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Der ehrbare Kaufmann im deutschen Recht

Untersuchungen zu Herkunft und Bedeutung des Begriffs „ehrbarer Kaufmann“ sowie zum Einfluss der Ehre auf das Wirken des Kaufmanns bei besonderer Betrachtung der Entwicklung der Ehrenstrafe

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Marija-Jennifer Milinovic

Der Band sucht den ehrbaren Kaufmann im deutschen Recht und möchte damit die bisherigen Forschungen zu diesem Thema im Bereich Compliance und Corporate Social Responsibility (CSR) um eine rechtshistorische Betrachtung ergänzen. Beleuchtet werden nicht nur die einstigen Ehrengerichte der Industrie- und Handelskammern und der Börse, sondern auch die Entwicklung der Ehrenstrafe. Die Rechtsfolge dieser Strafe war die Ehrlosigkeit, die Einfluss auf das Wirken des Kaufmanns nehmen konnte. Die Untersuchung zeigt, dass über 2000 Jahre hinweg es hauptsächlich drei Tatbestände waren, die die Ehrenstrafe nach sich zogen, nämlich Meineid, Bankrott und Kuppelei. Die Autorin kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass ein Kaufmann, der log oder bankrott war, zumindest kein ehrbarer Kaufmann sein konnte.

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Kapitel 5: Einfluss der bürgerlichen Ehre auf den Kaufmann

Kapitel 5: Einfluss der bürgerlichen Ehre auf den Kaufmann

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Die bisher untersuchten Normen – § 1 IHK-Gesetz, §§ 90, 238, 347 HGB – zeugen nicht unmittelbar von einer gesetzgeberischen Vorstellung und Definition eines ehrbaren Kaufmanns. Ein Leitbild des ehrbaren Kaufmanns konnte nicht herausgearbeitet werden, sieht man von dem Mindestleitbild ab, welches bei der Schaffung des Ehrengerichts der Börse Gegenstand war.

Auf Grundlage dieses Ergebnisses wird nunmehr nach dem grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Kaufmann und Ehre gefragt und der Gedanke aufgeworfen, ob aufgrund der Entwicklung von Recht und Gesetz nicht jeder Kaufmann ein ehrbarer Kaufmann sein müsse, um überhaupt Handel treiben zu dürfen. Da sich diese Arbeit in einem rechtswissenschaftlichen und rechtshistorischen Rahmen bewegt, kann es vordergründig nicht auf eine Ehre im sittlichen, moralischen oder philosophischen Sinn ankommen. Maßgeblich ist daher ein rechtlicher Ehrbegriff – der freilich in der Regel einem sittlichen Vorstellungsbild der Gesellschaft entspringt. Dieser rechtliche Anknüpfungspunkt ist mit der sog. bürgerlichen Ehre gefunden. Es stellt sich dann die Frage nach dem Einfluss der bürgerlichen Ehre auf das Wirken und das Handeln des Kaufmanns. Bei der Klärung dieser Leitfrage gilt es auch zu ermitteln, ob ein solcher Einfluss einen Beitrag zu einem bestimmten Kaufmannsbild oder zur Zusammensetzung der Kaufmannschaft leistete. Ferner ist zu klären, ob der Gesetzgeber auf eine Wechselwirkung von Kaufmann und Ehre in der Absicht Einfluss nahm, nur bestimmte Kaufleute am Wirtschaftsleben zu beteiligen. Womöglich erschließt sich über diesen Weg ein Bild des ehrbaren Kaufmanns.

Der Begriff der bürgerlichen Ehre war im Privatrecht des...

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