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Das Bild als Erzieher

Daniel Nikolaus Chodowieckis Kinder- und Jugendbuchillustrationen in Johann Bernhard Basedows Elementarwerk und Christian Gotthilf Salzmanns Moralischem Elementarbuch

Jasmin Schäfer

Daniel Chodowieckis Kinder- und Jugendbuchillustrationen in Basedows Elementarwerk und Salzmanns Moralischem Elementarbuch – die zwei von ihm am umfangreichsten illustrierten philanthropen Erziehungsbücher – sind Gegenstand dieser kunsthistorisch-pädagogischen Untersuchung. Aufbauend auf den divergierenden Zielsetzungen und Methodiken Basedows und Salzmanns stehen die künstlerischen Charakteristika und Unterschiede in Bildkonzept, -aufbau und -sprache am Beispiel der Kinderspiele, der Berufe und des Toleranzgedankens in beiden Büchern vergleichend im Fokus. Diese Arbeit stellt somit zwei Typen von Chodowieckis philanthropen Edukationsgrafiken, die sich an ein kindliches Publikum richten, als bislang unbeachtete, aber bedeutsame Facette von Chodowieckis künstlerischem Schaffen erstmalig vor.

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5. Chodowieckis grafische Inszenierung des Toleranzthemas bei Basedow und Salzmann

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Für Zedler ist die ‚Tolerantia‘ in seinem Universallexikon etwas, „daß auch an- dere Religions-Verwandte[...] ausser der daselbst eingeführten Religion, [...] die freye Uebung ihres Gottesdienstes darinnen haben mögen [und] daß man äusser- lich im gemeinen Leben friedlich mit einander umzugehen suchet“.922 Damit beschreibt er „Toleranz [als] Tolerirung, Erträglichkeit, Erdultung“.923 Zedlers Definition der Toleranz ist damit nur die Voraussetzung der freien Religionsaus- übung. Das ‚friedliche Miteinander‘ schützt die Mitglieder einer nicht als gleich- berechtigt akzeptierten924 Religion vor Sanktionen im Namen der vorherrschen- den Glaubensrichtung, dem Christentum beziehungsweise dem Katholizismus. Das Toleranzmotiv, das Basedow, Salzmann und Chodowiecki pädagogisch und künstlerisch bearbeiten, ist ein populäres Thema der Aufklärung. In Preußen werden die Juden im 18. Jahrhundert aus der Mark Brandenburg vertrieben, nachdem erst im 17. Jahrhundert Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) Juden und Hugenotten mit dem Versprechen freier Religionsausübung ins Land geholt hatte. Sie blieben seit ihrer Ankunft konfessionell jedoch nur geduldet und waren nicht gleichberechtigt. Erst ab dem 28.09.1791 werden ihnen die vermeintlich gleichen Rechte zuerkannt – unter der Voraussetzung, sich in die christliche Gesellschaft zu integrieren. Ludwig XVI. erlässt am 29. November 1787 ein Toleranzedikt zugunsten der Hugenotten, das deren Duldung in Frankreich zum Inhalt hat. Mit ihm knüpft er an das 1685 widerrufene Toleranzedikt von Nantes aus dem Jahr 1598 an, mit deutlichen Verbesserungen für die Hugenotten, insbesondere zivilrechtliche Fragen betreffend. Die Déclaration des droits de l’homme et du citoyen von 1789 beendet schließlich...

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