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Geschichte in der Öffentlichkeit

Konzepte – Analysen – Dialoge

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Edited By Christine Gundermann, Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der anhaltende Geschichtsboom stellt die Historiker*innen in Forschung und Praxis vor neue Herausforderungen. Die Kommunikation von Geschichte im öffentlichen Raum ist inszeniert und zweckgebunden. An sie werden Vermittlungsansprüche gestellt und doch hat öffentliche Geschichte als Teil von gegenwärtigen Erlebniskulturen nicht länger die leitende gesellschaftliche Kraft, die ihr im ausgehenden 19. Jahrhundert noch zugesprochen wurde. Um die aktuellen medialen, materiellen und performativen Praktiken öffentlicher Geschichte besser zu verstehen, wenden sich die Beitragenden in diesem Band der kritischen Reflexion theoretischer Konzeptionen öffentlicher Geschichte wie der Erinnerungskultur, Geschichtskultur und des neuen Ansatzes der Public History zu. Sie stellen in einem zweiten Teil in Einzelanalysen ausgewählte Medien der Geschichte vor und präsentieren in einem dritten Teil Reflexionen aus der Praxis.

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Laboratorium der Erinnerungsbilder. Der Erste Weltkrieg im Geschichtscomic

Sylvia Kesper-Biermann

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Abstract: Der Beitrag gibt einen Überblick über Comics zum Ersten Weltkrieg, die in Deutschland zwischen 1950 und 2015 erschienen sind. Erstens geht es um die Entwicklungslinien und die Einordnung der insgesamt 64 Bände in die von der Forschung erarbeiteten Typologien von Geschichtscomics. Zweitens werden diese Comics als Medien populärer Geschichtsdarstellung anhand von vier Merkmalen untersucht. Es handelt sich um die räumliche Anordnung von Zeit, die Verflechtung von Fakten und Fiktion, die Erzeugung von Distanz zur Vergangenheit sowie die Eingebundenheit der Bildergeschichten in die Erinnerungskulturen ihrer Entstehungszeit und -region.

Keywords: Erster Weltkrieg, Comic, Geschichtscomic, Erinnerungskulturen

2014 jährte sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Eine kaum überschaubare Vielzahl an Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen, Büchern, Denkmaleinweihungen, Presseberichten, Tourismusinitiativen, Radio- und Fernsehsendungen sowie Webseiten sorgen seitdem in Deutschland und Europa dafür, dass der ‚Große Krieg‘ in der Öffentlichkeit überaus präsent ist. Während man sich unter anderem in Großbritannien, Frankreich oder Australien auf einen Erinnerungsboom vorbereitet und, in den Worten des englischen Journalisten Henry Porter, ein „centenary to end all centenaries“1 erwartet hatte, zeigten sich viele Deutsche erstaunt, wie häufig ihnen der vergessen geglaubte Krieg begegnete. Die historischen Ereignisse waren zudem in bislang wenig vertrauten Formen zu sehen. Dazu gehörten für große Teile des deutschsprachigen Publikums ←115 | 116→die rund um das Jubiläum veröffentlichten Comics über die Jahre 1914 bis 1918.

Die folgenden Ausführungen untersuchen diese Bildergeschichten als Medien popul...

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