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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Edited By Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Bloggen – Zu einem Blog an der Schnittstelle von Journalismus, Literatur und Wissenschaft

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Abb. 1: Erste Folie des Power-Point-Vortrages mit Animation1

1.   Bloggen als Gegenwartskultur

Mit diesem Aufsatz geht es beispielhaft um eine Gegenwartskultur: den Blog im Internet und das Bloggen. Weder Blogs noch das Bloggen haben in den Kulturwissenschaften bislang einen guten Leumund. Sie sind verrufen, Gegenstand besorgter Politikerreden zur Politikkultur, Spielfeld zwielichtiger Internetaktivistinnen, die sich zu keiner Partei zusammenfinden konnten und dennoch ← 205 | 206 → als Abgeordnete der Piratenpartei wie Julia Reda die politische Agenda des Digitalen im Europäischen Parlament hinsichtlich einer Harmonisierung des Urheberrechts maßgeblich mitbestimmen.2 Blogs gelten als das große Andere einer Zeitungs-, Buch- und Verlagskultur, die sie zu zerstören drohen. Ja, die Literaturkulturen werden gegenwärtig von einer Selfie-, Pics- und Bildkultur überhaupt gefährdet. Icons, Apps, Grafiken und Bilder lösen entblödend eine Textkultur ab. Wo früher gelesen wurde, reizen heute Bilder zum schnellen Klick und „Like“ mit dem Daumen-nach-oben-Icon auf Facebook oder Herz-Icon auf Instagram bzw. Iconosquare. Auf der Konferenz Zugang gestalten am 13. November 2013 im Jüdischen Museum sprach Pavel Richter, Vorstand von Wikimedia Deutschland e. V., von einer rapiden „Enttextlichung“ als Trend.3 Visualisierung durch Bilder, Apps, Icons, Logos führt zu einer „Enttextlichung“ zumindest in dem Sinne, dass es auf älteren Websites wenig Bilder und viel Text gab. Das waren dann allerdings auch Letternwüsten und „Blogwürste“.4

Doch sollten schnelle und vorschnelle Besorgnisse um gefährdete oder verfallende Kulturen nicht zuletzt die Sorge um uns selbst,...

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