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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Edited By Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Wie frei ist der Schriftsteller heute? Informelle Behinderung und strukturelle Verhinderung von literarischen Texten in unserer Gegenwart

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York-Gothart Mix

Wie frei ist der Schriftsteller heute?

Informelle Behinderung und strukturelle Verhinderung von literarischen Texten in unserer Gegenwart

Prolegomena

Zum Anfang ein Zitat aus einem neueren Aufsatz über Sophie von La Roche mit dem Titel Emanzipation in der Literatur:

Die Schriftstellerei von Frauen war nur durch ihren pädagogischen Wert legitimiert. Das galt auch für Sophie von La Roche: Junge Mädchen und erwachsene Frauen sollten durch ihr Werk zu einem tugendhaften Leben angeleitet werden. Anders ist es bei Charlotte Roche, Jahrgang 1978: Auch sie ist eine deutsche Bestsellerautorin. […] Detaillierte Sexschilderungen und Beschreibung von Körperlichkeit und Körperausscheidungen wie Hämorriden, Periode und sonstigen Körperflüssigkeiten stehen im Fokus. Das Verlegen eines Buches unterliegt im 21. Jahrhundert keinem Gebot von Tugend und Moral mehr wie noch zu Zeiten von Sophie von La Roche.1

Das scheint Opinio communis zu sein. Ist es so? Alles prima, Emanzipation geglückt?

Man muss sich nicht den aktuellen Fall von Lena Dunham ins Gedächtnis rufen, die in ihrem neuen Seller Not That Kind of Girl. Was ich im Leben so gelernt habe schildert, „wie sie als Siebenjährige die Vagina ihrer einjährigen Schwester besah“2 und sich jetzt dem Vorwurf des Missbrauchs von Kindern ausgesetzt sieht, um an der zitierten Einschätzung Zweifel anzumelden. Unter gar nicht so singulären Umständen hat der deutsche Kulturbetrieb mit Hämorriden, Periode, Körperflüssigkeiten und dem...

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