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Linguistik und Kulturwissenschaft

Zu ihrem Verhältnis aus der Perspektive des Faches Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und anderer Disziplinen

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Edited By Michael Dobstadt, Christian Fandrych and Renate Riedner

Die Beiträge des vorliegenden Bandes zu einer 2013 am Herder-Institut der Universität Leipzig veranstalteten Tagung dokumentieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der linguistischen und kulturwissenschaftlichen Forschung an der Schnittstelle von Sprache und Kultur. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Dieses ist von seiner Aufgabenstellung her in besonderer Weise prädestiniert, das Verhältnis von Sprache und Kultur zu reflektieren und mit Blick auf Prozesse des Spracherwerbs und der Sprachvermittlung unter den Bedingungen von Fremd- und Mehrsprachigkeit zu konzeptualisieren.
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Linguistic Landscapes – Erinnerung und Diskurs. Bestandsaufnahme und Perspektiven für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache: Simone Schiedermair

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1.Linguistic Landscapes

Wie Jannis Androutsopoulos (Androutsopoulos 2010, 1) ausführt, stellen die Untersuchungen zu Linguistic Landscapes eine sehr junge Forschungsrichtung dar. Ein Band zur Sprachensituation in Jerusalem aus dem Jahr 1991 (Spolsky / Cooper 1991) kann zwar als Vorläuferstudie gelten, der Begriff selbst wurde jedoch erst 1997 (Landry / Bourhis 1997) geprägt und findet erst seit 2006 (Gorter 2006) in der Fachdiskussion eine breitere Verwendung.

Allgemein versteht man unter Linguistic Landscapes die Präsenz sprachlicher Zeichen im öffentlichen Raum (Warnke 2011, 357); genauer müsste man sagen, sprachlicher Zeichen in der konkreten und vergleichsweise dauerhaften Materialität der schriftlichen Zeichen im Gegensatz zur flüchtigen akustischen Dimension mündlicher sprachlicher Zeichen. Als solche sind sie aus der unmittelbaren Sprechsituation entbunden. Sprecher und Hörer bzw. Schreibende und Lesende teilen zwar den Raum; denn die sprachlichen Zeichen der Linguistic Landscapes sind v.a. an immobile Strukturen des öffentlichen Raums gebunden, etwa Gebäude aller Art. Eine zerdehnte Sprechsituation im Hinblick auf die Zeit ist jedoch grundlegend. Als m.E. wichtiges Spezifikum kommt hinzu, dass Linguistic Landscapes Leseakte initiieren, die – anders als bei Textarten wie Reiseführer, Lexikonartikel, Leserbriefe oder gar poetische Texte1 – nicht voluntativ erfolgen, sondern sich den Lesenden sozusagen „aufdrängen“. Angesichts dieser willkürlichen Konfrontation, die nicht einer eigenen Absicht geschuldet ist, entwickeln die Lesenden Strategien der Wahrnehmung oder der Nicht-Wahrnehmung. Aus der Perspektive der Schreibenden ist es dem entsprechend entscheidend, die selektive Wahrnehmung der Passantinnen und Passanten, die auch und insbesondere im öffentlichen Raum...

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