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Formelhafte (Ir-)Regularitäten

Korpuslinguistische Befunde und sprachtheoretische Überlegungen

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Sören Stumpf

Das Buch thematisiert phraseologische Irregularitäten, also Phraseme, die strukturelle oder semantische Abweichungen gegenüber dem freien Sprachgebrauch aufweisen. Der Autor zeigt systematisch deren Vielfalt auf, wertet ihren tatsächlichen Gebrauch mithilfe von Korpusanalysen aus und reflektiert ihre Spezifika aus sprachnorm- und sprachwandeltheoretischer sowie konstruktionsgrammatischer Perspektive. Er kommt zu dem Ergebnis, dass phraseologische Irregularitäten innerhalb der Phraseologie beziehungsweise der formelhaften Sprache keine Randstellung einnehmen. Ihr irregulärer Charakter muss daher aus verschiedenen Blickrichtungen relativiert werden.
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I. Exploration des Untersuchungsgegenstands

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3 1. Einleitung 1.1 Untersuchungsgegenstand und Problembereich Sprache ist etwas Ordentliches, ohne Zweifel; und darin liegt das Hauptinteresse an ihr als einem wissenschaftlichen Gegenstand. Die in den letzten fünfundzwanzig Jahren entwickelten formalen Mittel zur Erklärung der Strukturen, die die Ordnung ausma- chen, haben eine solche Faszination ausgeübt, daß sie die Aufmerksamkeit von allem, was die Ordnung stört, fast vollständig abgezogen haben. Hierfür war ein gerütteltes Maß an Idealisierung nötig, die die Sprache als ein variationsloses, konsistentes und determiniertes System erscheinen ließ. Für idiomatische Wendungen und sonstige fest- stehende Kollokationen war in einer solchen Konzeption kein Platz, denn sie sind ja geradezu das Paradigma der gestörten Ordnung. (Coulmas 1981a: 29f.) Die Unvereinbarkeit fester Wortverbindungen mit der (generativistischen) Ord- nung einer Sprache – wie sie im obigen Zitat angesprochen wird – galt lange Zeit geradezu als ein Gemeinplatz innerhalb der modernen Linguistik; sind es doch vor allem idiomatische Wendungen, die sich dem formalistischen Regelapparat einer Generativen Grammatik widersetzen. Unter der Annahme, Phraseme näh- men nur einen kleinen, vernachlässigbaren Teil des Sprachsystems ein, wurde diese „Lücke“ der Theorie jedoch getrost in Kauf genommen. Angesichts dieser stark idealisierten und realitätsfernen Auffassung ließen kritische Stimmen nicht lange auf sich warten. Primär waren und sind es die Phraseologie und seit Ende der 1980er Jahre die Konstruktionsgrammatik, die die postulierte Vernachläs- sigbarkeit fester Wortverbindungen anzweifeln. Oberste Prämisse beider For- schungsrichtungen ist die Überzeugung, dass vorgeformte sprachliche Einheiten nicht der Sonderfall, sondern...

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