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Die Grande Armée in Deutschland 1805 bis 1814

Wahrnehmungen und Erfahrungen von Militärpersonen und Zivilbevölkerung

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Stephanie Poßelt

Die Napoleonischen Kriege von 1805 bis 1814 stellten die Menschen in Deutschland nicht nur aufgrund von Kriegsbelastungen, sondern auch hinsichtlich gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen vor neue Herausforderungen. Das Buch untersucht diese Umbruchszeit aus kultur- und sozialgeschichtlicher Perspektive. Im Fokus stehen die Kriegserfahrungen sowohl der deutschen Bevölkerung als auch der Soldaten der Grande Armée und deren gegenseitige Wechselwirkung im zivilen und militärischen Alltag einer ständig dem Wandel unterlegenen Lebenswelt. Die Studie gewährt zudem Einblicke in Wahrnehmungen, Sinnstiftungen und Umdeutungen, die auf zeitgenössischen und retrospektiv verfassten Quellen basieren.

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3 Die Grande Armée

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3.1 Die französische Revolutionsarmee im Süden Deutschlands Die süddeutschen Staaten lernten mit dem Einmarsch der Revolutionstruppen die Schrecken des Krieges kennen. Obwohl im Rückblick die Kriegszeit bis 1815 durch die Zeitgenossen als Einheit wahrgenommen worden ist, unterteilt sich diese Zeit in drei Abschnitte. Die Revolutionskriege unterschieden sich deutlich von den Napoleonischen Kriegen, die wiederum von den Befreiungs- kriegen abgelöst wurden. Mit der Kriegserklärung Frankreichs an Österreich und Preußen 1792 wandelte sich das vom Adel dominierte Königsheer zu einem na- tionalen Volksheer. Nachdem aber der freiwillige Zulauf der Bürger zur Armee nicht den Erwartungen des Pariser Wohlfahrtsausschusses entsprach und die mi- litärische Situation für die neue Republik prekär wurde, rief der Ausschuss die „levée en masse“1 im August 1793 ins Leben. Die Struktur der Armee hatte sich mit dem Verlust des Führungsprivilegs der Adligen, das schon 1789 aufgehoben wurde, grundlegend verändert.2 So konnte jeder Soldat, der seine Führungsquali- täten unter Beweis stellte und des Lesens und Schreibens mächtig war, bis in die höchsten Ränge aufsteigen, womit der Wehrdienst für breitere Volksschichten erheblich attraktiver wurde. Doch die Umwandlung der alten Armee in eine Freiwilligenarmee bedeutete Einschnitte auf der Ebene der professionellen Füh- rung und Strategie, da die neuen Truppen nicht in der Lage waren, Taktiken punktgenau umzusetzen.3 So war für die errungenen Siege, neben dem psycho- logischen Moment des Vertrauens der jungen Rekruten in die Errungenschaften der Revolution,...

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