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Herodots Wege des Erzählens

Logos und Topos in den "Historien</I>

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Edited By Klaus Geus, Elizabeth Irwin and Thomas Poiss

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v. Chr.) hat sich in den letzten Jahrzehnten aus einem Protohistoriker, der «zahllose Lügengeschichten» erzählt (so noch Ciceros Diktum), über einen geachteten, doch etwas naiven Vorläufer des Thukydides zu einem der wichtigsten antiken Autoren überhaupt entwickelt. Er genießt daher zu Recht die Aufmerksamkeit von Forschern aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Trotzdem sind viele Aspekte der Herodot-Forschung umstritten, und von einer verbindlichen Sichtweise über den pater historiae, den «Vater der Geschichtsschreibung», scheint man weiter entfernt als jemals zuvor. Dieser Sammelband bildet das weite Spektrum moderner Perspektiven auf Herodot ab, ohne sich einer einzigen Forschungstendenz als Dogma zu verschreiben.

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Nicola Zwingmann - Überlegungen zur Zuverlässigkeit Herodots am Beispiel der Sesostrisreliefs in Ionien

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375 Nicola Zwingmann Überlegungen zur Zuverlässigkeit Herodots am Beispiel der Sesostrisreliefs in Ionien Zusammenfassung Herodot beschreibt zwei Felsreliefs mit angeblich ägyptischer Hieroglyphenin- schrift in Ionien, die er als Siegesdenkmäler des ägyptischen Pharao Sesostris deu- tet. In der Forschung wird seit Langem intensiv diskutiert, ob diese Reliefs mit den beiden hethitischen Felsreliefs am Pass von Karabel (oder zumindest mit einem da- von) gleichzusetzen seien und ob Herodot sie aus eigener Anschauung kenne. He- rodots Autopsieversicherung soll, unabhängig davon, ob sie stimmt, folgenden Be- hauptungen Glaubwürdigkeit verleihen: dass der legendäre Eroberer Sesostris tat- sächlich in einer fernen Vergangenheit, die Herodot allerdings nur äußerst grob zeitlich verortet, so entfernte Gebiete erobert hat und dass die sehr alten und fremdartigen Reliefs somit ägyptisch sind. Der Blick auf die frühe Forschungsgeschichte zum – damals einzig bekannten – Relief Karabel A zeigt die erheblichen Schwierigkeiten, die hethitischen Denkmäler als eigene Gattung zu erkennen und richtig einzuordnen. Nachdem die hethitische Kultur untergegangen war, geriet sie durch die gesamte Antike bis weit ins 19. Jh. in Vergessenheit. Wie bereits Herodot fühlte sich Charles Texier, der 1839 die erste Zeichnung von Karabel A anfertigte, an ägyptische Kunst erinnert, und das obwohl er einige Jahre zuvor die hethitischen Felsreliefs von Yazılıkaya gezeichnet hatte. Die Zeichnungen des 19. Jh. führen außerdem vor Augen, wie unterschiedlich ein und dasselbe Denkmal wahrgenommen wurde, bevor mittels der Fotografie ein ‘objektives’ Abbild erstellt werden konnte. Dadurch relativieren sich die hohen An- sprüche,...

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