaftliche Vermitteltheit, die die individual- len Bedingungen in der Welt der Bildung bestimmt. Zudem bestimmt sich aus dieser Diagnose sein Interesse, die dem Ganzen zugrunde- liegende zerrissene Vernunfttotalitat wiederherzustellen, und dies als Entwicklung im Bildungsprozess des Geistes auf dem Wege zum absoluten Wissen vorzustellen (vgl. Reuss 1982).55 55 Nicht nur in bildungstheoretischer oder -geschichtlicher Perspektive, sondern als Ansatz fi.ir die Auseinandersetzung mit konstitutiven Theorien der biirgerlichen Gesellschaft iiber- haupt ist eine Oberlegung M. Theunissens heranzuziehen: "In der Verbindung, die ich zwi- schen der gemeinten Allgemeinheit und...

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