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Orthographieleistungsprofile von Lerngruppen der frühen Sekundarstufe I

Befunde – Kontexte – Folgerungen

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Ina Karg

In diesem Buch werden Orthographieleistungen in Diktaten und Aufsätzen von sechs Lerngruppen der 5. und 6. Jahrgangsstufe untersucht. Die Befunde aus den quantitativen und qualitativen Analysen werden vor dem Hintergrund von Orthographieerwerbsmodellen und fachdidaktischen Aussagen zum Rechtschreibunterricht diskutiert. Einen weiteren Kontext bietet die Darstellung der gegenwärtigen Situation der Orthographie in der Öffentlichkeit nach den Turbulenzen der neuen Reform. Schließlich wird aufgezeigt, welche konkreten Programme für bestimmte Erscheinungsbilder in einer Lerngruppe förderlich sein können. Dies bedeutet, dass auch Lehrkräfte dieses Buch als Instrument für entsprechende Analysen und Akzentuierungen im Unterricht mit ihren Lerngruppen einsetzen können.

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5 Orthographie und Öffentlichkeit

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5.1 Über die Notwendigkeit, richtig zu schreiben 5. 1 . 1 Fundstücke am Wegrand des Alltags Inschrüt an einem Banernhaus in Hollerstetten, Landkreis Neumarkt/Opf. (Giebelseite), eigenes Foto Der Text, der an dieser Hauswand zu sehen ist, stammt aus dem späten 1 8 . Jahr­ hundert und lautet: stehe stil 0 mensch und lese hir waß an disen haus duet stehen Mir leben In arbeit und mie misen Doch zum Krabe gehen mir menschen leben so dahin und nehmen nicht In acht daß ein Jeter augen blicK daß leben Kirzer macht (Stehe still, 0 Mensch, und lies hier, was an diesem Hause steht ["tut stehen"] : Wir leben in Arbeit und wir müssen doch zum Grabe gehen. Wir Menschen leben so dahin und lassen au­ ßer Acht ["nehmen nicht in Acht"], dass ein jeder Augenblick das Leben kürzer macht.) Wer diese Zeilen einst geschrieben hat, war keinen amtlichen Regeln für die Rechtschreibung unterworfen, da es sie noch nicht gab. Er setzt seine lokale 1 73 Aussprache in Schrift um ( *mir und *mie fiir wir; *misen fiir müssen; *Kirzer fiir kürzer), wobei es jedoch auch zu Hyperkorrektheit kommt ( *Krabe fiir Grabe; *Jeter fiir jeder). Auf die Aussprache ist auch die inkorrekte Bildung des Dativmorphems zurückzufiihren: *an diesen haus. Der Schreiber kennt kleine und große Buchstaben, setzt die Großbuchstaben jedoch lediglich aus offenbar ästhetischen Gründen ein; jedenfalls ist eine Systematik nicht zu erkennen. Das Dehnungs-h bzw. Silbengrenzen-h ist bekannt (stehe; gehen; nehmen), nicht jedoch...

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