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Geschichte in der Öffentlichkeit

Konzepte – Analysen – Dialoge

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Edited By Christine Gundermann, Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der anhaltende Geschichtsboom stellt die Historiker*innen in Forschung und Praxis vor neue Herausforderungen. Die Kommunikation von Geschichte im öffentlichen Raum ist inszeniert und zweckgebunden. An sie werden Vermittlungsansprüche gestellt und doch hat öffentliche Geschichte als Teil von gegenwärtigen Erlebniskulturen nicht länger die leitende gesellschaftliche Kraft, die ihr im ausgehenden 19. Jahrhundert noch zugesprochen wurde. Um die aktuellen medialen, materiellen und performativen Praktiken öffentlicher Geschichte besser zu verstehen, wenden sich die Beitragenden in diesem Band der kritischen Reflexion theoretischer Konzeptionen öffentlicher Geschichte wie der Erinnerungskultur, Geschichtskultur und des neuen Ansatzes der Public History zu. Sie stellen in einem zweiten Teil in Einzelanalysen ausgewählte Medien der Geschichte vor und präsentieren in einem dritten Teil Reflexionen aus der Praxis.

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Zeitgeschichte und Erinnerungskultur in Europa

Christoph Cornelißen

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Abstract: Ausgehend von der gegenwärtigen Konjunktur der Erinnerungsforschung rückt der Beitrag zunächst einige Gründe für deren Aufstieg in den Mittelpunkt. Wichtige Impulse kamen hierfür aus Frankreich. Der Beitrag unterscheidet sodann wesentliche Stufen in der Ausdifferenzierung nationaler Erinnerungskulturen seit 1945 und zuletzt untersucht er, welche Einflüsse von der Europäisierung der Erinnerung auf nationale kollektive Gedächtnisse ausgegangen sind. Hierbei zeigt sich, dass ungeachtet neuer Tendenzen zur Europäisierung der öffentlichen Erinnerung sowohl nationale Grenzen als auch die ehemaligen Blockgrenzen bedeutsam geblieben sind.

Keywords: Zeitgeschichte, Memoria, Erinnerungskultur, Nationalismus, Europäisierung

Soviel Erinnerung wie heute war nie zuvor. Jedenfalls signalisieren die Titel zahlreicher geschichtswissenschaftlicher Neuerscheinungen sowie die einschlägigen Bibliographien das anhaltende Interesse an einem Phänomen, das sowohl die Politik als auch die breite Öffentlichkeit schon seit mehreren Jahren gefangen nimmt. Sich zu erinnern gehört heute gewissermaßen ‚zum guten Ton‘, wenn man politisch ernst genommen werden will. Öffentliche Amtsträger und -trägerinnen entschuldigen sich deswegen heute oft mit großer Geste für Missetaten ihrer Vorfahren, die zuweilen weit in der Geschichte zurückliegen.1 Insbesondere über zeithistorische Themen wird bereits seit vielen Jahren im öffentlichen Raum ein Kampf um einen vorderen Platz in der Erinnerung ausgetragen. Aus dem Englischen und Französischen ist dafür der Begriff der victimisation bekannt. Konkret weist er darauf hin, dass überall dort, wo der Staat finanzielle oder auch andere ←13 | 14→Mittel für das öffentliche Gedenken aufbringt, die Angehörigen...

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