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Politik, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Perspektiven für eine demokratische Gesellschaft

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Heinz Sünker

Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um die PISA-Ergebnisse in Deutschland zeigt sich erneut die Notwendigkeit, Grundfragen des Verhältnisses von Bildungstheorie und Bildungspolitik zu analysieren. Eine wesentliche Herausforderung für die sich als demokratisch verstehende bundesrepublikanische Gesellschaft stellt dabei die Erkenntnis dar, dass offensichtlich bis heute die Reproduktion sozialer Ungleichheit mit Hilfe des Bildungssystems ungebrochen funktioniert. Auf die Tagesordnung gerät damit die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung, Politik und sozialer Gerechtigkeit, um Bedingungen und Perspektiven einer substantiell demokratischen Gesellschaft zu klären. Zudem bleibt die Erkenntnis unhintergehbar, dass Bildungspolitik Gesellschaftspolitik ist, mit der Lebenschancen und Lebensqualität vermittelt bzw. zugewiesen werden.

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VI. Bildung und Aufklärung oder: Pädagogik gegen die Postmoderne? 84

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VI. Bildung und Aufklarung oder: Padagogik gegen die Postmoderne 7 Einleitung Urn die vielfaltigen und kontradiktorischen Debatten urn 'Padagogik und Postmoderne' angemessen einzufangen, strukturiere ich sie im Interesse einer eigenen Positionierung so, dass ich erstens in meinen einfl.ihrenden Bemerkungen den Stand der seit einigen Jahren wie- der neu auflebenden Bildungsdebatte (vgl. Tenorth 1997), das darin einlassene theoretische Interesse sowie den sozialen Ort der Rede von ,Bildung" heute, aufnehme. Zweitens werde ich am Beispiel des fUr mich i.iberzeugendsten Ansat- zes einer materialistischen Bildungstheorie, der von Heinz-Joachim Heydorn, die die Kategorien von Bildungstheorie sowie real-historisch aufgeschlusselter Bildungs- und Gesellschaftsgeschichte ineinander verschrankt, die, Verteidigung" des ,Projekts der Moderne" in einem nicht kulturalistisch verkurzten Sinne aufzuzeigen versuchen. Dabei wird der die Heydornsche Analyse leitende , Widerspruch von Bildung und Herrschaft" als bildungstheoretisches Komplement zu den Analysen in Horkheimer/Adornos ,Dialektik der Aufklarung" (1947) zu lesen sein. Dies setzt die praxisphilosophische Verortung des Heydorn'schen Ansatzes im Kontext der Debatte des westlichen Marxismus (vgl. Anderson 1978; Si.inker 1989) voraus. Es ist dies dann die bildungs- theoretische Formulierung des Programms der Verwirklichung der Philosophie als ,Projekt des Menschen", als Subjekt-Frage, die von Heydorn - in der bildungstheoretischen Variante - exemplarisch mit den Worten formuliert wird: ,Miindigkeit als Begriff ist leer; das Pro- blem ihrer Verwirklichung wird zur entscheidenden Frage der Bil- dungstheorie" (Heydorn 1980: 103). Da sich - drittens - die Subjekt-Problematik entscheidend mit der ge- sellschaftstheoretisch-sozialphilosophischen Allgemeinheits-Thema- tik, der Frage nach Form und Gehalt des Zusammenhangs zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft in den Wirkungen auf und fur das...

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