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Revision in Permanenz

Studien zu Jean Amérys politischem Ethos nach Auschwitz

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Edited By Sylvia Weiler and Michael Hofmann

Der Band befasst sich mit Jean Améry, einem der wichtigsten Autoren «nach Auschwitz», und seinem Verhältnis zu zeitgenössischen Diskursen nach 1945. Jean Améry hat mit seinem essayistischen Werk Maßstäbe für die Reflexion des «Zivilisationsbruchs» gesetzt und dabei persönliche Erfahrungen mit philosophischen Perspektiven verknüpft. Die hier versammelten Aufsätze verdeutlichen Amérys ethische Positionen, seinen Beitrag zur Literatur- und Kulturkritik und seine politische Philosophie. Er setzte sich mit dem Existentialismus, der Kritischen Theorie, dem (Post-)Strukturalismus, der Studentenbewegung und den Debatten um die Sicherheit des Staates Israel auseinander und stand mit vielen wichtigen Autoren der Zeitgeschichte in Kontakt. Die Darstellungen zeigen, dass Améry ein exemplarisches politisches Ethos entwickelte, das sich in radikaler Offenheit den Erfahrungen der Shoah stellte und Maßstäbe für eine reflektierte Zeitgenossenschaft nach 1945 setzte.
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„Zerrissen von inneren Widersprüchen“: Paradoxien eines Positivisten

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Abstract: This essay explores the extent to which Améry remained loyal to the philosophy of positivism that he adopted in pre-war Vienna. It suggests that a distinction must be made between Améry’s theory and practice, and more specifically between his rhetorical structures and his conceptual arguments. Examples from the four main areas of Améry’s thought – biography, philosophy, politics, and literature – are adduced in support of this contention. Although Améry clung throughout his life to the primacy of lived experience – „le vécu“ – his positivistic cast of mind nonetheless harbours aporia and paradoxes that stand in an intriguingly dialectical relationship with his common sense empiricism. Close examination of the structures of Améry’s thought can exemplify what he termed the ‚contradictory constitution of the human condition‘.

In einem Brief datiert am 26. Februar 1976 beschreibt Jean Améry sein Werk als ein „ewiges, vielleicht vergebliches Bemühen, dialektisches und neopositivistisches Denken zur Übereinkunft zu bringen“ (W 8, 5181). In diesem Beitrag möchte ich im Zeichen dieses Versöhnungsversuchs der Frage nachgehen, inwiefern Améry seinem schon im Vorkriegswien formulierten Positivismus treu bleibt. Meine These ist, um sie gleich vorwegzunehmen, dass man zwischen Amérys Theorie und Praxis zuweilen unterscheiden muss, dass sich seine rhetorischen Strukturen und seine begrifflichen Argumente nicht immer decken. Um diese Behauptung zu begründen, werde ich Beispiele aus den vier Hauptbereichen seiner Tätigkeit heranziehen – denn Amérys „innere Widersprüche“ lassen sich aus jeweils lebensgeschichtlicher, philosophischer, politischer...

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