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Funktion und Bedeutung von Erinnerung im erzählerischen Werk Johannes Urzidils

«... ganz und gar erfunden, aber aus einer Wirklichkeit»

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Anja Bischof

In der literaturwissenschaftlichen Forschung gilt Johannes Urzidil als Schriftsteller der Erinnerung, der das untergegangene Prag vor den Augen seiner Leser neu erstehen lässt. In dem nicht unerheblichen Teil seines erzählerischen Werks, der die US-amerikanische Lebenswelt als Handlungsort thematisiert, wurde der Aspekt der Erinnerung bislang außer Acht gelassen. Diese Arbeit vergleicht Prager/böhmische und US-amerikanische Erzählwelt, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den auf den ersten Blick divergierenden Handlungsorten herauszuarbeiten. Der Fokus liegt dabei auf dem Konzept des Erinnerns: Geht ein Bruch durch das erzählerische Werk Urzidils, oder lässt sich die Erinnerung vielmehr als übergeordnetes Konzept des Urzidilschen Schreibens charakterisieren?

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4. Werkübersicht

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Johannes Urzidil hat sich vor allem auf die Form der Erzählung konzentriert. Nur einen einzigen Roman, Das Große Hallelujah, hat er geschrieben, der von seinem Aufbau her jedoch einem Urzidilschen Erzählungenband gleicht. Die Erzählungen Urzidils sind zum größten Teil in Bänden zusammengefasst, die oft – insbesondere bei den ersten erschienenen Bänden – eine erzählerische Einheit bilden, sodass sich die Bedeutung des jeweiligen Bandes erst in der Gesamtheit seiner Erzählungen erschließt.155 Dies wird auch nicht dadurch beeinträchtigt, dass einige seiner Erzählungen bereits früher in Zeitungen oder Literaturbeila- gen veröffentlicht worden waren. Insgesamt hat Johannes Urzidil 75 Erzählungen geschrieben, die immer wieder die gleichen Themen behandeln. Egal, ob die Erzählungen in Prag oder dem Böhmischen Wald oder – wie die späteren Erzählungen – in der Metropole New York oder dem amerikanischen Hinterland angesiedelt sind, in ihnen dreht es sich meist um das Eingebettetsein des Menschen in seine soziale Umgebung, seine Verantwortung und – seine Schuld. Handeln wie Nicht-Handeln hat bei Urzidils Figuren immer Konsequenzen, der Mensch kann der Verstricktheit sei- ner Existenz in das Große Ganze nicht entfliehen. Oft enthalten die Erzählungen autobiographische Züge; jedoch sollte man nicht dem Fehlschluss erliegen, es handele sich hier um authentische biographische Berichte, auch wenn es sich bei der Betrachtung und Interpretation der Erzählungen nicht immer vermeiden lässt, einen lebensgeschichtlichen Bezug herzustellen. Urzidil selbst sagte in Da geht Kafka über die Erzählung Das Vermächtnis eines...

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