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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Herta Müllers Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte Rumäniens aus der Randperspektive

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Maria Korzeniewska-Jeleń

Das mehrfach preisgekrönte Schaffen Herta Müllers beinhaltet viele autobiographische Züge, wozu sich die Autorin selbst bekennt. Die Lebensgeschichte, die in den Werken erzählt wird, handelt von der dumpfen Kindheit in der banatschwäbischen Provinz, vom Erwachsenenleben im Schatten der rumänischen Diktatur und was darauf folgte, von der Flucht in die Bundesrepublik, die endlich nur in Heimatlosigkeit und einem „Schmerz des Weggehens“1 endete. Diese Lebensereignisse erscheinen im literarischen Schaffen der Autorin als ein bedeutender Abschnitt der Zeitgeschichte. Herta Müller beleuchtet die autobiographische Fundierung ihrer Texte mit folgenden Worten: „Ich muss mich im Schreiben dort aufhalten, wo ich innerlich am meisten verletzt bin, sonst müsste ich doch gar nicht schreiben.“2 Die dargestellten Geschehnisse und Wahrnehmungen fokussieren nicht nur auf die einzelnen Figuren und deren Schicksale im Werk Herta Müllers, sondern es werden universelle Schlüsse gezogen, die sich auf Ideologien, Drangsalierung, Geschichtsvergessen und ‚Landschaften der Heimatlosigkeit‘ ausrichten. In ihrem gesamten Werk bezieht sich Herta Müller auf die Welt der rumänischen Diktatur, obwohl sie seit 1987 nicht mehr in diesem Land lebte. „Von Rumänien bin ich längst losgekommen. Aber nicht losgekommen von der gesteuerten Verwahrlosung der Menschen in der Diktatur, von ihren Hinterlassenschaften aller Art …“3 Das Erlebte bildet den Hintergrund des Schaffens, es geht um die Darstellung der Zeitgeschichte, wenn auch nur in einer entstellten Form als Abbildung der nicht einheitlichen Erinnerung. Herta Müller übergibt dem Leser eine vom verängstigten...

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