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Kirche nach Auschwitz zwischen Theologie und Vergangenheitspolitik

Die Auseinandersetzung der evangelischen Kirchen beider deutscher Staaten mit der Judenvernichtung im «Dritten Reich» im politisch-gesellschaftlichen Kontext

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Tetyana Pavlush

In ihrem Buch zeichnet Tetyana Pavlush den Wandel der Holocaust-Reflexion in den evangelischen Kirchen in der Bundesrepublik und in der DDR. Zentral sind Fragen nach dem Anteil der Kirchen am gesamtgesellschaftlichen Lernprozess hinsichtlich des Holocaust und nach der Auswirkung der offiziellen Vergangenheitspolitik auf die kirchliche Erinnerung. Durch vergleichende Analyse der öffentlichen Kontroversen und Gedenktage erfasst die Autorin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den kirchlichen Diskussionen auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze im engen Zusammenhang mit den politisch-gesellschaftlichen Faktoren. Die Auswertung der Stellungnahmen der Amtskirchen sowie der Arbeitsergebnisse von Kirchentagen und evangelischer Presse ergibt ein differenziertes und dynamisches Bild der kirchlichen Erinnerungsarbeit zwischen dem Ende der NS-Zeit und der Wiedervereinigung.
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4. Der 9. November 1938 als Forum für die Holocaust-Reflexion

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4.  Der 9. November 1938 als Forum für die Holocaust-Reflexion

In den vorhergehenden Kapiteln wurden politische und kulturelle Ereignisse – der Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem, das Drama von Rolf Hochhuth „Der Stellvertreter“, der Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten sowie die Ausstrahlung der TV-Serie „Holocaust“ – als signifikante, doch spontane und äußere Impulse für die gesellschaftliche und kirchliche Auseinandersetzung mit der Shoah behandelt.

Das historische Ereignis aus der NS-Zeit, die so genannte „Kristallnacht“, datiert auf die Nacht vom 9. zum 10. November 1938, entwickelte sich sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR sukzessive zu einem geschichts- und identitätspolitisch bedeutsamen Gedenktag. Dabei wurde die Erinnerung an die Novemberpogrome eng mit der Gegenwartspolitik verflochten. An diesem Gedenktag kamen sowohl der aktuelle Stand des Holocaustbewusstseins als auch das Verhältnis von Erinnerung und Politik deutlich zum Vorschein. Ebenfalls in den Kirchen bot dieser Gedenktag regelmäßig Anlass für die kritische Auseinandersetzung mit dem Judentum, mit der Shoah und mit der Rolle der Kirchen in der NS-Zeit. Insofern ermöglicht die Analyse des Pogromgedenkens und der damit zusammenhängenden kirchlichen Stellungnahmen und Initiativen den Einblick in den Verlauf der Holocaust-Reflexion sowie des christlich-jüdischen Gesprächs in den evangelischen Kirchen beider deutscher Staaten. Erkenntnismäßig erscheint die Hinwendung zum Pogromgedenken auch sinnvoll, weil sie einer der zentralen Fragen dieser Studie nach den Wechselwirkungen zwischen den politischen, öffentlichen und kirchlichen Ebenen der Holocaust-Rezeption gerecht wird.

Der kanadische Soziologe Y. Michal Bodemann argumentierte,...

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