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Deutsche Sprache im Wandel

Kleine Schriften zur Sprachgeschichte

Werner Besch

In seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Werner Besch immer wieder aus ganz verschiedenen Perspektiven und unter immer neuen Fragestellungen mit strukturellen und soziolinguistischen Aspekten von Variation und Wandel der deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart beschäftigt. Zu seinem 75. Geburtstag versammelt der vorliegende Band 25 seiner wichtigsten Aufsätze aus diesem zentralen Themenbereich, mit denen er der germanistischen Sprachwissenschaft seit den 60er Jahren Wege gewiesen hat.

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Die Entstehung der deutschen Schriftsprache. Bisherige Erklärungsmodelle - neuester Forschungsstand (1987) 221

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Die Entstehung der deutschen Schriftsprache - Bisherige ErkHirungsmodelle- neuester Forschungsstand- 1. Behandlung einiger Grundfragen 1.1 Das , Ursprachen '-Problem Der Mensch neigt ganz offensichtlich dazu, Zustande der Vollkommenheit, Zeiten unbeschadigter Ganzheit zu ertraumen. Das ist in vielen Zeugnissen der Menschheitsgeschichte greifbar. Zustande der Vollkommenheit werden aber vielfach nicht als Endprodukt eines Iangen Entwicklungsweges gesehen, sozu- sagen endzeitlich, sondem an den Anfang gesetzt. Die Vollkommenheit, die un- beschadigte Ganzheit steht am Beginn, nicht am Ende. Am Beginn steht das Pa- radies, dann folgt die Vertreibung. Das ist auch eine Parabel fur die Sprache. ,Es hatte aber aile Welt einerley zungen und sprache", so ubersetzt Luther Genesis 11,1: Erat aut em terra /abii unius, et sermon urn eorumdem. Am Anfang war die Einheit, die unbeschadigte Ganzheit. Die Menschen haben sie sich verscherzt. Gott bestrafte ihre superbia, er lieB ihre Sprache verwirren, daB keiner des ande- ren Sprache verstand. Das hatte zur Folge, daB sie nicht mehr gemeinsam han- deln konnten. Die babylonische Sprachverwirrung - ein Alptraum der Menschheit - ist zugleich ein langwirkendes Zeugnis anfanglicher Einheit. Als solches ist es dem mittelalterlichen und friihneuzeitlichen Menschen nie aus dem Gedachtnis ent- schwunden, wenn auch die Aufteilung in 72 bzw. 74 Sprachen akzeptiert wurde, die ihrerseits wiederum mit der Zeit einen Status unverganglicher Statik erhiel- ten. Die Einheit am Anfang, das Altere als das Vollkommenere - das ist eine Denklinie vom Alten Testament uber das Mittelalter zum Grammatiker Justus Georg Schottel, zu Jacob Grimm und August Schleicher, also bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts....

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