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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Vorbemerkung

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Die kulturwissenschaftlichen Diskurse der letzten Jahrzehnte bewegen sich, gut sichtbar in zahlreichen Einführungen, meist weit oberhalb konkreter Gegenstände auf der Ebene methodologischer Reflexion. Die zahlreichen „turns“ etwa entwickeln jeweils anders zugespitzte Zugriffsmöglichkeiten auf potenziell jeden Gegenstand, soweit er oder seine Wahrnehmung kulturell überformt ist – und welcher wäre das nicht? Dabei wird zwar immer wieder exemplarisch auf dieses oder jenes Anwendungsbeispiel verwiesen, aber nie wirklich umrissen, was denn nun insgesamt der Objektbereich der neueren Kulturwissenschaft(en) sein soll. Ursache hierfür ist eine expansive Ausweitung des Begriffs „Kultur“, in dessen konstruktivistischer wie kultursemiotischer Variante von innerhalb der Kultur aus nichts rein Außerkulturelles wahrgenommen werden kann. Wie aber lässt sich das damit zum Gegenstandsbereich gewordene, durch innerkulturelle Dispositive gebrochene und verzerrte „Alles“ begrifflich noch umreißen?

Die hochspezialisierten Fächer, die sich im kulturwissenschaftlichen Austausch begegnen, finden zur Zusammenarbeit am leichtesten dann, wenn sie Gegenstandsbereiche behandeln, in denen ihre Zuständigkeitsgebiete sich überschneiden. Nicht umsonst gibt es zahlreiche interdisziplinäre Projekte, in denen Wissenschaftler verschiedener Fächer sich mit ein und demselben Phänomen aus unterschiedlicher disziplinärer Sicht beschäftigen. Doch kann dies den eigenartigen Eindruck einer generellen Unbestimmtheit des Gegenstandsbereiches der Kulturwissenschaft(en) insgesamt schon deshalb nicht beseitigen, weil es bisher keine Versuche gibt, den Apparat der Theorien und Methoden an einem für sich selbst untersuchten größeren Gegenstandsbereich, z. B. der Kultur eines bestimmten Sprachraumes oder einer bestimmten Zeit, vollständig und systematisch zu erproben. Die in der...

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