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Überlebenschancen der Kleinsprachen in der EU im Schatten nationalstaatlicher Interessen

Identitätskonstruktionen von Kulturakteuren in europäischen Grenzräumen

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Zhouming Yu

Die zwischen Sprach- und Politikwissenschaft angesiedelte Studie beschäftigt sich mit der Situation der Kleinsprachen in Europa und mit den soziolinguistischen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen ihres Überlebens. Sie nimmt durchgehend zweierlei in den Blick: die Ursachen für Sprachgefährdung einerseits, die Faktoren für eine erfolgreiche Spracherhaltung andererseits. Sprache wird hierbei immer sowohl als Identitätsträger als auch als Kommunikationsmittel verstanden und aus Sicht der unterschiedlichen Akteure, des Staates und der Sprecher der Kleinsprachen, beleuchtet. Diskutiert werden unter anderem Aspekte wie Fragen zu Sprachstatus und Sprachkompetenz, deren Domänenspezifik, die Chancen und Risiken individueller und staatlicher Mehrsprachigkeit sowie die völkerrechtlichen Rahmenbedingungen.

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9 Schlussfolgerungen

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In Europa zählen über 30 Sprachen zur Kategorie „Kleinsprache“, die in dieser Arbeit behandelt werden. Obwohl diese Arbeit sich nur auf die Beziehungen zwischen Staat und Minderheit(en) konzentriert, ist das Thema komplex, weil die Situation verschiedener ethnischen Gruppen und ihrer Sprachen in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich ist. Eigentlich ist jeder einzelne Fall einer ausführlichen Studie wert. Trotzdem erscheint es in Anbetracht der gemeinsamen Geschichte und der gemeinsamen politischen und ideologischen Traditionen Europas möglich, die Gemeinsamkeit der Lage der europäischen Kleinsprachen zusammenzufassen – Aufgabe dieser Studie war es daher auch zu versuchen, einen umfassenden Überblick über die Problematik der Bedrohung der Kleinsprachen in Europa zu geben. Im Allgemeinen lassen sich auf der Basis der bisherigen Ausführungen fol- gende Schlussfolgerungen ziehen: 9.1 Die Herausbildung und Stabilisierung der Nationalstaaten hat die wichtigste Rolle bei der Sprachgefährdung in Europa gespielt. Der Sprachtod ist als Folge der Wechselwirkungen zwischen äußeren nichtsprachlichen Bedingungen, soziolinguistischen Verschiebungen und sprachstrukturellen Veränderungen zu betrachten. Der Prozess des Sprach- sterbens fängt in den meisten Fällen (falls es nicht um abrupten Sprachtod wie z. B. bei einem Völkermord geht) mit einer bilingualen Situation an, in der die Sprecher der indominanten Sprache allmählich zur dominanten Sprache wech- seln. Die Ursache des Sprachwechsels, in dem eine Sprache ihre Sprecher, ihre Funktionen, ihr Prestige sowie ihre Ausdrucksmöglichkeiten allmählich verliert, liegt dabei in externen Faktoren. In Europa sind der Sprachtod und die Sprachgefährdung eng mit der Heraus- bildung der Nationen...

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